Christian Teichmann von BurdaGP: „Gaming ist Innovationstreiber“

Games sind mehr als Unterhaltung. Längst feiern sie transmediale Erfolge, werden in Gamification-Anwendungen erfolgreich in Unternehmen eingesetzt und erreichen weltweit ein Milliardenpublikum. Nun investiert der Münchner Medienkonzern Burda in ein brandneues Programm, das Gaming weiter pushen soll. Christian Teichmann, Vorstand Burda, Geschäftsführer und CEO Burda Principal Investments, verrät, was es mit dem Burda Gaming Program (BurdaGP) auf sich hat.

16.03.2026 8 Min. Lesezeit

Unlängst wurde BurdaGP als brandneue Kooperation zwischen Burda Principal Investments und  TUM Venture Labs auf der DLD Munich 26 vorgestellt. Wer ist daran beteiligt und was hat es damit auf sich?

Christian Teichmann: BurdaGP ist eine gemeinsame Initiative von Burda Principal Investments und den UnternehmerTUM Venture Labs Software / AI. Ziel ist, die nächste Generation europäischer Gründer:innen im Gaming zu unterstützen – vom Talent und der ersten Idee bis zum investierbaren Startup.  Die TUM Venture Labs verantworten die frühe Phase: von der ersten Forschungsidee hin zu Team, Konzept und erstem Prototyp. Dafür bieten sie Zugang zu Infrastruktur, wissenschaftlicher Exzellenz und Entrepreneurship Education. Daran schließt XPRENEURS als Accelerator an. Er übernimmt die Phase vom MVP bis zum Markteintritt, mit sehr praxisnaher Unterstützung in Bereichen wie Business Modeling, Hiring, IP oder Skalierung. Wir von Burda und Burda Principal Investments bringen Marktkenntnis, Medienerfahrung und Investitionskraft ein. Das umfasst zum Beispiel die Bereiche Storytelling, Kundenverständnis, Produktdesign und Positionierung und perspektivisch auch erste frühe Investments.

Ist der Ablauf immer der gleiche?

Teichmann: Diese Bausteine von TUM Venture Labs, XPRENEURS und Burda sowie Burda Principal Investments können je nach Reifegrad eines Projekts flexibel genutzt werden; sie können aufeinander aufbauen, parallel laufen oder einzeln durchlaufen werden. So schaffen wir gemeinsam ein sehr schlüssiges und zugleich flexibles Angebot für Talente, die im Gaming-Bereich wirklich etwas bewegen wollen.

BurdaGP will das Potenzial von Gaming komplett ausschöpfen

Wie kam es zu der Initiative?

Teichmann:
Die Initiative entstand aus einer klaren Beobachtung: Gaming ist längst nicht mehr nur Unterhaltungs-Medium, sondern ein zentraler Treiber digitaler Interaktion, Kultur und Wirtschaft. Mehr als sechs von zehn Menschen in Deutschland spielen Games – und sie sind in diesem Rahmen nicht nur Konsument:innen, sondern aktive Gestalter:innen von Inhalten und digitalen Räumen. Gleichzeitig zeigen Trends wie Community-Driven Content, immersive Technologien und wachsendes Engagement klare Parallelen zu anderen digitalen Medien- und Wirtschaftsbereichen.

Was folgerten Sie daraus?

Teichmann: Vor diesem Hintergrund wurde für uns deutlich, dass Gaming ein Innovationstreiber ist, der weit über klassische Entertainment-Formate hinaus Wirkung entfaltet. Mit der Initiative wollen wir dieses Potenzial strategisch verbinden: Wir wollen die kreative und technologische Energie der europäischen Gaming-Szene in tragfähige, skalierbare Geschäftsmodelle überführen – und dabei bewusst ein starkes, wertschöpfendes Ökosystem in Europa unterstützen und mitgestalten. Gleichzeitig bietet Gaming Werbetreibenden unterschiedliche Formate, von klassischer digitaler Werbung bis hin zur Einführung neuer Produkte oder Kollektionen im Gaming Umfeld noch vor dem physischen Launch in den Läden.

Wie gelingt das – „die kreative und technologische Energie der Gaming-Szene“ zu bündeln?

Teichmann: Unser Ziel ist es, europäische Gaming-Talente zu investorenreifen Startups zu entwickeln. Dabei setzen wir bewusst auf ein „Multi-Pathway“-Programm: Teams können von der allerersten Idee bis zum Early-Stage-Startup begleitet werden – je nach Reifegrad steigen sie an unterschiedlichen Punkten im Programm ein.

