PodYou füllt die Lücke bei regionalen Podcasts

Von Anja Kummerow

Patrik Rist, Moderator bei Hit Radio N1 und einer der Initiatoren von PodYou.

Regionalität sells – nicht nur beim Essen. Mit Futter für die Ohren in Form regionaler Podcasts will das Nürnberger Funkhaus Zuhörer*innen ebenso für sich gewinnen wie Medienpartner und Werbekunden. Rechtzeitig zu Weihnachten ging die App PodYou an den Start. Was genau dahinter steckt, erklärt Patrik Rist, einer der Initiatoren von PodYou.

Patrik, warum braucht ein regionales Medienhaus eine eigene Podcast-Plattform?

Patrik Rist: Es wäre verschenktes Potenzial, als regionales Funkhaus nicht im Podcast-Geschäft mitzumischen. Wir sind Experten in diesem Bereich – wir kennen uns aus im Storytelling, der Produktion von Audio-Inhalten und der Vermarktung. Wir haben allerdings festgestellt, dass man als Radiomarke den Podcast-Markt nicht unbedingt so gut befeuern kann. So ist bei uns die Idee entstanden, eine neue Marke zu kreieren, die regionale Podcasts produziert, veröffentlicht und vermarktet. Da gab es eine Marktlücke. Und weil Unternehmen wie Spotify oder iTunes dies nicht abdecken, ist das unsere Verortung auf dem Markt: PodYou – mit Podcasts für dich aus Deiner Region.

Was genau gibt es auf PodYou zu hören?

Rist: Seit Anfang 2020 sind wir mit einer Beta-Version von PodYou im Internet präsent. Hier haben wir bereits die Beiträge unserer sieben Sender im Funkhaus veröffentlicht: Inhalte, die wir einerseits aus den Programmen herausgelöst haben – auch wenn sich gezeigt hat, dass es nicht das ist, was der normale Podcast-User im Alltag so hört. Auf der anderen Seite sind es Originals, die bei uns im Haus entstanden sind durch Redakteure, die Lust hatten, einen Podcast zu machen. Es sind aber auch Inhalte aus der Region – von Content Creatern oder Influencern, bei denen wir dachten, sie haben das Zeug zu guten Podcastern. Das ist der Ist-Zustand, aber nur der Anfang.

„Es wäre verschenktes Potenzial, als regionales Funkhaus nicht im Podcast-Geschäft mitzumischen.“

Wer ist die Klientel, die mit PodYou angesprochen werden soll?

Rist: Unterschiedliche Podcasts können ganz unterschiedliche Leute in ihrem Leben abholen. Ich bin davon überzeugt, dass gerade auch Nischen-Themen sehr erfolgreich sein können. Spotify ist oftmals ein bisschen die Einstiegsdroge für junge Leute. Wir können Ähnliches bieten für eine breite Bevölkerung, die Vertrauen ins Funkhaus und unsere Produkte hat – zumal die App sehr benutzerfreundlich ist. Und die Regionalität ist ja zum Glück auch sehr dynamisch auslegbar: Ein Münchner User etwa kann dann die Münchner Podcasts angezeigt bekommen – zusätzlich zu denen, die nicht regional spezifisch sind.

Was ist also der nächste Schritt?

Rist: Der nächste Schritt sind Kooperationen mit anderen Radiosendern, Funkhäusern oder regionalen Zeitungsverlagen – gerade um auch großen Konkurrenten wie Spotify, Deezer oder Stitcher etwas entgegenzusetzen. Wir haben ein Modell gefunden, mit dem wir in die gemeinsame Vermarktung mit Medienhäusern gehen können, um auf diese Plattform einzuzahlen und sie zu vermarkten. So soll dann auch ein Gewinn für alle erzielt werden.

Screenshot Podyou

Wer spielt die Inhalte ein?

Rist: Das passiert bei uns auf unterschiedliche Arten. Auf der einen Seite läuft es für den Podcaster genauso wie bei anderen Anbietern: Er hat volle Kontrolle über sein Werk – er kann den Podcast selbst produzieren, Beschreibungstexte schreiben, Titel anlegen. Der Podcaster wird auch als Urheber genannt. Wo nötig, erhält er von uns Unterstützung. Wo PodYou drauf steht, soll schließlich Qualität drin sein.

Wie viel Mut und Team braucht es, um so etwas aufzubauen?

Rist: Ich glaube, es braucht in erster Linie sehr viel Liebe zum Thema Podcast. Aber auch viel Enthusiasmus, Akzeptanz und Visionen für die Zukunft. Das Team war – wie im Lokalrundfunk so oft – relativ klein, bestand aus verschiedenen Leuten auf Programmseite, aus der Technik und der Vermarktung.

Und wie viel Geld war nötig?

Rist: Auf jeden Fall so viel wie wir uns sicher sind, durch Podcast-Werbung wieder einzuspielen. Das ist ja derzeit ein hoch angesehenes Gut.

Werden App und Podcasts kostenfrei sein, also rein über Werbung finanziert?

Rist: Zum aktuellen Zeitpunkt ja. Wir werden das aber beobachten. Auf dem Markt gibt es ja schon verschiedenste Modelle. Bezahlschranken halten wir im Moment noch nicht für sinnvoll.

Wie groß ist die Zahl der Werbekunden, die man vom Radio mitnehmen kann zu Podcasts?

Rist: Wir merken, dass sehr viele, auch lokal ansässige Unternehmen einen Druck verspüren, mehr im Digitalen zu werben. Mit PodYou können wir ein sehr wertiges Produkt liefern. Vor allem aber können Werbekunden mit den thematisch verschiedenen Podcasts ein für sie passendes Umfeld finden. Podcasts haben sich am Markt etabliert und sind ein neuer Bestandteil, der im Leben vieler Menschen seinen Platz gefunden hat.

„Wo PodYou drauf steht, soll schließlich Qualität drin sein.“

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