Robert Vasenda und Dr. Rebecca Hein von Maibornwolff.

MaibornWolff: So werden aus XR-Experiences echte Business-Cases

Wie werden aus futuristischen Technologien echte Business-Cases? Bei MaibornWolff in München beschäftigen sich Dr. Rebecca Hein, Business Development Immersive Experiences, und Robert Vasenda, Business Development Immersive Experiences & AI powered process optimization, genau damit. Als Expert:innen für Mixed-Reality-Projekte, die sie zusammen mit Kunden entwickeln, leiten sie das „Next Reality Lab“ und verbinden XR-Technologie mit echtem Mehrwert. Im Interview sprechen sie über den aktuellen Stand der Technik.

21.01.2026 6 Min. Lesezeit

MaibornWolff ist ein IT-Dienstleister mit über 35 Jahren Erfahrung. Welche Rolle spielt die Medienbranche für das Unternehmen?

Robert Vasenda: Generell fokussieren wir uns vor allem auf das Beherrschen der Technologie, Skills und Methoden, mit denen wir unseren Ansprechpartner:innen Benefits bieten können. Neben der Industrie und Autobranche spielt die Medienbranche für uns eine wichtige Rolle. Sie hilft uns bei der Positionierung auf dem Markt. Wir haben einige Verlagshäuser, einige Medienhäuser als Kunden, für die wir unterschiedliche Digitalisierungsprojekte umsetzen. 

Zu Ihrem Unternehmen gehört auch das „Next Reality Lab“. Was war die Intention hinter der Gründung?

Vasenda: XR hat für mich einen großen Vorteil und einen großen Nachteil. Der Vorteil ist, dass man damit Erlebnisse erzeugen und eine besondere Wirkung erzielen kann. Der Nachteil ist: Wenn man nur darüber spricht, dann ist diese Wirkung überhaupt nicht präsent. Und deswegen haben wir uns entschieden, einen Erlebnisraum in einem unserer Büros in München zu schaffen, in dem wir Gästen die verschiedenen Technologien wirklich erlebbar machen.

Dr. Rebecca Hein: Das Next Reality Lab” ist so eine Art „Innovations Engineering Hub”, mit dem man richtig gut greifbar machen kann, wie cool XR ist und für welche Projekte man es nutzen kann. Wir haben zum Beispiel einen Use Case, den wir Social XR nennen. Das ist eine Anwendung, in der man sich mit mehreren Leuten in einem virtuellen Raum aufhalten kann. Wir können außerdem zeigen, welche Projekte wir für welche Unternehmen gemacht haben, welche Technologien wir dafür genutzt haben und welcher Aufwand dahintersteckt. Das macht unsere Arbeit auch für unsere Kunden greifbarer.

Wir öffnen das Next Reality Lab zudem auch immer wieder für Schüler:innen und Student:innen, einfach um sie für die Technologie zu begeistern.

Der Vorteil ist, dass man mit VR Erlebnisse erzeugen und eine Wirkung erzielen kann. Der Nachteil ist: Wenn man nur darüber spricht, dann ist diese Wirkung überhaupt nicht präsent.

Robert Vasenda

Wie genau funktioniert das Next Reality Lab?

Dr. Hein: Wir sind da ganz frei. Manchmal ist es so, dass ein Kunde noch gar nicht so genau weiß, was er möchte, oder mit dem Thema XR noch nicht so viele Berührungspunkte hatte. Dann können wir verschiedene Brillen oder Projekte zeigen. Meistens haben wir fünf bis sechs solcher Use Cases parat und die Besucher:innen können selbst wählen, was sie ausprobieren wollen. 

Vasenda: Bei Kunden beginnt das immer schon mit einem Gespräch vorher, in dem wir herausfinden, welche Erfahrung die Menschen, die uns besuchen werden, mitbringen. Kennen sie die Brillen bereits? Haben sie schon konkrete Ideen? 

Dr. Hein: Jeder Kunde ist unterschiedlich. Wir hatten zum Beispiel kürzlich eine Fluggesellschaft zu Besuch. Da wussten wir, dass es keinen Sinn ergibt, eine VR-Brille zu zeigen, die an einen PC angeschlossen werden muss. Auf einer Baustelle wiederum besteht Helmpflicht, da fallen VR-Brillen natürlich raus und es kommen eher Smartglasses infrage. 

Zu euren Use Cases gehört zum Beispiel die Experience „Mixed Reality: Mit einem realen Auto in virtueller Welt fahren“ für die BMW Group. Was verbirgt sich dahinter?

