Daniel Rosemann: „ProSieben wird weiter mit Thilo Mischke Reportagen produzieren“

Von Julia Hägele

Daniel Rosemann, Senderchef von ProSieben.

Als Senderchef von ProSieben prägt Daniel Rosemann einen großen Teil des deutschen Privatfernsehens. Im Interview spricht er über Social-Media-Lagerfeuer, sein Bauchgefühl und das, was ProSieben in der nahen Zukunft plant.

Herr Rosemann, in der jüngeren Vergangenheit hat ProSieben mit Thilo Mischkes Reportage „Rechts.Deutsch.Radikal.“ einen großen Erfolg gelandet und einen mutigen neuen Schwerpunkt gesetzt. Wieso haben Sie Sendeplatz für eine politische Dokumentation freigeräumt?

Daniel Rosemann: „Rechts. Deutsch.Radikal.“ war sicher eine der spannendsten TV Reportagen der vergangenen Jahre, da sie direkt Konsequenzen im politischen Berlin ausgelöst hat. Aber es war nicht die erste ihrer Art auf ProSieben. Für die Reportage „Deutsche an der ISIS-Front“ hat Thilo Mischke im Herbst 2020 den Bayrischen Fernsehpreis gewonnen. ProSieben wird weiter mit Thilo Mischke Reportagen produzieren. Und darüber hinaus werden wir in diesem und in den nächsten Jahren allgemein mehr Reportagen und Dokus zeigen.

Als ProSieben Joko und Klaas 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung gestellt hatte, entschieden die sich auch für sozialpolitische Themen: Obdachlosigkeit, Flüchtlingskrise und Sexismus. War die Entscheidung richtig?

Rosemann: Wenn man Künstlern viel Freiheit lässt, ist das für einen Sender immer ein kleines Risiko. Auch bei Joko & Klaas. In ihren 15 Minuten haben sie die ein oder andere absurde Aktion gemacht. Und sie haben mit herausragenden Filmen wie „Männerwelten“ und „A Short Story of Moria“ Themen mit einer Intensität auf die Agenda gesetzt, wie man es nur mit besonderen Künstlern und der Kraft des linearen Fernsehens schafft. Jeder weiß: Wenn Joko & Klaas 15 Minuten haben, sollte man dieses TV-Ereignis nicht verpassen.

„Besonders spannend sind Marktforschungen, in denen wir unsere Zuschauer in Echtzeit befragen. Das kann für einen Fernsehmacher manchmal sehr brutal sein.“

Vertrauen Sie Ihrem Gefühl immer?

Rosemann: Immer? Nein. Wir vertrauen Fakten. Und ich vertraue dem ProSieben-Team. Fernsehen ist Teamwork. Aber manchmal muss man auch auf das Bauchgefühl hören.

Ansonsten arbeiten Sie aber viel mit Zahlen und Daten, richtig?

Rosemann: Wir analysieren bei jedem Programm genau, wer einschaltet. Und wir schauen genau, wer uns nicht einschaltet. Qualitativ und quantitativ. Besonders spannend sind Marktforschungen, in denen wir unsere Zuschauer in Echtzeit befragen. Das kann für einen Fernsehmacher manchmal sehr brutal sein.

Ob eine Idee einschlägt, weiß man erst nach Sendestart. Trotzdem: Was würden Sie sagen, ist die wichtigste Zutat, um ein Format zum Erfolg zu führen?

Rosemann: Es gibt nicht die eine Zutat: Eine gute Idee ist der Anfang. Und dann braucht man viel Zeit und Liebe zum Detail. Das hat gerade die Produktionsfirma Florida mit Joko Winterscheidts neuer Quiz-Show „Wer stiehlt mir die Show?“ eindrucksvoll bewiesen.

„Haben Sie schon mal ein Social-Media-Lagerfeuer zum Programm eines Streamers erlebt?“

ProSieben muss sich gegen Giganten wie Amazon Prime und Netflix behaupten – was hat ProSieben, das die Streamingdienste nicht haben?

Rosemann: Wir haben herausragende Künstler, die für ProSieben stehen. Und wir erreichen in Echtzeit viel mehr Menschen als ein Streamer. Haben Sie schon mal ein Social-Media-Lagerfeuer zum Programm eines Streamers erlebt? ProSieben schafft das in guten Wochen an sechs Abenden: Mit Shows, mit Liveshows – und mit besonderen Künstlern.

Geben Sie uns einen Ausblick auf das Jahr 2021?

Rosemann: Das ist ganz einfach: ProSieben erhöht den Anteil an Eigenproduktionen deutlich. Das heißt: Mehr Shows. Mehr Reportagen. Mehr Dokus für dieses Jahr. Und natürlich kommen neue Staffeln unserer Serien „Jerks“, „Check. Check“ und „Frau Jordan stellt gleich“.

„Die Bavaria Film hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass wir dort immer mehr Shows produzieren.“

Was ist für Sie die aktuell größte Innovation im Bereich TV?

Rosemann: Da antworte ich unbescheiden: „The Masked Singer“. Und mit „Wer stiehlt mir die Show“ haben Joko Winterscheidt und Florida eine neue Dimension in das Genre Quiz gebracht.

Was schätzen Sie am Medienstandort Bayern?

Rosemann: Bayern und insbesondere München ist ein exzellenter Standort, um Fernsehen und großartiges Entertainment zu machen. Die Branche und die Medienpolitik sind hier gut vernetzt. Und die Bavaria hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass wir dort immer mehr Shows produzieren.

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