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Innovations-Hotspot Passau

Von Christina Hertel

2007: Drei Studenten mixen in ihrer WG in Passau kiloweise Müsli und füllen es in Dosen ab. 2020: Ihr Startup MyMuesli hat hunderte Mitarbeiter*innen, einen jährlichen Umsatz von rund 60 Millionen Euro und eine Fabrik in der Passauer Innenstadt. Wie drei junge Männer mit Müsli reich wurden, ist die bekannteste Gründergeschichte aus Passau. Aber auch für Medienschaffende gibt es in der 50.000-Einwohner-Stadt mit den Zwiebeltürmen viele Projekte, Orte und Förderungen, die ihnen helfen, ihre Ideen umzusetzen. Ein Überblick, warum Passau ein Innovations-Hotspot ist.

Das ZMK der Uni Passau

Zentrum für Medien und Kommunikation Passau

Wie man eine Talkshow moderiert, eine Kamera bedient oder einen Radiobeitrag schneidet – all das können Studierende der Uni Passau im Zentrum für Medien und Kommunikation lernen. 2014 wurde es nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Es gibt dort einen Newsroom, Fernseh- und Radiostudios und ein Labor, in dem man E-Learning-Methoden testen kann. Franz Habel, der als Medientechniker am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft arbeitet, hat sich damals um die Ausstattung gekümmert. Er sagt, der Vorteil des Zentrums liege vor allem darin, dass dort vernetztes und crossmediales Arbeiten möglich sei. Die Studierenden können Themen nicht nur als Text- sondern auch als Fernseh- oder Radiobeitrag umsetzen. Doch nicht bloß angehende Journalist*innen nutzen laut Habel die Ausstattung. Das Zentrum steht der gesamten Uni zur Verfügung. Außerdem forschen dort Wissenschaftler*innen – etwa zu den Folgen der Digitalisierung.

Zertifikatsprogramm Digital Entrepreneurship

Egal welches Studienfach, ob Bachelor-Student*in oder Habilitand – an der Uni Passau können sich alle Interessierten dabei helfen lassen, ihre digitale Geschäftsidee zu realisieren. Dafür gibt es seit dem Sommersemester 2018 das englischsprachige Zertifikatsprogramm Digital Technology and Entrepreneurship. In sechs Modulen lernen die Teilnehmer*innen laut Katrina Jordan, Pressesprecherin der Uni Passau, das Handwerkszeug zum Gründen und entwickeln einen digitalen Prototyp. Dabei bekommen sie Unterstützung von Professor*innen und Startup-Expert*innen der Uni, tauschen sich aber auch mit Unternehmer*innen aus der Praxis aus. 2019 entwickelten zwei Studenten zum Beispiel eine App, die den Einstieg in die Imkerei erleichtern soll. Dafür bauten sie Sensoren in einen Bienenstock, die Daten sammeln, aus denen die Studenten anschließend Handlungsempfehlungen generieren – zum Beispiel, wann der ideale Zeitpunkt für die Honigernte ist. Startups mit einem klaren Medienfokus gab es laut der Pressesprecherin Jordan bis jetzt nicht. Allerdings steht das Programm grundsätzlich allen offen. Die Teams seien meist interdisziplinär. Medien- und Kommunikationswissenschaftler kümmern sich häufig um das Marketing.

Das Digitale Forschungsmagazin

Student*innen und Wissenschaftler*innen an der Uni Passau beschäftigen sich nicht nur praktisch mit Innovationen. „Digitalisierung, vernetzte Gesellschaft und (Internet)Kulturen“ heißt einer der Forschungsschwerpunkte der Hochschule. Bis 2028 will die Uni Passau eines der führenden Zentren Europas in diesem Bereich sein. Einblicke in die Forschung – und zwar auf eine Weise, dass es auch Laien verstehen – gibt Wissenschaftsreferentin Kathrin Haimerl mit ihrem Digitalen Forschungsmagazin. Dort berichten sie und ihre Kolleg*innen darüber, wie Wirtschaftsprofessor*innen der Uni Regulierungen für Internet-Giganten erarbeiten oder kündigen Veranstaltungen wie die Passauer Digital-Marketing-Konferenz an. Im März sprechen dort Wissenschaftler*innen großer Universitäten und Vertreter*innen von Unternehmen wie Google und BMW über künstliche Intelligenz und darüber, wie sich Emotionen messen lassen.

