Ulrich Kubak: Wie Klassik Radio Digitalpionier der Branche wurde

Von Guido Schneider
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Foto: Klassik Radio

Mit uniquer Positionierung und einem offensiven Digitalisierungskonzept hat sich Klassik Radio eine Sonderstellung im deutschen Radiomarkt erarbeitet. Der Anbieter aus Augsburg betreibt sogar einen eigenen Streamingdienst, der profitabel ist. Gründer und CEO Ulrich Kubak im Gespräch.

Mozart, Beethoven, Vivaldi – wer sich für klassische Musik begeistert, dem will Klassik Radio eine Heimat im Hörfunk bieten. Der Sender aus Augsburg ist ein besonderer Mitspieler im deutschen Radiomarkt, denn bei ihm laufen nicht die üblichen Songs aus den Charts, sondern Klassik-Hits, Filmmusik und neuere Klassik-Stücke. Und für Stars wie Rolando Villazón oder Till Brönner gibt es eigene Sendungen im Programm. „Klassik Radio ist so etwas wie die Mutter des kuratierten Musikstreamings“, hebt CEO und Gründer Ulrich Kubak hervor. „Als die ganze Welt noch den besten Hits der 80er und 90er nachrannte, hatten wir uns längst auf das Vertical Klassik fokussiert.“ Nach dem gleichen Prinzip will Kubak nun auch den 2021 gestarteten Electro- und House-Sender Beats Radio groß machen.

 

»Klassik Radio fällt nicht nur mit seiner Musikausrichtung auf, es ist auch Deutschlands einziges Radiounternehmen, das den Sprung an die Börse gewagt hat.«

Ulrich Kubak

Foto: Klassik Radio

Das war im Jahr 2004. „Durch die Börsennotierung können wir sehr schnell und einfach unser Business vorantreiben und haben direkten Zugang zum Kapitalmarkt, um zum Beispiel eine interessante Akquisition zu tätigen“, ist Kubak überzeugt.

Als einer der wenigen deutschen Radioveranstalter hat sich der Sender auch über die Grenze gewagt und ist in der Schweiz und in Österreich über DAB+ empfangbar. Kubak sieht in der DACH-Region „noch großes Hörer- und Erlöspotenzial“, aber nicht nur dort: Er will den Klassik-Sender auch jenseits des deutschsprachigen Raums zu einem Exportschlager machen und von dem Umstand profitieren, dass Deutschland das „Herkunftsland Nummer eins vieler der größten klassischen Komponisten“ ist, wie Kubak sagt. Zudem sieht er in klassischer Musik eines der wenigen Musik-Genres, das global nahezu identisch funktioniert.

Der CEO ging auch die Digitalisierung des Unternehmens offensiv an. So entschied er sich bereits 2011 dafür, Klassik Radio deutschlandweit über DAB+ zu verbreiten und trennte sich 2017 von 15 UKW-Frequenzen, um mit dem eingesparten Geld weitere Investitionen im Digitalgeschäft zu tätigen. Die Rückgabe der analogen Übertragungskapazitäten bezeichnet Kubak als einen „bis heute einmaligen Vorgang in der Geschichte des deutschen Privatradios“, denn sie geschah zu einer Zeit, als sich die meisten Radioveranstalter noch um die Vergabe von UKW-Frequenzen gestritten haben.

Foto: XPLR: MEDIA in Bavaria

Im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie hat Kubak sogar Ende 2017 einen eigenen Streamingdienst namens Klassik Radio Select ins Werk gesetzt. Für 5,49 Euro pro Monat können Abonnent:innen dort werbefrei 180 Musiksender nutzen, die größtenteils von Expert:innen kuratiert werden. Zudem sind auch Klassik Radio, Beats Radio und Movie Radio über die Select-App ohne Werbung verfügbar. Um ein entsprechend großes Musikrepertoire bereitstellen zu können, hat Klassik Radio mit den Major Labels eigene Lizenzierungsverträge geschlossen. Konzernchef Kubak will das Select-Angebot vor allem bei den Hörer:innen von Klassik Radio bekannt machen und kein Geld für zusätzliche Werbung ausgeben. Wie viel zahlende Abonnent:innen der Dienst inzwischen aufweist, lässt Kubak offen. Er räumt aber ein, dass der Betrieb von Select kein Selbstläufer ist. „Zugegeben, der Weg ist hart und ich hatte es mir einfacher vorgestellt.“ Dennoch hat Klassik Radio Select 2022 den Break Even geschafft. „Das ist sensationell und spornt uns an, den Dienst weiter auszubauen“, so Kubak. „Spotify und Co. verlieren bis heute gigantische Geldsummen, wir sind profitabel.“

Sendestart: 15.10.1991

Format: Klassik, Filmmusik, New Classic und Lounge

Zielgruppe: 30- bis 59-Jährige und High-End-Consumer

Empfang: DAB+ (bundesweit), UKW-Stützfrequenzen in verschiedenen Bundesländern, Kabel

Zahl der Mitarbeiter:innen (zum 31.12.2023): 66

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