Diese 6 Medientrends prägen 2020 die Branche in Bayern

Von Katrin Baumer

Welche Trends sind für die bayerische Medienlandschaft 2020 besonders wichtig? Wer hat bereits neue Geschäftsfelder für sich entdeckt oder treibt als Vorreiter Innovationen voran? An diesen sechs Themen kommen Medienschaffende im neuen Jahr nicht vorbei.

1. Audio: Kein Ende in Sicht für den Podcast Boom

Schon 2019 waren Podcasts ein absolutes Trendthema und die Beliebtheit des Mediums hält an. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hört jede*r vierte Bundesbürger*in Podcasts. Eine Studie von AS&S Radio zeigt: Podcasts werden immer populärer, die Nutzergruppe ist tendenziell jünger und die Akzeptanz von Werbung für kostenfreie Inhalte unter Podcast-Hörer*innen ist hoch. Für Werbetreibende wird der Markt also zunehmend spannend.

Immer mehr Unternehmen drängen in den Podcast-Markt – und zwar aus sämtlichen Bereichen. Für die Audio Branche ist das zum einen Konkurrenz, zum anderen eine Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen und durch Expertise zu punkten. Denn natürlich gilt auch für Podcasts und Audio Werbung: gewusst wie. In einem Feld, das für viele Anbieter neu ist, kann auch die beste Idee scheitern, wenn sie nicht gut umgesetzt ist. Hier öffnen sich vielversprechende Optionen für Agenturen, die sich auf den Bereich Audio- und Voice Services spezialisieren. Ein junges Beispiel aus Bayern: Wake Word. Hinter der erst 2019 gegründeten Voice Fullservice Agentur stecken zwei ehemalige Radiomacher: Sven Rühlicke und Ruben Schulze-Fröhlich. Neben Podcasts bieten die beiden vor allem Service und Beratung an und sind überzeugt: Marken brauchen künftig neben einem visuellen Logo eine eigene Stimme. Eine Überzeugung, die auf den zweiten Medientrend 2020 einzahlt.

2. Voice: Marken werden laut

Für viele liegt es schon einige Zeit zurück, dass sie zum ersten Mal einem Sprachassistenten eine Frage stellten. Seither hat sich einiges getan. Die Technologie hat sich deutlich verbessert und die Interaktionsmöglichkeiten mit Voice Assistants sind vielfältig. Über 60 Prozent der Deutschen haben mittlerweile bereits mit einem Sprachassistenten interagiert, heißt es in einer aktuellen Studie des Musik-Streamingdienst Spotify for Brands. Und über 20 Prozent besitzen einen Smart-Speaker.

Für Marken eröffnet das einen neuen Markt, in dem sie sich platzieren und sichtbar werden. Branding ist künftig sowohl visuell als auch auditiv. Zum überzeugenden Audio Branding gehören nicht nur Sound Logo und Jingle, sondern die Frage: Wie klingt meine Marke? Welche Haltung vertritt sie, welche Worte wählt sie und wie bekommt sie einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert?

Kein Wunder, dass dem Thema Voice mittlerweile eigene Konferenzen gewidmet werden. Die größte europäische Voice Konferenz findet in München statt: Bei der All about Voice dreht sich – wie der Name schon vermuten lässt – alles rund um Entwicklungen, Trends und Best Cases aus der Welt der Sprachassistenten.

Podcasts und Voice werden 2020 noch wichtiger für die Audio Branche.

3. eSports: Die Transformation der Games-Branche

Der 1. FC Nürnberg, der FC Augsburg und die Basketball-Abteilung des FC Bayern mischen bereits mit und im Dezember 2019 verkündete Karl-Heinz Rummenigge: Auch der Fußball-Zweig steigt in den eSport ein. Allerdings lediglich innerhalb des Sportgenres. „KONAMI, unser Partner für Fußballsimulationsspiele, gibt heute den Startschuss für KONAMIs eFootball.Pro League. Der FC Bayern wird in Zusammenarbeit mit seinen Partnern Telekom, Allianz und Siemens mit einer eigenen Mannschaft an dieser Liga teilnehmen“, so Rummenigge.

Ein weiterer Beleg für die unaufhaltsam wachsende Popularität von eSports. In mehreren eSport-Ligen wie der ESL (Electronic Sports League), MLG (Major League Gaming) und der ESWC (Electronic Sports World Cup) treten professionelle Gamer*innen gegeneinander an. Die ESL ist mit rund zwei Millionen Spieler*innen das größte internationale Event. Auch in Deutschland füllen eSport-Turniere große Hallen.

Dass Gaming längst keine abgeschottete Aktivität in den eigenen vier Wänden mehr ist, ist mitunter eine Folge des veränderten Medienkonsums: Gamer*innen können gleichzeitig entertainen und streamen und erreichen damit teils ein Millionenpublikum. Die Community ist auf Online-Plattformen wie Twitch, YouTube oder Smashcast zu finden. Der Reiz dieser Plattformen: Die Zuschauer*innen können live mit den Spieler*innen oder Kommentator*innen in Kontakt treten.

Unter anderem SPORT1 sieht großes Potenzial im eSports-Markt und neuen Sendeformen und hat deshalb Anfang 2019 den Startschuss für den Pay TV-Sender eSPORTS1 gegeben. Hier werden rund um die Uhr eSport-Inhalte gesendet, Turniere übertragen und eigener Content mit Kommentator*innen, Studiogesprächen und Analysen erstellt.

