Corona-Boost: Bayerische Erfolgs-Stories bei der Frankfurter Buchmesse

Von Ann-Cathrin Schürholz

Innovation – das hilft laut Hans Hohenester vom Schwaneberger Verlag, Andreas Ländle von der Verlagsgruppe Droemer Knaur und Larissa Klockner von Hugendubel, um auch in Krisenzeiten erfolgreich zu bleiben. Mit viel Herzblut präsentierten die drei Player aus der bayerischen Verlagsbranche ihre kreativen Konzepte bei der digitalen Frankfurter Buchmesse am Stand von XPLR: MEDIA.

Der virtuelle Stand von XPLR: MEDIA in Bavaria bei der Frankfurter Buchmesse 2020.

Case eins: Tradition trifft Digital

Den MICHEL kennen viele ausschließlich als traditionsreiche „Bibel der Briefmarkensammler“, erklärte Hans Hohenester, der geschäftsführende Gesellschafter des Schwaneberger Verlags, schmunzelnd.  Dass die Marke einen ordentlichen Schub in Richtung Digitalisierung gemacht hat, seit 1910 die erste Ausgabe pünktlich unter dem Weihnachtsbaum lag, wissen viele nicht. Schon vor einigen Jahren begann der Verlag mit der Entwicklung der Software MICHEL-Online. Nicht erst durch Corona breche der Markt immer stärker weg, die Briefmarkenhändler werden älter, Läden müssen schließen. Durch die Pandemie beschleunigte sich der Prozess.

Die Software MICHEL-online, so Hans Hohenester, öffne völlig neue Welten: Detaillierte Suchmöglichkeiten nach Motiven oder Texten liefern schnelle, kleinteilige Ergebnisse, Zugriff ist immer und überall möglich. So sei die Plattform Bindeglied zwischen Tradition und Moderne und erreiche völlig neue Zielgruppen – auch international. 25 Prozent der User*innen im Online-Bereich seien bereits englischsprachig, verrät Hohenester stolz. In Zukunft möchte der Verlag sich noch stärker auf den US-Markt konzentrieren. Ein Knackpunkt, den es dabei zu überwinden gilt: Die automatisierte Übersetzung funktioniert noch nicht ganz reibungslos: „Da kann es schon passieren, dass aus Baden-Baden Swim Swim wird“, so Hohenester. Deshalb ist einer der insgesamt 13 Redakteur*innen ausschließlich mit der Prüfung der Online-Übersetzungen betraut.

Der MICHEL wird digital: Hans Hohenester im Gespräch

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Case zwei: Mit Startup-Denke zum Erfolg

Digitalisierung und Innovation haben laut Andreas Ländle für Droemer Knaur als breit aufgestellte Verlagsgruppe schon immer einen hohen Stellenwert. Als Verlagsleiter Digital sitzt er mit einem Team aus sechs Mitarbeitern an einer Schnittstelle zwischen den Abteilungen mit der Aufgabe, „Treiber und Innovator“ zu sein und „die Fäden des Unternehmens zusammenzuhalten“.

In Startup-Manier werde in den Abteilungen viel ausprobiert. Zielgruppenanalyse, Prototyping, Testings, Feedbackrunden – und alles immer an den Kundenbedürfnissen orientiert. Auch die Plattform einfachganzleben.de, bei der sich alles um Meditation und Achtsamkeit dreht, hat diesen Prozess durchlaufen. Die Idee dahinter sei gewesen, Autor*innen für eine Zielgruppe sichtbar zu machen, die eher online als in Buchhandlungen unterwegs ist. Das Ergebnis: Eine SEO-basierte 360°-Autor*innen-Vermarktung mit Inhalten in verschiedenen Formaten: Gerade Audio und Video seien für den Verlag damals noch Neuland gewesen. Heute verzeichnet der gemeinsam mit dem Argon Verlag produzierte Podcast 20.000 bis 30.000 Downloads pro Monat. „Audioinhalte sind ein ganz, ganz großes Thema. In jeder Branche“, so Andreas Ländle. Sein Tipp: „Kompetenzen bündeln.“ Tut man sich öfter mal mit Mitbewerber*innen zusammen anstatt im Konkurrenzdenken verhaftet zu bleiben, erreiche man mehr.

Andreas Ländle spricht über die 360°-Autor*innenplattform einfachganzleben.de

Case drei: „Der Computer war quasi nicht da“

„Ohne Corona hätte es BOOKSTOCK nicht gegeben“, so Larissa Klockner, Marketing Managerin bei Hugendubel. Doch nachdem alle für dieses Jahr geplanten Veranstaltungen – etwa Lesungen oder Übernachtungen in der Buchhandlung – abgesagt worden waren, hatten sie und ihr Team kreativ werden müssen. So haben sie kurzerhand BOOKSTOCK auf die Beine gestellt, ein digitales Buch-Festival bei dem sich alles um die Liebe und Young Adult Bücher dreht. Das Programm reichte von Schreib-Workshops mit Autor*innen über Yoga- und Meditationskurse zum Thema Herz bis hin zu hauseigenen Formaten wie „The Masked Writer“. Stattgefunden hat das Buchspektakel auf YouTube – mit kostenfreiem Zugriff für jede*n und Verfügbarkeit der Inhalte auch im Nachhinein. Das Geschäftsmodell dahinter? Vor allem ein Service für die Kund*innen und eine Mischkalkulation: Viele Angebote waren kostenlos, es gab jedoch auch All-Access-Tickets mit Goodie Bags.

Der größte Vorteil habe laut Larissa Klockner in den Interaktionsmöglichkeiten der Plattform gelegen. Durch Abstimmungen, Q&As und Live-Feedback von Autor*innen zu selbstgeschriebenen Texten der Teilnehmer*innen sei ein echtes Community-Gefühl zustande gekommen. Das BOOKSTOCK-Festival wird nicht das letzte seiner Art bleiben. Nachdem der Pilot bei 6.000 Menschen richtig gut ankam, ist das nächste BOOKSTOCK bereits in Planung und wird sich vom 11. bis 15. November mit dem Schwerpunkt „Krimis“ einer etwas düsteren Materie widmen.

BOOKSTOCK: Ein Literaturfestival auf YouTube

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