„Indem sich Leute fragen, wie man DAZN ausspricht, beschäftigen sie sich damit“

Von Stefan Ruzas

Thomas de Buhr. Foto: Patrick Zeitler

Er leitet heute die Geschäfte von DAZN, davor war er Deutschland-Chef bei Twitter. Thomas de Buhr kennt das Medien-Business wie kaum ein anderer. Im Interview erzählt er über den Reiz von Pionierarbeit, seine Learnings und Bikram Yoga.

Herr de Buhr, nervt es Sie, dass es immer noch Menschen gibt, die den Namen DAZN falsch aussprechen?

Thomas de Buhr: Nein, ich sehe das sogar positiv. Indem sich die Leute fragen, wie DAZN ausgesprochen wird, beschäftigen sie sich mit uns. Und schon das ist ein kognitiver Prozess, den eine Marke ja ohnehin gerne anstoßen möchte.

Wie spricht man DAZN aus? Hier wird das Geheimnis gelüftet:

Was ist für Sie der größte Vorteil von Streaming?

De Buhr: Wir sind der weltweit führende Sport-Streamingdienst und produzieren Sport-Inhalte für Fans. Internet-Streaming bedeutet Flexibilität. Man ist nicht an einen Ort, ein Programm oder ein Gerät gebunden. Etwa 20 Prozent unserer Zuschauer haben den Champions-League-Sieg von Bayern München im August auf dem Smartphone gesehen.

Wie unterscheidet sich DAZN von Sky?

De Buhr: Zum Beispiel in der Art zu berichten. Unser Motto lautet: „Das Stadion ist unser Studio.“ Wir wollen immer ganz nah dran sein am Geschehen auf dem Platz, wollen den Fans die Emotionen und den Sport so pur wie möglich zeigen und auf Augenhöhe präsentieren. Auch das Geschäftsmodell ist anders: Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Fans. Deswegen ist es sehr einfach, uns zu abonnieren oder zu kündigen. Unser Portfolio ist jetzt schon stark, ab 2021 haben wir noch deutlich mehr Übertragungsrechte: Spätestens dann sind wir ganz klar die Nummer eins für alle Sport-, aber auch Fußballfans.

Vor Ihrem Einstieg bei DAZN waren Sie Deutschland-Chef bei Twitter und davor auch bei Google und YouTube. Welche Erfahrungen, die Sie dort gemacht haben, sind noch heute unverzichtbar?

De Buhr: Ich hatte immer das Glück, sehr viel Pionierarbeit leisten zu dürfen. An einer Weggabelung zu stehen und dann seiner Intuition und Erfahrung zu folgen, das hat mich immer gereizt. Mal abgesehen von einer Unternehmensführung, bei der es um Transparenz, Diversität und die beste Idee geht, nicht um Hierarchien.

Sie sind studierter Wirtschaftspädagoge, aber auch gelernter Verkäufer von Werbezeiten bei RTL und ProSieben. Wo haben Sie mehr gelernt?

De Buhr: Am meisten als Verkäufer in der Tiernahrungssparte des Mars-Konzerns. Als Bezirksleiter bin ich in Nordhessen von einem EDEKA zum anderen gefahren. Da wurde zentimeterweise um Regalfläche für Katzenstreu gekämpft und darum, einen Aufsteller vor der Kasse zu platzieren. Jeden Tag Komplikationen, für die es oft erst mal keine einfache Lösung gab. Noch Jahre später habe ich beim Einkauf im Supermarkt ganz automatisch Regale mit Tiernahrung aufgeräumt.

„An einer Weggabelung zu stehen und dann seiner Intuition und Erfahrung zu folgen, das hat mich immer gereizt.“

Was ist für Sie die erstaunlichste Erkenntnis im Mediengeschäft?

De Buhr: Mit welcher verblüffenden Geschwindigkeit die Bereitschaft gestiegen ist, für Content und Kommunikation Geld zu bezahlen. Vor ein paar Jahren war das noch nicht der Fall. Und wenn ich sogar noch weiter zurückgehe: Wir waren in meiner Kindheit in Ostfriesland zu neunt, ich hatte noch sechs Geschwister. Wenn bei uns die Telefonrechnung höher als 20 Mark war, gab’s eine Krisensitzung. Das sind gute zehn Euro. Heute liegt das Budget eines Haushalts für Handys, Internet und Streaming schnell weit höher als 100 Euro.

Wer aus der Medienbranche hat Sie am meisten geprägt?

De Buhr: Twitter-Gründer Jack Dorsey, ganz klar. Ich hatte das Glück, mit ihm immer wieder Zeit zu verbringen. In seiner Echtheit, seiner unternehmerischen Klarheit und Entschlossenheit hat er mich unglaublich beeindruckt.

 

Eines Ihrer Hobbys ist Bikram-Yoga, heißt es. Können Sie die 26 Asana-Übungen auswendig?

De Buhr: Könnte ich. Vier Jahre lang habe ich das sehr intensiv gemacht. Bikram ist ja: 90 Minuten Yoga in einem 40 Grad warmen Raum mit 40 Prozent Luftfeuchtigkeit. Am Ende habe ich die 30-Tage-Challenge gemacht, also jeden Tag 90 Minuten. Wenn du an einem Tag nicht kannst, musst du am anderen zwei Sessions machen. Völlig wahnsinnig! Danach hat meine Motivation deutlich nachgelassen.

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