9 Trends, die das Medienjahr 2026 formen
Die Art und Weise, wie wir Medien konsumieren, miteinander kommunizieren und online shoppen, befindet sich im Umbruch. Bei der Veranstaltung „Medientrends 2026“ hat das MedienNetzwerk Bayern die Themen vorgestellt, die die Branche gerade besonders bewegen – von Vertical Drama bis hin zur Rückkehr echter Gemeinschaftserlebnisse:
1. Suchtfaktor im Hochformat: Neue Inhalte, neues Geschäftsmodell
Das Vertical Drama (auch Micro Drama genannt) kommt aus China und ist perfekt auf das Smartphone-Verhalten abgestimmt. Die Folgen sind extrem kurz, rasant geschnitten und enden immer mit einem fiesen Cliffhanger. Die Inhalte konkurrieren eher mit „Doomscrolling“ auf TikTok als dem klassischen Serienmarathon. Das Geschäftsmodell leiht sich die Logik aus dem Gaming: Die ersten Folgen sind gratis Teaser, die Nutzer:innen auf Social Media begegnen. Von dort verlinken sie auf externe Plattformen, auf denen man einzelne Folgen kaufen kann.
2. Shoppen ohne Klicks: Wenn die KI den Warenkorb füllt
Wir bewegen uns auf den Closed Commerce zu. Dank KI-Agenten (z. B. in Perplexity) wird Einkaufen zum „Zero Click“-Erlebnis. Der Assistent übernimmt die Recherche und den gesamten Kaufprozess. Die Folge: Markenloyalität zählt weniger als die Empfehlung der KI. Schon 2025 nutzten weltweit 36 Prozent der Menschen ChatGPT für ihre Einkäufe.
Recherchiert und vorgestellt wurden die Trends von Jaqueline Hoffmann vom MedienNetzwerk Bayern bei der Veranstaltung „Medientrends 2026“. Noch mehr Infos zu den einzelnen Trends gibt es auf der Website des MedienNetzwerks.
3. Liquid Content: Das Ende der starren Beitragsform
Die Medienlandschaft bewegt sich in Richtung Post-Format-Ära. Inhalte müssen immer flüssiger („liquid“) sein und sich automatisch in jedes beliebige Format verwandeln können. Ein Vorreiter ist das TIME Magazine, das seine Inhalte so modular aufbereitet, dass Nutzer:innen sie in ihrer bevorzugten Form konsumieren können. Für Redaktionen bedeutet das: Die gesamte technische Infrastruktur muss in Zukunft auf flexible Ökosysteme umgestellt werden.
4. Sehnsucht nach Echtheit: Zurück ins echte Leben
Trotz Digitalisierung gibt es einen starken Drang zu menschlichen Ankerpunkten. Laut der rheingold-Verbundenheitsstudie wünschen sich 77 Prozent der Deutschen mehr echte Gemeinschaftserlebnisse. Medienmarken reagieren darauf mit Begegnungsorten und Aktionen: Netflix eröffnete ein eigenes „Erlebnishaus“ im amerikanischen Philadelphia, und der BR bringt Menschen bei Mitmachkonzerten wie „Bayern singt“ zusammen. Der Trend geht vermehrt vom Screen in die analoge Welt.
5. Repräsentationslücke: Die Suche nach der eigenen Sichtweise
Das Vertrauen in die Medien steckt in einer Krise: Tatsächlich fühlen sich laut einer Umfrage 62 Prozent der Deutschen in den traditionellen Medien nicht mehr repräsentiert. Da die politische Ausrichtung von Journalist:innen oft nicht das breite Spektrum der Bevölkerung abbildet, wenden sich viele Nutzer:innen ab und suchen im Netz nach Angeboten, die ihre eigene Meinung eher widerspiegeln. In anderen Ländern ist das bereits ein Nährboden für neue, teils hochideologische Plattformen, die Geschichte und Weltgeschehen aus ihrer ganz eigenen (z. B. rechtspopulistischen) Sichtweise erzählen.
6. Die Macht der Stimme: Warum wir unseren Ohren mehr trauen als unseren Augen
In Zeiten von Deepfakes gilt der „Sound of Trust“. Unser Gehirn entscheidet innerhalb von nur 80 Millisekunden, ob wir einer Stimme vertrauen. Mittlerweile ist gelernt, dass Bilder leicht manipulierbar sind – das Radio in Deutschland genießt dagegen immer noch höchste Glaubwürdigkeit. KI-Klone gibt es allerdings auch im Audiobereich – und sie werden mehr. Mit digitalen Echtheits-Siegeln und Filter-Tools versucht man bereits, gegenzusteuern.
7. Microversus: Klasse statt Masse in der Nische
Auch wenn die großen Social-Media-Plattformen noch immer an User:innen gewinnen – die Zeit, die wir aktiv dort verbringen, sinkt Untersuchungen zufolge schleichend. Der neue Trend heißt daher Nähe statt Masse. Medienanbieter versuchen Nutzer:innen in geschlossenen Direktchats und kleinen, moderierten Communitys anzusprechen, die sich nach einem Safe Space anfühlen. KI hilft hier zwar bei der Verwaltung der Gruppen, nicht aber bei der Erstellung von Content: Dieses Konzept funktioniert nur durch eine möglichst persönliche Ansprache.
8. Konversations-News: Nachrichten im Dialog
Informationsbeschaffung wird zum Dialog. Dank KI-Plattformen konsumieren wir News immer weniger passiv, sondern vermehrt in Form einer natürlichen Unterhaltung. Schon jetzt geht man davon aus, dass sich der Journalismus der Zukunft wie ein Chat anfühlen muss – ein fließender Dialog, der sich für die Rezipient:innen anfühlt, wie eine natürliche Unterhaltung.
9. Hyperlokal per Messenger: Die Nachbarschaft im WhatsApp-Abo
WhatsApp ist für 84 Prozent der deutschen Jugendlichen die wichtigste App. Mit automatisierten WhatsApp-Channels erreichen Lokalmedien ihre Zielgruppe dort, wo sie sich sowieso aufhält. Diese kleinteiligen, hyperlokalen Communities sind extrem erfolgreich, da sie relevante Infos direkt in den privaten Alltag der Menschen pushen. Und für Lokalmedien – die aus wirtschaftlichen Gründen immer mehr lokale Redaktionen zusammenschließen oder aufgeben müssen – bieten sie eine Chance, relevante Kleinst-Zielgruppen zu erreichen.





