Innovations-Hotspot München

Von Christina Hertel

Wer die Stichworte „Medien“ und „München“ hört, denkt vielleicht zuerst an Verlage und Sender wie die Süddeutsche Zeitung oder den Bayerischen Rundfunk. Doch auch abseits der großen Unternehmen arbeiten kreative Köpfe daran, die Medienwelt zu verändern. Ein Überblick über Angebote, Einrichtungen und Projekte, die München zum Innovations-Hotspot machen:

Hier fühlen sich Medien-Startups wohl: Im Media Lab Bayern gibt es viel Raum für kreatives Arbeiten. Foto: David-Pierce Brill

Media Lab Bayern

Post-its an den Wänden, Sitzsäcke auf den Böden, viel Kaffee in den Maschinen – das Media Lab Bayern im Werksviertel im Osten von München sieht so aus, wie man sich einen Ort vorstellt, an dem sich Startups wohlfühlen. Auf etwa 200 Quadratmetern arbeiten hier Medienschaffende in einem Coworking Space zusammen und das Media Lab unterstützt sie dabei, ihre Ideen umzusetzen – zum Beispiel durch eine Förderung im Wert von 50.000 Euro, mit Coaching, Workshops und einem großen Netzwerk. Acht Startups entwickeln im Media Lab mithilfe der Förderung momentan ihr Produkt. Voraussetzung dafür? „Die Ideen müssen innovativ und digital sein und dürfen sich nicht nur um einen guten Inhalt drehen, sondern auch eine neue Technologie verwenden“, sagt Simone Friese, die im Media Lab als Marketing Managerin arbeitet. Bessere Chancen haben ihrer Erfahrung nach Teams, die mindestens aus zwei Leuten bestehen. Denn alleine sei die Arbeit meist nicht zu stemmen. Häufig, verrät Friese, kündigen nebenberufliche Startup-Gründer*innen nach einer Weile ihre Jobs und arbeiten Vollzeit im Media Lab an ihrer Vision.

 

Im MD.I Hub entwickeln Studierende Anwendungen für echte Kunden. Foto: MD.I

MD.I Hub

Die Zeiten, in denen Studierende hauptsächlich in Bibliotheken saßen und dicke Bücher lasen, sind vorbei. Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und Kontakte in die Wirtschaft zu knüpfen wird in vielen Studiengängen immer wichtiger. Aus diesem Grund hat die Media Design Hochschule im April 2018 ihren Innovation Hub gegründet. Dort bauen Game-Design-Student*innen und Absolvent*innen komplexe Programme und Tools, um sie dann an Unternehmen zu verkaufen. Ziel sei, dass die Studierenden aus ihrem Elfenbeinturm kommen, sagt Professor Christoph Minnameier, der den Hub leitet. So entwickeln sie zum Beispiel aktuell eine VR-Brille für die Therme Erding und haben einen Roboter an Media Markt verkauft, der mit Kund*innen kommuniziert. Zwar sei der Innovation Hub ein Leuchtturm der Hochschule, so Minnameier, doch grundsätzlich sei er nicht auf Studierende beschränkt. Er ist komplett eigenfinanziert und beschäftigt fünf festangestellte Mitarbeiter.

 

Das Bayerische Institut für Digitale Transformation untersucht den digitalen Wandel wissenschaftlich. Foto: Kilian Blees

Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation

Die Digitalisierung verändert die Gesellschaft und das nicht erst seit gestern. Das Bayerische Institut für Digitale Transformation, das in diesem Sommer in München gegründet wurde, untersucht diesen Wandel wissenschaftlich. Sowohl durch eigene Projekte – zum Beispiel vergleicht es den Erfolg der Digitalisierungsstrategien in den einzelnen Bundesländern – als auch durch die Unterstützung von Forschungen. Derzeit fördert das Institut neun Projekte an bayerischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die sich mit den Themen „Wirtschaft und Arbeit“, „Politik und Gesellschaft“ sowie „Medien und öffentliche Kommunikation“ beschäftigten. Ein Team untersucht etwa, wie sich Meinungsmacht im Internet messen lässt und wie Qualität gesichert werden könnte. Bei allen Projekten geht es laut Geschäftsführer Christoph Egle auch darum, Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft zu finden. Zwar arbeiten die forschenden Professor*innen und Doktoranden in ganz Deutschland, sie treffen sich jedoch alle paar Monate in München, um sich auszutauschen. Außerdem finden regelmäßig öffentliche Veranstaltungen und Vorträge statt. Finanziert wird das Forschungsinstitut vom Freistaat Bayern mit 6,2 Millionen Euro.

