Gamescom online: bayerische Games-Publisher machen mit beim digitalen Experiment

Von Franziska Schulze

Ohne die riesigen Hallen und Stände, an denen Unternehmen eindrucksvoll ihre aktuellen Spiele präsentieren und durch die Gaming-Fans dicht gedrängt strömen, ist die gamescom kaum vorstellbar. Doch auch, wenn die weltgrößte Messe für Video- und Computerspiele in diesem Jahr coronabedingt ausschließlich online stattfindet, haben Unternehmen und Besucher*innen die Möglichkeit, sich wirkungsstark zu präsentieren. Wir haben nachgefragt, welche Publisher aus Bayern das digitale Experiment wagen.

Seit mehreren Jahren ist die Indie Arena Booth Bestandteil der gamescom – 2020 allerdings zum ersten Mal komplett digital: Die Besucher*innen können sich online ihren eigenen Avatar zusammenstellen und damit virtuelle Messestände im Comic-Design entdecken. Durch die Onlineversion der Indie Arena Booth müssen Fans von Spielen der kleineren und mittelgroßen Games-Entwickler sowie von Startups auch 2020 nicht auf den beliebten Teil der Messe verzichten, denn Publisher stellen hier ihre Neuheiten online vor. Mit dabei aus Bayern sind in diesem Jahr unter anderem Handygames aus Giebelstadt und Pixel Maniacs aus Nürnberg.

Townsmen VR von Handygames

Eines der neun Spiele, die Handygames präsentiert, ist Townsmen VR. Die saftig-grüne Insel, die von Felsen und kristallklarem Wasser umrandet ist, kennen die Fans von Townsmen VR schon seit 2018. Damals kam das Strategiespiel, in dem Dorfbewohner*innen Gebäude auf einer Insel erbauen und von einem übermächtigen Herrscher gelenkt werden, in einer Early Access-Version heraus. Nun zeigt Handygames ein umfassendes Update. Bis es am eigenen Rechner gespielt werden kann, dauert es zwar noch ein bisschen. Aber am zweiten Tag der gamescom, genauer gesagt am Freitag den 28. August 2020 um 10 Uhr, wird der aktuelle Entwicklungsstand in einem Livestream präsentiert.

„Im Grunde haben wir das Spiel noch mal komplett neu aufgebaut. Sämtliche Grafiken sind neu und viel detaillierter“, erzählt Philipp Nägelsbach, der als Lead Games Designer an Townsmen VR arbeitet. „Bislang war es ein guter Ausschnitt, aber es gab nur eine Insel, auf der man spielen konnte“. Das hat sich jetzt geändert. „Es wird weit über zehn Inseln geben. Jede Insel wird ein Level darstellen. Es gibt außerdem neue Aufgaben, Forschung und Handel.“

Foto: Townsman VR

Bei der VR-Technologie stehen zwei Controller im Fokus, die im Spiel als überdimensional große Hände des Herrschers erscheinen. Dieser Ansatz stand aber nicht gleich von Anfang an fest: „Wir haben experimentiert, wie eine virtuelle Experience für dieses Spiel aussehen kann“, sagt Nägelsbach. Mit der gewählten Variante soll auch die Motion Sickness abgeschwächt werden, die manch eine*r beim Spielen von VR-Spielen empfindet und mit Übelkeit oder einem Schwindelgefühl beschreibt.

Auch wenn die gamescom 2020 anders als gewohnt stattfinden wird, erhofft sich Nägelsbach: „Dass wir Aufmerksamkeit für das Spiel generieren und den Leuten zeigen, was wir alles gebaut haben.“

Can't Drive This von Pixel Maniacs

Ebenso als Early-Access-Spiel auf dem Markt und nun auf der gamescom vertreten ist Can't Drive This von Pixel Maniacs aus Nürnberg. Das kleine Entwicklerstudio gibt es seit 2004. Nachdem in den ersten Jahren vor allem Mobile-Apps und -Spiele entwickelt wurden, gehen die Entwickler*innen seit 2015 ihrer wahren Passion nach: dem Spiele-Entwickeln für Computer und Spielekonsolen. Die erste Version von Can't Drive This wurde in 72 Stunden auf die Beine gestellt.

Das Multiplayer-Party-Racing-Game zieht Spieler*innen in rasendes Chaos. Die einen Player*innen steuern einen schnellen Monster Truck. Die anderen bauen währenddessen die Rennstrecke, auf der der Truck unterwegs ist. Sind die Baumeister*innen zu langsam, explodiert das fahrende Auto. Wird die Strecke im Eifer des Gefechts zu unsicher und die Fahrer*innen stürzen in den Abgrund, ist das Spiel ebenso verloren. Klingt stressig und chaotisch. Das ist von den Entwickler*innen aber auch so gewollt. „Join the chaos“ lautet nämlich der Untertitel des Spiels.

Foto: Can´t Drive This

Diese Spiele werden sicherlich auch digital präsentiert auf der gamescom 2020 ihre Fans finden, denn wenn eine Branche bereits Übung damit hat, sich über Chat, Video-Anruf und Headset auszutauschen, dann wohl der Games-Bereich. Und dass dabei nicht nur ein trockener Austausch, sondern auch eine entspannt-ausgelassene Atmosphäre entstehen kann, ist nicht nur wünschenswert, sondern sehr wahrscheinlich.

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