Radio BUH rockt die Revolution im Lokalradio

Von Stefanie Heyduck

Eine Radio Rock Revolution“, das will auch Radio BUH. Doch anders als im gleichnamigen Film senden die unbeugsamen Radiotalente um Evi Dettl nicht aus der Nordsee, sondern aus dem oberbayerischen Grassau. Radio BUH unterstützt dabei regionale Künstler:innen und zeigt, wie gemeinnütziges Radio mit einer bunten Playlist abseits der Charts funktionieren kann. Dafür wurde das Team nun mit dem Bayerischen Popkulturpreis ausgezeichnet.

Als dieser Text entsteht, läuft im Hintergrund die Sendung „Bavarian Rotation“ auf Radio BUH. Der Fuß wippt zu  „I can’t even look straight“, einem Song von Keep it Close, einer jungen Band aus Landshut. Evi Dettl, Programmleiterin und Herz und Seele des Radiosenders, stellt in ihrer Sendung jeden Tag drei bayerische Nachwuchskünstler vor. Ein Mammutprojekt für den kleinen Sender, den sie mit einer halben Stelle und knapp 30 Ehrenamtlichen seit sechs Jahren am Laufen hält. Und ein gelungenes Beispiel dafür, wie man Lokalradio neu denken kann und dabei ganz nah am Menschen bleibt.

„Wir haben zwar eine kleine Förderung für die „Bavarian Rotation“ bekommen, mussten es aber selbst stemmen. Bis heute haben wir über 400 Bands und 500 Künstler:innen vorgestellt. Ich bin sehr stolz, dass wir das durchgezogen haben. Das war sehr hart, aber auch sehr cool,“ erzählt Evi Dettl.

Bild: Judith Schmidhuber

Von Radio Dettl zu Radio BUH

Radio BUH? Noch nie gehört? Die bayerische Wikipedia schreibt: „Radio BUH is a gmoanitzigs Webradio, des wo si um de Eahoidung vo da boarischn Kuitua und Sproch kimmat.“ Also: Radio BUH ist ein gemeinnütziges Online-Radio, das die heimische Kunst und Kultur fördert.

Es wäre schön, wenn Lokalradio wieder authentischer und mutiger wäre.“

Schon als Kinder nahmen die Geschwister Evi und Stefan für „Radio Dettl“ Sendungen auf. Mit Kassettenrekorder und Mikrofon, während die Mama kochte. Evi machte später eine Ausbildung zur Hörfunkredakteurin bei einem Regionalsender. Stefan wurde Musiker und ist mit seiner Band LaBrassBanda mittlerweile auch über Bayern hinaus bekannt.

Bei beiden war es der Frust über die Programmgestaltung großer Radiosender, die sie zum eigenen Projekt motivierte. Evi war enttäuscht darüber, wie wenig Gestaltungsfreiheiten Musikjournalist:innen bei regionalen Sendern haben: „Es wäre schön, wenn Lokalradio wieder authentischer und mutiger wäre“, sagt sie. Kleinere oder lokale Bands werden kaum im Programm berücksichtigt.

Statt zu jammern, beschlossen die Geschwister selbst anzupacken. Evi Dettl erinnert sich noch genau an die Geburtsstunde von Radio BUH:

Stefan sagte zu mir: „Wir machen jetzt einen Radiosender.“ Er, ein paar Leute aus seiner Band und ich. Ich antwortete nein. (lacht) „Weil das wahnsinnig viel Arbeit ist und ihr gar nicht wisst, was an einem Radiosender alles dranhängt.“ Dann habe ich eine Woche überlegt und dachte: „Cool wäre es ja schon…“.“

Evi Dettl

Ein Lokalsender trotzt dem Mainstream

Am 15. Februar 2015, Faschingssonntag, ging es los. Einen Onlinesender zu starten ist nicht schwer. Man braucht einen Server, um Musik hochzuladen, die richtige Software, gute Mikrofone und Mischpulte. Und man muss sich bei der Gema anmelden. „Wir haben einen Laptop angeschlossen und einfach losgesendet“, erinnert sich Evi. „Unser erster Sendetag war eigentlich eher eine Party und jeder hat ein bissl erzählt und Platten aufgelegt, auf die er Bock hatte.“

Noch heute dreht sich bei Radio BUH alles um Vielfalt. „Wir haben schon zusammen mit Opa am Kachelofen aufgelegt und senden alles, vom bayerischen Frühschoppen mit Blasmusik bis zur Heavy Metal Band.” Gespielt wird, was Spaß macht, egal ob es in aktuelle Schubladen passt oder nicht. „Vor allem jungen Bands möchten wir die Chance geben, ihre Musik im Radio zu hören, aber wir erinnern auch gerne an längst vergessene Musik“, fasst Evi die Philosophie von Radio BUH zusammen.