Gaming ist die logische nächste Evolutionsstufe digitaler Unterhaltung – kulturell, technologisch und ökonomisch. Kulturell ist Gaming heute einer der wichtigsten Räume, in denen sich Menschen treffen, austauschen und ausdrücken. Sie sind längst nicht mehr nur Zeitvertreib, sondern soziale Netzwerke, Kulturplattformen und Kreativwerkzeuge in einem.

Christian Teichmann

Warum gerade Gaming? Welches Potenzial sehen Sie im Bereich Gaming?

Teichmann: Gaming ist die logische nächste Evolutionsstufe digitaler Unterhaltung – kulturell, technologisch und ökonomisch. Kulturell ist Gaming heute einer der wichtigsten Räume, in denen sich Menschen treffen, austauschen und ausdrücken. Sie sind längst nicht mehr nur Zeitvertreib, sondern soziale Netzwerke, Kulturplattformen und Kreativwerkzeuge in einem. Ökonomisch sprechen wir über einen riesigen, weiterwachsenden Markt mit starken Geschäftsmodellen – von In-Game-Ökonomien und virtuellen Gütern bis hin zu Live-Services, Tools und Infrastruktur rund um Games. 

Können auch Medienunternehmen davon profitieren?

Teichmann: Absolut! Speziell für Medienunternehmen ist Gaming hochrelevant: Hier wird vorgemacht, wie tiefe Nutzerbindung funktioniert, wie Communities entstehen und wie interaktives Storytelling aussehen kann. Für uns bei Burda ist genau diese Schnittstelle aus Content, Community und Technologie spannend – weil dort die nächsten Geschäftsmodelle entstehen, in die wir investieren wollen.

BurdaBP spricht das ganze Ökosystem der Gaming-Branche an

Welche Rolle spielt dabei der Standort München aus Ihrer Sicht im Kontext von Gaming?

Teichmann: München ist einer der spannendsten Standorte in Europa, wenn es um die Schnittstelle von Technologie, Medien und Unternehmertum geht. Mit der TUM, UnternehmerTUM und den TUM Venture Labs gibt es hier ein außergewöhnlich starkes Tech- und Gründungsökosystem, das Talente, Forschung und Unternehmergeist zusammenbringt. Gleichzeitig ist München ein zentraler Medienstandort – auch für uns bei Burda – und damit ein natürlicher Knotenpunkt für Themen wie Content, Storytelling und Marke. Hier treffen technische Exzellenz, kreative Köpfe, ein internationales Netzwerk und Zugang zu Kapital aufeinander – ideale Bedingungen für Gaming-Innovationen. BurdaGP baut darauf auf, um München zu einem starken, europäischen Hotspot für Gaming zu etablieren.

In Ihrer Pressemitteilung heißt es dazu: „Ziel ist es, führende europäische Gaming-Talente zu fördern und neue digitale Erlebnisse zu entwickeln.“ Wer ist damit genau gemeint?

Teichmann:
Wenn wir von führenden europäischen Gaming-Talenten sprechen, meinen wir bewusst nicht nur klassische Game-Studios, sondern das gesamte Ökosystem: kreative Teams, Entwickler:innen, Tech-Talente und Gründer:innen, die neue digitale Erlebnisse schaffen. Das schließt von Content und Communities über Tools und Plattformen bis hin zu zugrunde liegenden Technologien alles ein. Wir wollen Teams und Gründer:innen aus ganz Europa ansprechen, die Gaming ernsthaft als Business begreifen – unabhängig davon, ob sie noch sehr früh dran sind oder bereits ein erstes Produkt zeigen können. Aber genauso zielen wir auf Student:innen ab, die noch gar nicht über eine Gründung nachgedacht haben. Denn aktuell bleibt noch viel zu viel Potenzial auf der Strecke, weil beispielsweise die Themen Entrepreneurship und Gründung in den Gaming- und Entwicklerstudiengängen keine Rolle spielen. Unser Anspruch ist, dass aus talentierten, kreativen Köpfen am Ende Unternehmen entstehen, die international relevant sind und neue digitale Erlebnisse im Gaming-Bereich prägen.

