Gregor Schmalzried und Fritz Espenlaub: Ein Podcast zur KI-Revolution

Von Chris Schinke
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Fritz Espenlaub (v.l.), Marie Kilg und Gregor Schmalzried sind die Hosts des ARD KI-Podcasts. Foto: BR/SWR

Der KI-Podcast von BR und SWR begleitet im Wochentakt die KI-Revolution. Er verspricht Orientierung in technologisch turbulenten Zeiten. Die Hosts Gregor Schmalzried und Fritz Espenlaub sprachen mit uns über die Entstehungsgeschichte ihres Formats, was sie an der KI-Entwicklung fasziniert und beunruhigt sowie darüber, in welchem Ausmaß KI unsere Gesellschaft verändert.

Fritz, Gregor, im Juli 2023 ist der KI-Podcast gestartet. Wie kam es zu dem Format und wie habt ihr euch als Team gefunden?

Fritz Espenlaub: Gregor und ich haben uns kennengelernt, als ich mein Volontariat beim BR begann. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns gut verstehen und in der Thematik tief drin stecken. Die Idee zum Podcast ist bei uns beiden parallel entstanden. Wir haben dann dem Redakteur Christian Schiffer geschrieben: Was hältst du von einem KI-Podcast? Das war der zündende Moment. Uns war angesichts der schnellen Entwicklung klar, dass wir den Podcast jetzt machen müssen und nicht erst in zwei Jahren.

Gregor Schmalzried: Marie Kilg, die dritte Host des Podcasts, kenne ich schon eine Weile. Sie haben wir ganz am Anfang mit ins Boot geholt – es gibt nicht viele Menschen in Deutschland, die so fundiert über KI sprechen können. Zusammen haben wir das Grundkonzept gepitcht: wir machen einen Drosten-Podcast für die KI-Revolution. Ziemlich früh war klar, dass BR und SWR sich zusammentun, um den Podcast als ARD-Produkt aufzusetzen.

Die Informationsdichte beim Thema KI ist hoch. Täglich prasseln Neuigkeiten zum Thema auf uns ein. Wie haltet ihr euch auf dem Laufenden und wie gelangt ihr an verlässliche Informationen zum Thema?

Gregor: Wir lesen und hören sehr viel und tauschen uns untereinander aus. Entscheidend ist jedoch, dass wir neue Entwicklungen auch aktiv ausprobieren. Wann immer ein neues Tool zur Verfügung steht, schauen wir: Was kann es? Was sind Parallelen zu vergleichbaren Tools? Irgendwann erlangt man so eine Befähigung darin, Entwicklungen einschätzen zu können.

Fritz: Das Ausprobieren ist ganz wichtig. Es ist der Unterschied zu einem Thema, bei dem man auf einer theoretischen, diskursiven Ebene bleibt. Wir sind wirklich drin im Thema, atmen es geradezu, wie Gregor einmal gesagt hat.  

Gregor: Man merkt beim Sprechen schnell, ob jemand anderes die Tools wirklich nutzt oder nicht. Es sind sehr unterschiedliche Vokabulare, die Nutzer:innen und Nichtnutzer:innen verwenden.

»Deutschland ist gar nicht so ängstlich und sogar ein bisschen besser darin, mit dem Thema umzugehen, als manche glauben.«

Das Thema KI verursacht in der Gesellschaft mitunter große Verunsicherung. Wie geht ihr als Podcaster damit um und wie versucht ihr die Themen eurer Zuhörerschaft nahe zu bringen?

Gregor: Unser Pitch war von Anfang an, dass es kein Technologie- sondern ein Gesellschaftspodcast sein sollte. Natürlich geht es um Technologie. Die Hauptfrage, die uns jedoch umtreibt, ist: Was passiert, wenn eine solche Technologie auf die Gesellschaft trifft? Und gleichzeitig auf Individuen, die unterschiedlich reagieren. Wir bemühen uns immer, sowohl für Nerds relevant zu sein als auch für Leute, die nur nebenbei mit dem Thema zu tun haben. Das Thema der Angst wird überbewertet. Es gibt sicher viel Respekt und Skepsis. Das ist auch gut so. Man sollte einer neuen Technologie immer erstmal skeptisch begegnen. Aber ich höre vor allem sehr viel Aufregung und Vorfreude. Die Leute haben Lust sich damit auseinanderzusetzen und die Tools auszuprobieren. Und sie sehen auch Chancen für sich. Oft heißt es, Deutschland sei besonders ängstlich. Ich glaube allerdings, Deutschland ist ein bisschen besser darin, mit dem Thema umzugehen, als manche glauben.