4. Streaming & On Demand: Neue Player auf dem Markt

Gewandelte Seh- und Nutzungsgewohnheiten prägen weiterhin die TV-Branche. Das Streaming-Angebot wächst, die Nutzerzahlen von Netflix und anderen Anbietern steigen. Die aktuelle Kantar Studie "TV-Plattform 2019-II" ergab, dass 58 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung Online-Video-Angebote nutzen. Außerdem nehme die Bereitschaft zu, für Inhalte zu zahlen. Zwischen 2015 und 2019 stieg sie von sieben auf 32 Prozent an.

Neue Akteure treten in den Ring und der Markt ist nach wie vor hart umkämpft. Unter anderem launchte ProSiebenSat.1 die Streaming Plattform Joyn und löste damit den Vorgängerdienst 7TV ab. „Joyn kombiniert die Stärke der Wettbewerber in einem Produkt“, so Thomas Münzner, Director Content Acquisition bei Joyn. Neben einer Gratisplattform für eine junge Zielgruppe bietet Joyn mit Joyn+ ein Premium Modell an, das vor allem auf fiktionale und non-fiktionale Originals setzt. Für 2020 sind zwölf Eigenproduktionen geplant, die unter anderem einen Fokus auf Comedy und Talents wie Katrin Bauernfeind oder Klaas Heufer-Umlauf setzen.

In der Kantar-Studie landete Joyn direkt unter den Top 5 – nach Netflix, Amazon Prime Video und Dazn, gleichauf mit dem Angebot TV Now der Mediengruppe RTL.

Der Streaming Markt ist nach wie vor hart umkämpft.

5. XR: Viel mehr als VR und AR

Allein die Bezeichnung XR – Extended Realities – für immersive Technologien zeigt, dass dieser Bereich noch viel mehr umfassen kann als Virtual oder Augmented Reality (VR und AR). Ob Produktpräsentationen mit VR-Modellen, Trainings und Fortbildungsmöglichkeiten über AR, Besprechungen im virtuellen Meeting-Raum oder Experiences im Tourismus-Bereich – die Einsatzgebiete sind schon jetzt breit gefächert und weit über Medien-Branchengrenzen hinausgehend. Auch wenn XR noch nicht im Massenmarkt angekommen ist, etabliert sich die Technologie in der Medienbranche als Erzählmedium, als Erweiterung oder sogar als Hilfsmittel für den Medienkonsum. Dem Bereich narrative VR Experiences widmet seit 2019 der Wettbewerb Virtual Worlds im Rahmen des Filmfests München verstärkt Aufmerksamkeit. Hier werden die innovativsten und wichtigsten internationalen VR-Experiences gezeigt und prämiert.

Dass der XR-Hype mittlerweile abgeebbt ist, ändert nichts an der Relevanz: Vielmehr sei nun die Testphase vorbei, die Expertise innerhalb von Unternehmen steigt und konkrete Einsatzmöglichkeiten kristallisieren sich heraus, glaubt etwa Rolf Illenberger, Geschäftsführer des bayerischen Startups VRdirect. Mit seinem Angebot möchte er Unternehmen ermöglichen, einfach und kostengünstig VR-Projekte zu erstellen und zu veröffentlichen, ganz ohne tiefergehende Programmierkenntnisse.

VRdirect ist nur einer von zahlreichen neuen Playern in der bayerischen Szene. Zu mehr Sichtbarkeit und einem stärkeren Netzwerk will ihnen der neu gegründete Verein XR Bavaria verhelfen. Ebenfalls neu gegründet ist der XR Hub Bavaria unter dem Dach der Medien.Bayern GmbH. Von den drei Standorten München, Würzburg und Nürnberg aus möchte die Initiative des bayerischen Digitalministeriums künftig die Startups und Storyteller des bayerischen XR-Ökosystems stärken, erklärt Silke Schmidt, die Leiterin des Hubs.

Bayern zählt zu den Top Standorten, was KI Fachkräfte angeht.

6. KI: Bayern als führender KI District

Geht es um Fachkräfte im Bereich künstliche Intelligenz, ist Bayern laut einer Auswertung von LinkedIn deutschlandweit führender Standort. Mit 19 Prozent aller Expert*innen beschäftigt München vor Berlin die meisten KI Fachkräfte.

Im November 2019 kündigte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die neue Technologie-Offensive ‚Hightech-Agenda Bayern‘ an, die Bayern zum KI-Spitzenstandort machen soll. Die Offensive umfasst Investitionen von zwei Milliarden Euro, die bis 2023 unter anderem in die Förderung von künstlicher Intelligenz und Supertech fließen sollen. Auch in die Forschung zu künstlicher Intelligenz wird investiert. 100 KI-Lehrstühle will die Regierung schaffen, dazu ein neues KI Mission Institute in München gründen.

Im Journalismus ist KI längst angekommen und unterstützt unter anderem bei Sprach- oder Bilderkennung, in Textverarbeitungs-, Rechtschreib- und Übersetzungsprogrammen. Roboterjournalisten sind ebenfalls bereits im Einsatz; etwa, wenn es darum geht, Daten auszuwerten und Sportergebnisse in Textform zu bringen.

Wie sich der Einsatz von KI weiter professionalisiert und welche Auswirkungen das für die Medienbranche hat, wird sich 2020 herauskristallisieren. Im Trend liegt weiterhin das Thema KI und Ethik. Dazu gründete die TU München 2019 das Institute for Ethics in Artificial Intelligence. Dieses wird mit Geldern von facebook unterstützt.

Dass digitale Systeme auch in der Lage sein werden, Emotionen von Menschen zu erkennen, glaubt zum Beispiel Michael Bartl, der Geschäftsführer des bayerischen Startups Tawny. Tawny forscht daran, wie künstliche Intelligenz unter anderem über Herzfrequenz, Körperwärme oder Mimik den psychischen Zustand von Menschen ablesen kann.

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