Dr. Hein: Das ist ein Projekt, das mich begeistert. Man fährt mit einem realen Auto, hat dabei aber eine VR-Brille auf. Man sieht dabei den echten Fahrerraum und nur auf die Scheiben ist virtueller Inhalt gelegt. Zu sehen ist etwa eine Rennstrecke, auf der man virtuelle Coins einsammeln kann. Man kann auch auf dem Mars driften. Zuletzt gab es sogar einen Multiplayer-Modus, in dem man gegeneinander antritt. Aufgebaut ist die Teststrecke aktuell auf einem Flugplatz in Maisach, wir ziehen derzeit aber nach Memmingen um. Diese Experience kann man bei BMW buchen. 

Bei diesem VR-Projekt ist das Thema Latenz immer eine große Herausforderung, einigen Menschen wird ja schon schlecht, wenn sie im Auto sitzend ein Buch lesen. Unsere Expertinnen für VR und tatsächlich Machine Learing haben diese Herausforderung dauerhaft lösen können.

Gibt es auch Beispiele aus der Medienbranche?

Vasenda: Wir haben mit einem großen Business Magazin eine Tour angeboten, quasi das Next Reality Lab mobil gemacht, um den Leser:innen zu ermöglichen, selbst in dieses Thema einzutauchen. Das Magazin hat das dann beworben als einen Stop auf einer Roadshow.

Welche Bedeutung hat der Medienstandort Bayern für MaibornWolff?

Vasenda: Wir sind eine in München beheimatete Firma, gegründet von Volker Maiborn und Holger Wolff. Diese lokale Nähe zeigt sich auch in unserem Kundenportfolio. Wir bedienen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in ganz Deutschland, aber mit den Unternehmen im bayerischen Raum sind wir am besten vernetzt.

MaibornWolff hat auch Büros in Tunesien, Valencia und Ruanda. Welche Vorteile ergeben sich daraus für den XR-Bereich und das Next Reality Lab?

Vasenda: Wir haben Standorte in drei anderen Ländern gegründet, um dort hochmotivierte und toll ausgebildete Menschen einzustellen. Unsere Mitarbeiter:innen dort sind genauso in Projekte eingebunden wie Kolleg:innen, die in Augsburg, Frankfurt, Hamburg oder Berlin sitzen. Wir haben in unserem Arbeitsalltag schon oft erleben dürfen, wie gut VR auch über Strecken hinweg funktionieren kann. Wir sind nicht nur online miteinander verbunden – mit der VR-Brille begegnen wir uns in digitalen Räumen. 

Noch vor einigen Jahren konnte man sich kaum vorstellen, dass nahezu jede Person ein Smartphone besitzt und ständig bei sich trägt. Heute ist das selbstverständlich. Ähnlich könnte sich die Entwicklung bei XR-Brillen vollziehen: Es ist gut vorstellbar, dass in einigen Jahren viele Menschen solche Brillen im Alltag nutzen.

Dr. Rebecca Hein

Wie sehen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Bereich XR und Medien? Was wird sich ändern, wo entstehen neue Schnittstellen zwischen Technik und Medienproduktion?

Vasenda: Ich persönlich glaube nicht, dass die VR-Brille, die wir heute kennen, ein Massenphänomen wird. Dafür ist die Hürde zu groß. Gleichzeitig sehen wir aber eine wachsende Anzahl an Use Cases in ganz unterschiedlichen Branchen. Das stärkste Wachstum vermute ich in Zukunft bei einer neuen Generation von Brillen, etwa Smartglasses, die noch nichts visualisieren, aber eine Kamera und Lautsprecher integriert haben. Die werden immer schlanker und smarter. 

Dr. Hein: Noch vor einigen Jahren konnte man sich kaum vorstellen, dass nahezu jede Person ein Smartphone besitzt und ständig bei sich trägt. Heute ist das selbstverständlich. Ähnlich könnte sich die Entwicklung bei XR-Brillen vollziehen: Es ist gut vorstellbar, dass in einigen Jahren viele Menschen solche Brillen im Alltag nutzen. Dafür müssen die Geräte allerdings deutlich leichter, unauffälliger und alltagstauglicher werden. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist Künstliche Intelligenz. Bei Konzepten wie der Samsung Galaxy XR ist beispielsweise Googles KI Gemini integriert. Solche Funktionen zeigen, wohin die Reise geht: Inhalte lassen sich kontextbezogen übersetzen, erklären oder zusammenfassen, ohne dass man aktiv zum Smartphone greifen muss. Genau hier greifen Software- und Hardware-Entwicklung ineinander: Fortschritte in der KI ermöglichen neue, natürliche Interaktionsformen, während leichtere Brillen, bessere Displays und effizientere Chips die physische Voraussetzung dafür schaffen, dass XR-Brillen tatsächlich alltagstauglich werden.

Über den Autor/die Autorin

Jonas Herrmann

Ob Spiele, Bücher, Filme oder Serien: Jonas liebt gute Geschichten und schreibt leidenschaftlich gerne über sie. Als geborener Münchner interessiert ihn die bayerische Medienwelt dabei besonders.

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