Fritz: Unser Podcast hat eine Schlussrubrik: Was habe ich diese Woche mit KI gemacht? Dort versuchen wir konkrete Nutzungsbeispiele zu geben. Ganz down to Earth. Um Berührungsängste abzubauen und um die Leute zu animieren, die Tools selbst auszuprobieren. In gut der Hälfte unserer Episoden haben wir uns aber auch mit tiefen Menschheitsfragen beschäftigt, die von der Technologie berührt und verändert werden. Wie verändert KI, wie wir mit Tod und Trauer umgehen? Das sind Themen, bei denen klar wird, dass diese Technologie unsere Gesellschaft auf eine andere Art verändert, als wir es von bisherigen Technologien gewöhnt sind. Weil sich KI oft viel menschlicher anfühlt als herkömmliche Software, berührt sie Lebensbereiche, in denen wir uns die Frage stellen: was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein?

»Es passiert wirklich viel Lustiges im Zusammenhang mit KI.«

Welchen Ton wollt ihr mit eurem Podcast anschlagen? Und setzt ihr euch bewusst von anderen Formaten ab?

Gregor: Als wir den Podcast geplant haben, gab es noch nicht viele vergleichbare Formate. Wir wollten daher nicht ewig in die Entwicklung gehen, weil schon absehbar war, dass es andere geben würde. Ich würde sagen, wir treffen einen sehr menschlichen Ton. Es ist in einem Podcast, in dem wir regelmäßig KI-Texte vorlesen, KI-Stimmen generieren und KI-Musik vorspielen, wichtig, dass klar ist, hier sind Menschen am Werk, die menschlich mit dem Thema umgehen und menschlich darauf reagieren. Wir lachen im Podcast, machen Witze, sind offen, was unsere Sorgen und Bedenken angeht. Die Rückmeldungen zeigen uns, das kommt gut bei den Hörer:innen an.

Fritz: Humor ist ein ganz wichtiges Element in unserem Podcast. Weil er sich oft um Themen dreht, die eine große Tragweite haben. Gerade da wollen wir uns nicht preachy und bedeutungsschwanger geben. Es passiert viel Lustiges im Zusammenhang mit KI. Mittlerweile gibt es ein ganz eigenes Genre von KI-Humor, den wir bei uns im Podcast vorantreiben.

Habt ihr Beispiele?

Gregor: Der lustigste Moment im KI-Podcast bisher war, als Fritz einen Forscher fand, der uns erzählte, dass sein Team dabei ist, eine Technologie zu entwickeln, die es bald schon möglich machen könnte, mit Vögeln zu sprechen. Er sah als mögliches Problem voraus, dass die KI lernen könnte, mit Vögeln zu kommunizieren, jedoch auf eine dem Menschen nicht nachvollziehbare Weise. KI und Vogel könnten so miteinander quatschen und wir Menschen stünden daneben und hätten keine Ahnung, wovon sie reden. Die Vorstellung ist wirklich lustig.

Fritz: Bei unserer Live-Folge beim SWR-Podcast Festival fand ich besonders lustig, als wir gemeinsam mit dem Publikum fiktive KI-Hosts entwickelt haben. Verschiedene Charaktereigenschaften sollten dabei kombiniert werden. So gab es den Vorschlag einer KI-Figur, die eigentlich eine Ameise ist, allerdings nicht zugeben will, dass sie eine Ameise ist. Außerdem sollte sie obendrein reich sein und das subtil in alle ihre Antworten einfließen lassen. Wenn man einer generativen KI wie ChatGPT eine solche Rolle zuweist, kommen wirklich witzige Sachen raus.

Was begeistert euch an der KI-Technologie im Moment am meisten und welche Entwicklung stimmt euch am nachdenklichsten?