Burda Vorstandsmitglied Christian Teichmann stellte das neue Gaming-Programm BurdaGP zusammen mit Philipp Gerbert, TUM Venture Labs CEO, auf der DLD 2026 vor.
Foto: Dominik Gigler for DLD / Hubert Burda Media

Welche Rolle spielt XPRENEURS dabei?

Teichmann:
XPRENEURS übernimmt als Accelerator die Phase vom MVP bis zum Markteintritt – also genau dann, wenn aus einem ersten Prototypen ein marktfähiges Produkt werden soll. Das Team unterstützt sehr praxisnah, etwa bei Business Modeling, Hiring, IP oder Skalierung, damit aus einer guten Idee ein Wachstums-Startup wird.

Mit beteiligt ist auch der Lehrstuhl für Gaming der TU München unter Leitung von Prof. Johanna Pirker. Warum? Welche Synergieeffekte sehen Sie an der Schnittstelle zwischen Gaming, Forschung, Medienmarkt, gerade auch vor dem Hintergrund, dass „BurdaGP Innovationen gezielt in das Burda-Portfolio einfließen“ sollen?

Teichmann:
Für uns war von Anfang an klar: Wenn wir im Gaming-Bereich wirklich vorne mitspielen wollen, brauchen wir die unmittelbare Nähe zu Forschung und Lehre. Genau dafür steht der Gaming-Lehrstuhl von Prof. Johanna Pirker an der TU München. Dort entstehen neue Technologien und Interaktionsformen, sowie ein tiefes Verständnis dafür, wie Menschen heute spielen, lernen, sich vernetzen und digitale Welten nutzen. Die Synergien zur Medien- und Plattformwelt von Burda liegen auf der Hand: Die TUM bringt wissenschaftliche Exzellenz, experimentelle Formate und Zugang zu hochqualifizierten Talenten.

Burda bringt Gaming-Startups mit starken Marken und Investoren zusammen

Und Sie…?

Teichmann: Wir bei Burda steuern starke Marken, Reichweiten, Datenkompetenz und eine klare Markt- und Produktlogik bei. In BurdaGP bringen wir beides zusammen. So können wir neue Konzepte aus dem Gaming-Kontext früh daraufhin prüfen, ob sie als Produkt, Plattform oder Service im Medienmarkt funktionieren könnten. Umgekehrt können Teams und Startups mit uns realistische Use Cases, Testfelder und Distribution über das Burda-Portfolio denken. So stellen wir sicher, dass Innovationen gezielt in marktfähige Lösungen und – wo sinnvoll – in das Burda-Portfolio einfließen können.

Gerade KI wirkt als zusätzlicher Booster für digitale Technologien rund um Gaming – und umgekehrt sind im Kontext von Games genutzte Technologien seit jeher Innovationsmotor auch für Bereiche jenseits der Gamesbranche. Welche Rolle spielt KI für Sie und für BurdaGP?

Teichmann:
KI ist einer der zentralen Treiber der nächsten Entwicklungsstufe im Gaming – und damit auch für BurdaGP ein Schlüsselfaktor. Im Games-Kontext sehen wir die Bedeutung von KI längst nicht nur bei offensichtlichen Themen wie NPCs oder Procedural Content, sondern entlang der gesamten Wertschöpfung: von Entwicklungstools über automatisiertes Testing und Personalisierung bis hin zu Community-Management, Moderation und neuen Formen interaktiven Storytellings. Spannend ist, dass viele dieser Technologien weit über die Gamesbranche hinaus Wirkung entfalten – etwa bei Simulationen, Trainingsumgebungen, Education oder in der der Creator Economy. Für uns bei Burda und in BurdaGP geht es deshalb darum, Teams zu unterstützen, die KI als Enabler für neue, skalierbare Produkte und Plattformen nutzen. KI ist ein Hebel, um bessere Nutzererlebnisse zu schaffen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die in einem internationalen Wettbewerb bestehen können.

Über den Autor/die Autorin

Nora Beyer

Nora Beyer ist freie Journalistin und Autorin mit Fokus auf Gameskultur. Sie schreibt unter anderem für Deutschlandfunk Kultur, Der Spiegel, der Freitag, GEE, heise und XPLR: MEDIA zu Themen rund um Games, Gameskultur und Digitales. An der Universität Bayreuth arbeitet sie derzeit an ihrer Dissertation zum Thema „Feministische care-ethische Perspektiven in digitalen Spielen“.

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