Das Gründerzentrum Inn.Kubator

Inn.Kubator

Alexander Wilde sieht aus, als spiele er in einer Indie-Band: Bart, langes Haar, kariertes Hemd. Tatsächlich trat er mit seiner Gitarre einige Jahre in Bars in Barcelona und Berlin auf. Seine Leidenschaft inspirierte ihn zu einer Geschäftsidee: Wilde entwickelte Flowra, eine App, die Musiker*innen helfen soll, besser zu werden, indem sie ihnen zeigt, wie sie ihre Lieblingslieder anders interpretieren können. Seit April 2019 arbeitet Wilde daran in Passaus Gründerzentrum, dem Inn.Kubator. „Wir wollen die erste Anlaufstelle sein, wenn jemand in Passau eine Idee hat“, sagt Tamara Schneider, die Netzwerkmanagerin der Einrichtung. 2017 eröffnete das Gründerzentrum, das vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wird, in einem Bürogebäude. Auf einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern gibt es dort Schreibtische, einen Coworkingspace und Gemeinschaftsräume. Platz für elf Teams, die eines gemeinsam haben: Ihre Projekte sind neu, innovativ und haben etwas mit Digitalisierung zu tun. Tamara Schneider und zwei Kolleginnen unterstützen die Gründer dabei, aus ihren Ideen ein Geschäftsmodell zu basteln. Momentan sei das Gründerzentrum in der Passauer Altstadt praktisch voll, sagt Schneider. Doch im Mai zieht der Inn.Kubator in eine neues Gebäude in der Nähe der Passauer Uni, in dem es gut dreimal so viel Platz geben und das weniger Büro-Atmosphäre und mehr Startup-Geist versprühen soll.

Das ITC 1 Deggendorf

ITC 1 Deggendorf

Der Inn.Kubator in Passau gehört zum Gründerzentrum Digitalisierung Niederbayern, das neben dem Innovations-Hotspot in Passau noch an zwei weiteren Standorten Gründer fördert: in Deggendorf am Innovations- und Technologiecampus (ITC1) und in Landshut im Link. In Deggendorf kommen die Gründer*innen vor allem aus dem technischen Bereich und befassen sich zum Beispiel mit künstlicher Intelligenz, sagt Schneider. Grund dafür ist wohl die Nachbarschaft: Die Startups entwickeln ihre Ideen an einem Technologiecampus, wo bereits etablierte High-Tech-Firmen aus den Bereichen Medientechnik, IT und Elektronik arbeiten. Auch die Technische Hochschule befindet sich in der Nähe. Der Bereich für Startups liegt in einer ehemaligen Fabrik für Schaufensterpuppen, ist etwa 400 Quadratmeter groß und laut Schneider derzeit ausgebucht.

Link Landshut

Ungefähr 70 Kilometer weiter, im Gründerzentrum in Landshut, wird mehr Platz geschaffen. Das Link plant, im Sommer 2020 von einem Altbau in ein neues, größeres Gebäude umzuziehen. Auf 1.000 Quadratmetern gibt es dann für Startups, Kreative und Selbstständige Büroflächen und einen Coworkingspace. Die Mieten dort sind günstig – ein Coworking-Tagesticket kostet 17 Euro. Doch so wie in Deggendorf und Passau liegt der Vorteil für Gründer vor allem in der Beratung und dem Netzwerk. Zurzeit arbeitet im Link unter anderem Rework One, ein Startup, welches das Handwerk digitalisieren und die Kommunikation auf Baustellen erleichtern möchte. Auch New Media, eine Online-Marketing- und Videoproduktionsfirma, hat dort einen Platz gefunden.

Der THD Startup Campus

THD Startup Campus

Dass Passau und Deggendorf beides niederbayerische Kleinstädte mit Hafen und Hochschulen sind, ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Auch in Deggendorf gibt es für Studierende Unterstützung, wenn sie eine Geschäftsidee haben. „Schon vor dem ganzen Startup-Hype war das Thema Gründung bei uns präsent“, sagt Alfons Weinzierl, Entrepreneurship-Manager an der Technischen Hochschule Deggendorf. Bereits 2001 entstand dort ein Institut für Existenzgründung. Seit 2017 heißt dieses THD Startup Campus. Ein interdisziplinäres Team aus Professor*innen, Marketing- und Gründungs-Expert*innen begleitet Studierende und Alumni bei allen Fragen zum Thema Startup. „Egal, in welcher Phase sich die Gründer gerade befinden, dürfen sie zu uns kommen“, sagt Weinzierl. Selbst bei der Ideenfindung hilft sein Team. Weil man ein Startup nicht besonders gut im Hörsaal oder der Mensa gründet, stellt die Hochschule einen eigenen Raum zur Verfügung – mit Beamer, beschreibbaren Wänden und einer Couch.

Ziel ist laut Weinzierl, dass die Startups irgendwann ein Gründerstipendium erhalten, um mehr Zeit in ihre Ideen stecken zu können. Er sei stolz, dass das kürzlich gleich mehreren Teams gelungen sei. Darunter sind zum Beispiel die drei Gründer, die lumoo entwickelten, eine App, die Senioren von Online-Banking bis Whatsapp in die digitale Welt einführen will.