Veronika Schaller Porträt

Veronika Schaller von „DONNA“ und „myself“: „Wir planen einen Bewegtbild-Push“

Nach zehn Jahren bei der „COSMOPOLITAN“ führt Veronika Schaller seit Dezember 2025 von München aus die gemeinsame Redaktion von „DONNA“ und „myself“, die in der Funke Mediengruppe erscheinen. Ein Gespräch über ihre neuen Zielgruppen, den Spagat zwischen zwei Love Brands, und die Stadt als Standort für Lifestyle-Medien.

26.05.2026 6 Min. Lesezeit

Vero, du verantwortest zwei Hefte: Wann ist ein Thema „myself“, wann DONNA?

Veronika Schaller: Die typische „myself“-Leserin ist im Schnitt um die 40 und steckt mitten in der „Rushhour“ des Lebens: Sie hat oft Kinder, ihre eigenen Eltern werden älter und sie übernimmt meist den Großteil der Care-Arbeit. Deswegen geht es viel um Selbstfürsorge und darum, eine Balance im Alltag zu schaffen. 

Die „DONNA“-Frau ist im Schnitt zehn Jahre älter und startet gerade noch einmal voll durch. Genau darin liegt die Magie dieser Generation. Während sie früher von der Gesellschaft und Magazinen oft übersehen wurde, ist sie heute sichtbarer denn je. 

Nach einem halben Jahr im Amt: Welche Veränderungen hast du angestoßen?

Vero: Beide Marken sind so beliebt, dass man sie nicht komplett umkrempeln muss. Die große Chance liegt vielmehr darin, die starke Community durch eine bessere Verzahnung von Print und Online auf allen Kanälen gleichzeitig zu erreichen. Aktuell planen wir einen Bewegtbild-Push: Wir starten bei „myself“ mit dem YouTube-Format „Glow Show“, in dem wir mit Expertinnen über Beauty und Wellbeing sprechen – und hier auch Mythen und Fake News aufdecken. Qualität und verlässliche Inhalte stehen bei allem, was wir machen, an oberster Stelle. 

Print ist dein Thema? Dann könnte dich auch das Interview mit Bianka Morgen zur InStyle Gen Z interessieren!

Woran lässt sich deine persönliche Handschrift in den Heften erkennen? 

Vero: Es ist, als hätte ich in einem Raum mit guten Designklassikern umgestellt, neu gestrichen und Highlights in helleres Licht gerückt. Inhalten, die unsere Leserinnen lieben, habe ich mehr Raum gegeben. Das Vorher-Nachher-Shooting in der „DONNA“ etwa war früher nur eine Doppelseite, heute widmen wir dem Thema in jeder zweiten Ausgabe eine große Modestrecke und werden dies künftig mit Bewegtbild auch noch stärker begleiten. Man kann die Frauen aus unserer Community ruhig groß inszenieren und feiern. 

Veronika Schaller: Wollen gesellschaftliche Impulse setzen

Zehn Jahre „COSMOPOLITAN“, davon sechs in der Chefredaktion: Worin unterscheiden sich deine neuen Leserinnen von den vorherigen?

Vero: „myself“ und „DONNA“ sind entspannter und haben beide diese wunderbare      „Je ne sais quoi“-Attitüde: ein subtiles Understatement, eine natürliche Ausstrahlung, eine gewisse Mühelosigkeit. Es geht weniger um schnelle Trends als vielmehr um guten Stil – in allen Lebensbereichen. Beide sind nationale Love Brands mit Fangemeinden, die man fast schon als „Ultras“ bezeichnen kann.

Was erwartet diese treue Anhängerschaft von euch? 

Vero: Einerseits eine konstant hohe journalistische Qualität und vertraute Formate wie die myself-Kolumne „100 Zeilen Liebe“ von York Pijahn. Andererseits wollen sie durch vielfältige Meinungen und inspirierende Frauen überrascht werden und neue Impulse erhalten. Sie wollen Tiefgang, Haltung, aber auch Leichtigkeit.     

Euer jüngster Coup: Das erste „DONNA Gen D Resort‘ im Allgäu. Was steckt dahinter? 