Münchner Filmwerkstatt

Aus purem Egoismus habe er die Münchner Filmwerkstatt gegründet, sagt Martin Blankemeyer. Damals vor elf Jahren, als er gerade seinen Abschluss an einer Filmhochschule gemacht hatte, hätte er gerne ein Seminar bei dem amerikanischen Filmregisseur Mark Travis besucht. Doch statt ein Flugticket nach Kalifornien zu kaufen, entschied sich Blankemeyer dafür, einen Verein zu gründen und Regisseur*innen, Drehbuchautor*innen und Kameraleute nach München zu holen. Seit elf Jahren bietet die Münchner Filmwerkstatt nun an den Wochenenden Seminare für Filmschaffende an, in denen man vom Drehbuchschreiben bis zum Schauspielern alles lernen kann, was man für einen Film braucht. Zwar setze die Filmwerkstatt auf Kontinuität, sagt Blankemeyer, doch neuen Technologien wie Drohnen und 3D möchte er sich nicht verschließen. Zulassungsbeschränkungen oder Auswahlkriterien gibt es keine. Dementsprechend durchmischt seien die Teilnehmer*innen. „In den Seminaren sitzen Schülerinnen und Schüler, die irgendwann irgendwas mit Medien machen wollen, aber auch Leute, die für große Fernsehsender arbeiten“, sagt Blankemeyer.

WERK1

Was das WERK1 am Münchner Ostbahnhof so besonders macht? Es gibt einen Coworking-Space für gut 150 Menschen und 40 Büros für Startups. Früher saßen laut Mitarbeiterin Veronika Dietzinger vor allem Medienschaffende und Kreative dort, heute sind es hauptsächlich IT-Leute. Für einen Platz im Coworking Space gibt es keine Voraussetzungen, um die Büros müssen sich Startups bewerben. Einen Branchenfokus setzt das WERK1 nicht, doch die Startups sollten etwas mit Digitalisierung zu tun haben, dürfen nicht älter als fünf Jahre alt sein und die Gründer*innen müssen aus München kommen. Zurzeit sind unter anderem die Camper Boys eingemietet, die Busse in München vermieten, und Art Masters, die Mal-Events organisieren. Startups profitieren neben den Räumlichkeiten auch von Mentorenprogrammen, Workshops und einem großen Netzwerk. Außerdem gibt es spezielle Förderprogramme, zum Beispiel für Startups, die die Digitalisierung der Versicherungsbranche vorantreiben.

Das Bayerische Filmzentrum ist die Anlaufstelle für innovatives Storytelling. Foto: Kathrin Schäfer

Bayerisches Filmzentrum

“I embrace change. Always did, always will.” Das soll Steven Spielberg gesagt haben und dieses Motto machte sich das Bayerische Filmzentrum zu eigen. Dort lernen junge Filmemacher*innen und Kreative, mit innovativen Technologien auf eine neuartige Weise Geschichten zu erzählen. Das Filmzentrum bietet Trainings an, unter anderem in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality, 360° und Storytelling. Aber auch klassische Filmproduktion fördert das Zentrum. Zum Beispiel stellt es Nachwuchsproduzent*innen für zwei Jahre kostenlos einen Büroplatz in Grünwald zur Verfügung. Sie erhalten dort persönliche Beratung und Betreuung. Mit einem weiteren Stipendium unterstützt das Zentrum Nachwuchsautor*innen und Produzent*innen bei ihrem ersten großen Film: Wer an dem Programm First Movie Plus teilnimmt, erhält Hilfe bei der Konzeption des Stoffes, der Zusammenstellung des Teams sowie bei sämtlichen Fragen, die sich bei der Planung und Umsetzung des Films ergeben können.

