Der stille Games-Riese aus Oberfranken

Von Harald Hesse

Marika und Klaus Schmitt von upjers. Foto: Harald Hesse

Der Spieleentwickler und -publisher upjers zählt seit Jahren zu den Big Playern der bayerischen Gamesbranche. Mit seinen Browser- und Mobile-Games verbringen mehr als 100 Millionen registrierte Spieler*innen weltweit ihre Freizeit. Dabei hängen die Bamberger ihren Erfolg nicht an die große Glocke. Das hat seinen Grund.

Dass sie einmal so erfolgreich sein würden, hätten sich Klaus und Marika Schmitt vor 17 Jahren nicht träumen lassen, als sie in ihrem Wohnzimmer im oberfränkischen Memmelsdorf saßen und hobbymäßig erste Spiele programmierten. Einfach so. Just for fun. Für ein paar Spielefans in einer überschaubaren Community, in der sie unter dem Namen nasenprinz funworxs mit Browserspielen wie kapitalism, Rumble Race und später dann Kapiland unterwegs waren. Damit hatten sie eine Dynamik in Gang gesetzt, die sich in der weiteren Entwicklung des Unternehmens bis heute zeigt. Zunächst mieteten die Schmitts zwei Zimmer im Hinterhof an, stellten erste Teilzeitkräfte ein, experimentierten und entwickelten fleißig. Das Geschäft mit den Onlinespielen wuchs.

Im Sommer 2006 folgte die offizielle Unternehmensgründung. „Im Februar 2008 gelang uns dann mit „Wurzelimperium“ der erste relativ große Durchbruch, zumindest in Deutschland, in Osteuropa und ein wenig in den Niederlanden“, erzählt Klaus Schmitt.

Wurzelimperium geht durch die Decke

Tatsächlich ging die Gartensimulation ordentlich durch die Decke. Bereits im Januar 2009 bezog upjers neue, vor allem größere Räumlichkeiten – nur zwölf Monate später musste die Bürofläche verdoppelt werden. Und Schmitt, heute Geschäftsführer von upjers, räumt ein: „Wir sind so schnell gewachsen, dass wir kaum hinterhergekommen sind. Der Personalbedarf wuchs stetig. Damals war auch nie die Frage, welches Browserspiel wir als Nächstes entwickeln, weil jedes Spiel funktionierte. Man musste nur schnell genug sein und nachliefern.“ Aber auch hier war das Glück mit den Tüchtigen. Weitere Hits sollten folgen, darunter „My Free Farm“ oder „My Free Zoo“.

„Zoo 2 Animal Park“ und „Wurzelimperium“

Mobiler Games-Markt

Dass diese Goldgräberstimmung nicht ewig anhalten würde, war allen Marktteilnehmer*innen klar. Neue Technologien und Plattformen kamen auf. Die Welt, auch die der Games, wurde mobiler und das ganze Business gestaltete sich zunehmend schwieriger. Alles in einer rasanten Geschwindigkeit. In dieser Zeit bewies upjers strategisches Geschick, indem sich das Unternehmen schon früh möglichst breit aufstellte. „Die große Dynamik im Markt führt zu einem hohen Anpassungsdruck. Deswegen probieren wir auch ständig Neues aus, um etwaige Geschäftsfelder früh zu erkennen und zu bedienen. Wobei das notwendige Umsteuern natürlich mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist“, erklärt Marika Schmitt.

Browsergames und Apps

Die Titel der Bamberger sind auf den entscheidenden Plattformen Google Playstore, Apple Store und Amazon Store vertreten. „Das war wirklich ein großer Kraftakt, im Mobile-Markt Fuß zu fassen und hat uns sehr viel Nerven und Geld gekostet“, sagt Klaus Schmitt. Aber die Mühe zahlt sich aus: Während die Umsätze mit Browserspielen rückläufig sind, steigen die Umsätze auf den mobilen Plattformen. Klaus Schmitt: „Wir haben mittlerweile mobile Spiele, die genauso viel erwirtschaften wie Browserspiele. Mobile steuert heute einen Umsatzanteil von 30 bis 40 Prozent bei. Gestartet sind wir bei zwei bis drei Prozent.“ Unter den Mobile-Games von upjers findet sich auch der ein oder andere Browser-Bekannte wieder, beispielsweise „My Free Zoo“ und „My Free Farm“. Unterm Strich betreibt das Unternehmen heute rund 30 Browsergames und über 20 App-Spiele.

Ein Leben vor und nach der Firma

Um ein solches Pensum zu stemmen, braucht es ein motiviertes Team. Doch lassen sich Expert*innen aus dem Gamesbereich tatsächlich nach Bamberg locken? Die nordfränkische Metropole glänzt zwar mit ihrer historischen Altstadt, ist aber doch eine andere Hausnummer als der Hotspot München. Marika Schmitt lächelt und betont: „Wer das Leben und Arbeiten in der Großstadt sucht, ist in Bamberg natürlich an der falschen Adresse. Aber auch unsere Stadt und die Region haben viele Reize. Bambergs wunderschöne Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe, dank der Uni gibt es ein pulsierendes Studentenleben mit vielen Bars und Kneipen. Zudem kann man hier noch relativ günstig wohnen – selbst ein Häuschen im Grünen ist machbar.“ Und ihr Mann ergänzt: „Die Startup-Mentalität, mit der Firma und in der Firma zu leben, lehnen wir ab. Wir achten sehr darauf, dass die Work-Life-Balance bei unseren Mitarbeitern stimmt. Die Arbeitszeiten sind extrem flexibel, jeder kann seinen Tag eigenverantwortlich einteilen. Überstunden oder Crunch-Times gibt es bei uns eigentlich nicht.“

Das Büro von upjers. Foto: upjers

Mit dem Recruiting verhält es sich bei upjers nicht anders als bei anderen Gamesfirmen. Da schlagen Bewerbungen aus ganz Deutschland auf. Auch die Nähe zu den Universitäten in Bayreuth, Nürnberg oder Erlangen hilft dabei, junge Talente mit ins Boot zu holen. Fachinformatiker*innen bildet das Unternehmen selbst aus. Business as usual sozusagen. Dass das alles äußerst geräuschlos über die Bühne geht und die Erfolge nicht an die große Glocke gehängt werden, ist wohl eine Mentalitätsfrage. Fränkisch eben.

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