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„Die Menschen trauen sich jetzt was im Web“ – Jens Wiese im Interview

Von Denis Heuring

Die Allfacebook Marketing Conference in München ist jährlich ein Highlight für alle Social Media Marketeers. Doch ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. (© AFBMC München)

In Zeiten von Corona halten sich viele Unternehmen mit digitaler Werbung zurück. Das macht Social Media Kampagnen so günstig wie nie. Jens Wiese, Mitbegründer der Allfacebook Marketing Conference, sieht darin gerade für kleine Unternehmen eine Chance – zum Beispiel für das Café an der Ecke oder den lokalen Buchladen.

Jens, kürzlich habt ihr auf eurem Blog 730 Menschen aus der Allfacebook Community gefragt, wie sich Corona auf das Social Media Marketing ihres Arbeitgebers auswirkt – darunter Unternehmen, NGOs, öffentlichen Behörden oder Vereine. Welches Umfrageergebnis hat Dich besonders überrascht?

Jens Wiese: Mich hat überrascht, dass die großen Unternehmen, also Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen, sehr entspannt mit der Situation umgehen. Von Panik ist nichts zu spüren. Etwa die Hälfte der großen Unternehmen hat ihr Social Media Budget nicht gekürzt; rund 13 Prozent der Befragten gab sogar an, dass sie das Social Media Budget erhöht haben.

Warum verwundert Dich das?

Jens: Ich hätte eher gedacht, dass viele ihre Social Media Ads erst einmal für eine Woche abschalten. In meiner Social Media Beratung hätte ich wahrscheinlich auch erst mal einen Punkt gemacht, die Situation betrachtet und gemeinsam mit dem Unternehmen darüber nachgedacht, wie das Budget am klügsten eingesetzt werden kann.

Wie verhalten sich im Vergleich dazu die kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Jens: Bei den KMUs ist es interessanterweise das Gegenteil. Viele haben sich entschieden, das Budget zu kürzen oder sogar komplett zu streichen.

Jens Wiese. (Foto: privat)

Macht das nicht Sinn? Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen doch angesichts der Corona-Krise gut überlegen, wofür sie Geld ausgeben.

Jens: Das stimmt. Nur bietet die derzeitige Situation gerade für Unternehmen Chancen, die ansonsten vergleichsweise wenig Geld für Social Media Marketing zur Verfügung haben. Ich denke da an das Café an der Ecke oder den Buchladen in der Kleinstadt – an all diejenigen also, die besonders unter der Ausgangssperre leiden.

Das liegt daran, dass sich gerade viele Unternehmen mit digitaler Werbung auf Kanälen wie Facebook oder Instagram zurückhalten, obwohl sie ihr Budget nicht zwangsläufig gekürzt haben. Gleichzeitig verbringen die Leute aufgrund der eingeschränkten Freizeitaktivitäten mehr Zeit in den sozialen Netzwerken. Diese Faktoren führen dazu, dass der Wettbewerb um Impressions, Link-Klicks und Interaktionen abnimmt.

Heißt: Wer jetzt investiert, zahlt weniger für Klicks und Conversions als sonst?

Jens: Genau. Dazu kommt, dass man mit geringen Budgets ein wenig experimentieren kann. Schon mit 15 oder 20 Euro am Tag können sich diejenigen ausprobieren, die sonst die Finger von Facebook Ads lassen: So kann das Café an der Ecke schon mit wenig finanziellen Aufwänden die Anwohner*innen in der Nachbarschaft darüber informieren, dass es einen Lieferservice eingerichtet hat und der Kuchen jetzt an die Haustür gebracht wird.

Im Übrigen bietet Facebook gerade viele Infos für Geschäfte, Läden und Unternehmen an, um bisher analog ablaufende Prozesse zu digitalisieren.

Hast du den Eindruck, Corona bringt gerade auch die letzten Digitalisierungsskeptiker ins Web?

Jens: Es gibt auf jeden Fall einen Schub. Die Digitalisierung wird vorangetrieben. Besonders erfreulich ist dabei die Fantasie, mit der auch Unternehmen, die bisher nicht sonderlich Social Media-affin waren, mit ihrer Community in Kontakt treten.

Zum Beispiel hat ein LKW-Hersteller kürzlich Ausmalbilder für Kinder auf seiner Facebook-Seite gepostet. Das ist kreativer Content, der jede Menge zur Markenbindung beiträgt. Die derzeitige Situation zwingt die Unternehmen zum Umdenken. Plötzlich geht all das, was vorher vielleicht aus strategischen Gründen nicht ging. Die Menschen trauen sich jetzt etwas im Netz. Die Ergebnisse sind großartig.

Auch Allfacebook musste aufgrund von Corona kreativ werden. Die Allfacebook Marketing Conference fand im März statt in München virtuell statt. Die „Vor Ort“-Konferenzausgabe ist in den August gewandert. Wie waren eure Erfahrungen mit der digitalen Konferenz?

Jens: Zehn Tage vor der Konferenz haben wir entschieden, das Event virtuell stattfinden zu lassen. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen. An der virtuellen Konferenz haben knapp 450 Leute teilgenommen, also rund die Hälfte der Personen, die wir vor Ort erwartet hätten. Mit einer so hohen Beteiligung haben wir nicht gerechnet. Wir dachten, dass die Leute derzeit nicht den Kopf für so etwas haben. Aber das Gegenteil war der Fall. Zusätzlich findet vom 24. bis zum 26. August erstmals eine Sommer-Ausgabe der Konferenz statt.

Ist die virtuelle Ausgabe eine Option für die Zukunft?

Jens: Ich persönlich bin ein Freund von physischen Events. Der persönliche Austausch ist doch nochmal etwas anderes, auch wenn es inzwischen tolle digitale Networking Tools gibt. Die virtuelle Konferenz war eine gute Erfahrung und das Feedback war durchweg positiv. Aber dennoch: Ich freue ich mich auf die Allfacebook Marketing Conference im Sommer.

Weiterführende Links:

Medieninnovationen aus Bayern während der Corona-Krise haben wir für euch in unseren Corona Media Innovations gesammelt.

Die Allfacebook Marketing Conference im Sommer und weitere spannende Medienevents in Bayern findet ihr in unserem XPLR: Media-Eventkalender.