IBC

Welche tiefgreifenden Veränderungen die Digitalisierung mit sich bringt, spürte die Medienbranche als eine der ersten. Alleine durch Zeitungsabos lassen sich Medienhäuser in Zukunft zum Beispiel wohl nicht mehr finanzieren. Doch wie könnten erfolgsversprechende neue Geschäftsmodelle aussehen? Und wo gibt es Schnittstellen zu anderen Unternehmen aus anderen Branchen? Unter anderem mit diesen Fragestellungen setzt sich das Internet Business Cluster (IBC) auseinander, das 2011 als eine Kooperation von Wissenschaft und Medien aus dem Raum München gegründet wurde. Mitglieder sind heute unter anderem das Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität, die Universität Regensburg, der Medienkonzern Hubert Burda Media und der Homeshopping-Sender HSE 24. Die Forschungsprojekte beschäftigen sich meist mit der Frage, wie sich als digitales Medienunternehmen Geld verdienen lässt – etwa, wie Onlinehändler durch Inhalte ihre Shops interessanter machen können, um so Kund*innen an sich zu binden. Einmal im Jahr vergibt das IBC außerdem für Studierende aus der Region München ein Stipendium. Neben einem Budget von 200 Euro, das die Stipendiaten unter anderem für Software ausgeben können, fördert das IBC auch den Austausch in der realen Welt: Bei Events und Workshops kommen die Stipendiat*innen mit Unternehmen in Kontakt.

XR Hub

„In ein paar Jahren, wenn die VR-und AR-Brillen leichter, handlicher und schöner sind, wird jeder eine haben wollen“, sagt Silke Schmidt. Sie ist sich sicher, dass XR, also Extended Reality, unsere Gesellschaft komplett verändern wird. Diesen Wandel zu begleiten und weiter voranzutreiben gehört seit kurzem zu ihrem Job. Silke Schmidt leitet den XR Hub Bavaria, der im Herbst 2019 an den Standorten München, Nürnberg und Würzburg eröffnete. Unter XR fällt in dem Hub alles, was mit Virtual und Augmented Reality zu tun hat. Ziel der Initiative ist es, Bayern als Standort für XR sichtbar zu machen und die wachsende Branche zu fördern. Außerdem unterstützt der Hub Forschungsarbeiten, möchte aber auch Künstler*innen, Startups und Unternehmen ansprechen. Denn die Bereiche, in denen man XR einsetzen könnte, sind breit. An den drei Standorten sollen unter anderem Veranstaltungen stattfinden, um Akteure zu vernetzen. Gefördert wird die Initiative durch das bayerische Digitalministerium.

1000 Quadratmeter für innovatives Arbeiten gibt es bei Wayra. Foto: Wayra

Wayra

Ein Blick aus dem Fenster: Menschen schleppen Einkaufstüten durch die Münchner Fußgängerzone. Ein Blick zum Nachbartisch: Menschen denken über Cyber Security oder Blockchain nach. Der Kontrast von draußen und drinnen könnte beim Coworking Space Wayra nicht größer sein. Auf 1.000 Quadratmetern in der Kaufingerstraße arbeiten 86 Gründer*innen aus der Technologie-, Informations- und Kommunikatiosbranche an dem Aufbau ihres Unternehmens. Der erste Kunde steht dabei für die meisten schon fest: der Telefónica-Konzern, zu dem unter anderem die Marke O2 gehört und der Wayra 2012 in München eröffnete. Früher saßen in dem Coworking Space alle möglichen Startups, sagt Therés Becker, die bei Wayra für die PR-Arbeit zuständig ist. Seit zwei Jahren werden nur noch solche angenommen, die zum Telefónica-Konzern passen. Für einen Platz können sich Gründer jederzeit bewerben. Außerdem gibt es bei Wayra ein viermonatiges Programm, bei dem die Gründer in einer ersten Phase Meilensteine festlegen und dann drei Monate Zeit haben, ein Produkt zu entwickeln. Wayra bietet während dieser Zeit Mentoring und Coaching.

Bleibe mit dem XPLR: Newsletter immer auf dem Laufenden!

Newsletter abonnieren