Vero: Mit unserer Initiative „Gen D“ wollen wir das Thema Wechseljahre aus der Tabu-Ecke holen und gesellschaftliche Impulse setzen, bis hin zu Appellen an die Politik. An den drei Tagen ging es diesmal für zehn Frauen aus unserer DONNA-Community vor allem um Selbstfürsorge in dieser Lebensphase. Es gab es ein vielseitiges Programm an Sportkursen und inspirierenden Talks – etwa mit Milka Loff Fernandes über „Lebensfreude“ oder Natalia Avelon über „Neustarts“. Das stärkt die Verbindung zu unserer Community. Ein weiteres Ziel ist es, durch starke Werbepartner ein zukunftsfähiges Erlösmodell zu etablieren.

„Vielseitigkeit war die beste Schmiede“

Welchen Platz nehmen solche Live-Events künftig in eurer Strategie ein?

Vero: Es gibt bereits Ideen, das „Gen D Resort“ weiter auszubauen. Zudem wiederholen wir den erfolgreichen „myself Award“ vom vergangenen Jahr mit einem glamourösen Abend-Event im Oktober. Tagsüber wird es darüber hinaus einen „Moments for myself“-Day geben, für den wir rund 300 Tickets verkaufen. Wir machen die „myself“-Themen dort erlebbar – von Selbstfürsorge über Mode bis hin zu Beauty. Unternehmen haben die Möglichkeit, sich an Brand-Ständen zu präsentieren, die Teilnehmerinnen erwarten Talks, Masterclasses und Keynotes großartiger Frauen. 

Du bist auf Instagram sehr aktiv: Welche Trends nimmst du dort aktuell bei eurer Community wahr?

Vero: Was bei DONNA-Frauen gut ankommt, ist die Sichtbarkeit der eigenen Altersgruppe – also Themen wie „Ich bin jetzt 50 plus und fange nochmal neu an“. Für unsere Heftrubrik „DONNA Stilvorbild“ filmen wir die Protagonistinnen auch zuhause und geben auf Instagram Einblicke in ihre ganz persönliche Wohnästhetik. Die myself-Zielgruppe ist neben Wellbeing-Themen sehr interessiert an Kultur, etwa in Form von Star-Interviews.

Was hat dich darauf vorbereitet, heute zwei Titel parallel zu führen?

Vero: Mein Weg führte über die Burda Journalistenschule und ein Volontariat bei „InStyle“ zur Onlineredaktion der „AMICA“, gefolgt von „JOLIE“ und „COSMOPOLITAN“. Eine Zeit lang hielt ich es für einen Makel, dass ich mich nicht auf ein Themengebiet fokussiert hatte, sondern zwischen den Ressorts Mode, Beauty und Leben switchte. Heute weiß ich: Die Vielseitigkeit war die beste Schmiede für meine heutige Position.

Geschäftsmodell klassische Medien“ funktioniert

Was ist dir bei der Führung deines neuen Redaktionsteams besonders wichtig?

Vero: Dass niemand allein für meinen Geschmack arbeitet, sondern immer für das beste Produkt. Und eine gute Fehlerkultur, ein positiver Spirit. Ich bin mir sicher: Wenn wir uns in dieser schnellen, intensiven Jobwelt die Freude am Blattmachen bewahren, spüren das auch die Leserinnen. 

Wie teilst du dir deine Zeit ein, um beiden Marken gerecht zu werden? 

Vero: Man gewöhnt sich erstaunlich schnell an die doppelte Taktung. Aber natürlich muss ich in der Abgabewoche des einen Titels auch den anderen Titel weiter voranbringen. Das Wichtigste dabei: Ich darf kein Flaschenhals sein. Statt zu micromanagen, vertraue ich auf mein Team. 

In München sitzen viele Traditionsmarken wie „DONNA und „myself“. Erfindet sich die Stadt als Medienstandort gerade neu oder verwaltet sie nur ihr Erbe?

Vero: München beweist, dass klassische Medien weiterhin ein funktionierendes Geschäftsmodell sind. Wir beobachten eine wachsende „KI-Müdigkeit“ bei den Leserinnen und eine Tendenz hin zu bekannten Marken, denen sie vertrauen. Genau hier liegt die Chance für uns als Medienmacher:innen: Wir bieten Orientierung und, insbesondere als Lifestyle-Magazine, den immer wichtiger werdenden Eskapismus. 

Bannerbild: René Lohse

Über den Autor/die Autorin

Liza Marie Heuring

newsletter

Du willst mehr zu Medieninnovationen am Standort wissen?

Bleib auf dem Laufenden mit aktuellen Artikeln und Event-Tipps direkt per E-Mail.