Wir finden es schade, dass andere Sender nicht auch mal was anderes spielen. Viele trauen sich nicht, eine Proberaumaufnahme einer lokalen Band zu spielen.“

Außerdem engagiert sich das Team in der Kinder-und Jugendarbeit. Beim Projekt „Eine Welt Musik“ etwa konnten ausländische Kinder bayerische Musiker:innen interviewen und Lieblingslieder aus ihrer Heimat vorstellen.

Radio BUH will aber nicht als Heimatsender missverstanden werden. Mundart darf immer auftauchen, aber authentisch und mittendrin. Nischensender mit voller Absicht. „Wir finden es schade, dass andere Sender nicht auch mal was anderes spielen. Viele trauen sich nicht, eine Proberaumaufnahme einer lokalen Band zu spielen.“

RADIO BUH QUICK FACTS

Gegründet: 2015

Gründer: Evi und Stefan Dettl

Empfang: Im Web unter buh.rocks oder DAB+-Kanal 7A Voralpenland

Reichweite: Online: 30.000 Hörer im Monat. DAB-Tagesreichweite: 7000 Hörer. Weitester Hörerkreis: 16.000.

Fun Fact: BUH steht für Bayerischer Untergrundheuler oder Bavarian Underground Homies (oder sollte vielleicht mal Radio MUH heißen in Anlehnung an das Magazin)

Mit viel Herzblut und Idealismus

Als gemeinnütziger Sender finanziert sich Radio BUH ausschließlich über Spenden, Sponsoren und Förderungen. „Wir wollen einen Kulturauftrag erfüllen, den wir von anderen Sendern nicht erfüllt sehen. Wir machen es für die Leute, für die Sache,“ sagt Evi.

Eine klassische Redaktion gibt es nicht. Evi kümmert sich um die Programmleitung, moderiert die „Bavarian Rotation“ und erledigt Formalitäten. Etwa zehn ehrenamtliche Moderator:innen nehmen regelmäßig Sendungen oder Playlists auf. Insgesamt helfen über 30 Radioprofis und Musikliebhaber:innen mit. Darunter auch Liedermacherin Karin Rabhansl und Musiker Joseph Menzl. „Organisiert, aber dynamisch,“ erklärt Evi Dettl lachend, wie Radio Buh funktioniert.

Die Moderator:innen senden live aus dem Studio, von zuhause – nicht nur zur Coronazeiten –  oder von irgendwo auf der Welt. „Das macht uns zum vermutlich unkonventionellsten, aber vielleicht auch spannendsten Radiosender überhaupt.“

Zu Beginn sei es viel Learning by Doing gewesen: „Anfangs waren wir jeden Tag zwölf Stunden on Air. Davon waren drei Stunden moderiert. Der Rest war Playlist. Das war wahnsinnig aufwändig. Inzwischen haben wir ein Schlagwort-System. Bei uns läuft immer noch viel Musikstrecke. Das ergibt schöne Mischungen, ohne dass ich jeden Tag die Musikplanung machen muss.“

Vom „Piratensender“ ins „echte“ Radio

Nach über sechs Jahren hat Radio BUH, das sich früher selbst augenzwinkernd als Piratensender bezeichnete, viel geschafft. Seit 2019 sind die engagierten Moderator:innen auch über eine DAB+ Frequenz zu empfangen. Online erreicht der Sender monatlich 30.000 Hörer:innen. Die Tagesreichweite über DAB liegt bei 7.000, der weiteste Hörerkreis bei 16.000.

Bei allem Idealismus gibt es manchmal Tage, an denen sie am liebsten alles hinschmeißen würde, gesteht Evi. Die Motivation kommt dann über die Wertschätzung, die sie von Hörer:innen und Bands erhält: „Großartig ist, wenn uns die Bands schätzen, Veranstalter Bands buchen, weil sie sie bei uns gehört haben oder ein Mundartfestival sich durch uns seine Line-Ups zusammenstellt. Und natürlich, wenn die Hörer:innen schreiben und sich bedanken. Neulich nannte uns jemanden den professionellsten unprofessionellen Sender.“

Jetzt bekommt das Team eine weitere Motivation: Sein Einsatz für die bayerische Rock- und Popszene wird mit dem Bayerischen Popkulturpreis belohnt. Für das jahrelange Engagement und die Vielfalt, die es ins Radio bringt. Weil der mutige Lokalsender der heimischen Musikszene eine Bühne bietet.

„Radio BUH steht für Vielfalt in der Kulturlandschaft. Uns ist es wichtig, jungen bayerischen Bands aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen Airplay im Radio zu geben. Das machen die anderen Sender nicht. Für die Kultur und Entwicklung einer Gesellschaft ist Vielfalt aber wichtig.“

Stefan Dettl

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