Fritz: Oft ist es beides gleichzeitig. Wie etwa die Sora-Videos, die unfassbar aussehen. Das ist erstmal cool und faszinierend, dass es gelungen ist, eine Technologie zu entwickeln, die das kann. Das ist toll mitzuerleben. Zur selben Zeit lässt es einen auch gruseln. Was bedeutet es etwa dafür, wie wir mit Bildern umgehen? Was hat es für politische und ökonomische Konsequenzen?  

Gregor: Die glücklichsten Momente sind für mich die, bei denen ich mir vorher nicht sicher bin, ob eine technische Lösung gelingt. Kürzlich habe ich zum Beispiel GPT-4 eine mathematische Kurve als Illustration generieren lassen. Hinterher fragte ich, ob für eine Präsentation die Hintergrundfarbe gemäß eines bestimmten Hexcodes geändert werden kann. Und GPT hat es gemacht. Es sah wunderbar aus. Das sind diese kleinen Momente, die mich begeistern. Die Software ist so flexibel und teilweise unberechenbar. Diese kleinen Überraschungen, die einem Zeit und Mühe sparen und einen produktiver machen. Ich bin in einem konstanten Entdeckungsmodus. Das macht mir sehr viel Freude.

»Wir gehen davon aus, dass sich die Welt noch ziemlich verändern wird.«

Stellt ihr, seit ihr den Podcast macht, schon eine Veränderung der Diskussion über KI fest? Wie entwickelt sich das Gespräch über künstliche Intelligenz in unserer Gesellschaft?

Gregor: Die Diskussion hat sich seit Mitte letzten Jahres extrem verändert. Zwar gibt es immer noch Leute, die sagen, KI sei ein Hype, der bald wieder vorbeigeht. Es sind aber deutlich weniger geworden. Der Tenor, den ich mitbekomme, ist: KI ist hier und geht nicht mehr weg. Außerdem geht der Zustand der Überraschung und Beobachtung in die Implementierung über. Das klang, als wir vor acht Monaten angefangen haben, noch anders. Da hat sich in sehr kurzer Zeit sehr viel getan. Auch bei Unternehmen gibt es kaum jemanden, der sagt, wir warten mal ab. Die Dringlichkeit hat sich massiv verstärkt. Das ist eine gute Sache.

Fritz: Wenn ich mir die Zuschriften angucke, die uns erreichen, ist es schön zu sehen, wie groß die Bandbreite an Menschen ist, die über Altersgrenzen hinweg und mit unterschiedlichen persönlichen Hintergründen erzählen, wie sie das Thema beschäftigt. Und was sie mit KI anstellen.  

Beim Thema Tech und KI blickt man meist auf das Silicon Valley. Ist eure Beobachtungswarte hier in München eigentlich eine besondere? Oder wäre woanders der Blickwinkel ein ähnlicher?

Gregor Schmalzried: Unser Podcast ist ein ARD-Podcast. Fritz und ich sitzen zwar in München, Marie aber nicht. Wir sind auch eine Co-Produktion des SWR. Deswegen sind wir ein Deutschland-spezifischer und kein München-spezifischer Podcast. BR und SWR sind aber natürlich insofern logische Partner bzw. Anbieter dieses Podcast, weil sowohl in Baden-Württemberg in Form der Start-Up-Hubs in der Region Heidelberg als auch bei uns in München mit Helsing und appliedAI und der TUM die KI-Zentren Deutschlands liegen. Und da nah dran zu sein, hat natürlich Sinn.

Wohin wollt ihr mit dem Format in Zukunft? Welche Veränderungen habt ihr vor?

Gregor: Wir gehen davon aus, dass sich die Welt noch ziemlich verändern wird. Das wollen wir auch in Zukunft begleiten und mitnehmen. Mit dem Format sind wir so, wie es gerade ist, sehr happy. Wir werden uns sicher graduell weiterentwickeln, je nachdem, wie sich die KI-Situation verändert.

Fritz:  Solange die KI-Entwicklung weiter an Fahrt aufnimmt, wird auch unser Podcast weiter an Fahrt aufnehmen.

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