Christian Popescu von Audio Network: Musik, die mehr als Background kann
Die Audio Network GmbH ist eine internationale Musik-Plattform, die sich vor 25 gegründet und vor 13 Jahren bewusst in München niedergelassen hat. Ihre Devise: Musik zu produzieren, die zeitlos, menschengemacht und von höchster Qualität ist. Wie sich das Unternehmen von anderen Lizenzanbietern unterscheidet und wie es in die Zukunft geht, verrät General Manager Christian Popescu.
Herr Popescu, warum brennt Ihr Herz für das Thema Musik in den Medien?
Christian Popescu: Ich bin schon lange in der Medienbranche unterwegs, früher vor allem in der Fotografie. Aber Musik ist übergreifend – sie ist der Hauptbestandteil in jeder Kommunikation, egal ob in der Werbung, im Radio, Film oder TV. Stellen Sie sich Social Media ohne Musik vor. Musik bewegt Menschen, sie lässt einen nie unberührt.
Audio Network ist weit mehr als eine klassische „Stock-Music“-Plattform. Wie würden Sie die Identität des Unternehmens beschreiben?
Popescu: Wir feiern dieses Jahr Jubiläum: Unsere beiden Gründer Robert Hurst und Andrew Sunnucks haben Audio Networks vor 25 Jahren ins Leben gerufen. Beide sind Orchestermusiker und ihre Grundidee war, Musik zu komponieren, die eine längere Halbwertszeit als die typischen Hits in den Charts hat. Wenn man einen Blick in unseren Katalog wirft, merkt man sehr schnell, dass unsere Titel nicht an Aktualität verloren haben. Was uns ebenfalls unterscheidet, ist die Rechtesituation: Wir produzieren die Musik selbst in Zusammenarbeit mit den Künstler:innen – und halten dementsprechend alle Masterrechte.
Musik von höchster Qualität und spannende Musik-Talente
Was genau ist das Konzept von Audio Network?
Popescu: Die Zusammenarbeit mit den Künstler:innen ist sehr intensiv und auf Augenhöhe. Wir arbeiten mit Talenten zusammen, die den Bedarf, den wir erörtert haben, abdecken. Dabei ist unser Qualitätsanspruch von Tag 1 an sehr hoch. Wir suchen gezielt nach den besten Künstler:innen, nutzen die besten Technologien und produzieren in den besten Studios. Wir produzieren zum Beispiel an bis zu 200 Tagen im Jahr in den Abby Road Studios in London.
Unsere Kunden finden die Titel nach der Produktion in unserer Musikbibliothek – mittlerweile enthält sie über 300.000 Tracks aus mehr als 800 Genres. Sie bevorzugen aktuell das klassische Abo-Modell und zahlen eine jährliche Gebühr für die Nutzung unserer Titel.
Wie viel KI steckt in den Musikstücken?
Popescu: In den Musikproduktionen schließen wir KI kategorisch aus. Man kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass unsere Musik von Menschen komponiert, produziert und gemastert wurde. Das ist mittlerweile fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir bewusst an den Markt herantragen und wofür wir viel positives Feedback bekommen.
Auf unserer Plattform wiederum nutzen wir KI schon – in einer intuitiven Suche, die es unseren Kunden ermöglicht, schnell und unkompliziert genau das zu finden, was sie gerne haben möchten. Unsere Kunden geben dann einen allgemeinen Suchbegriff ein, etwa „Musik für die nächste Weihnachtskampagne“, dazu die gewünschte Zielgruppe – und schon bekommen sie Ergebnisse, mit denen sie arbeiten können. Das funktioniert wirklich gut und darauf sind wir stolz.
München als attraktiver Markt und lebendige Medienstandort
Sie leiten das DACH/NL-Geschäft von München aus, Audio Network hat aber auch Niederlassungen in London, Paris, New York, Toronto und Sydney. Wie eng ist die Verflechtung zum Medienstandort Bayern?
Popescu: Der Standort München wurde bei der Gründung bewusst gewählt, weil der Großteil unserer Kunden aus TV und Film damals vor allem hier ansässig waren. Das ist auch heute noch so, auch wenn sich mittlerweile viele unserer Konkurrenten nach Berlin verabschiedet haben. München ist aber auch nach wie vor ein wichtiger Film- und Fernsehstandort, aus dem viele unserer Kunden kommen, und hat eine lebendige Medienlandschaft. Wir versuchen mit gezielten Events unser Netzwerk in der Kreativlandschaft zu pflegen. Auch wenn wir Subverleger der Audio Network Limited sind, genießen wir viel Vertrauen und arbeiten am deutschen Standort weitestgehend autark.
Wer genau sind die Kunden der Audio Network?
Popescu: Ursprünglich war die Film- und TV-Welt unser Hauptkundenstamm und der ist nach wie vor sehr stark. Unsere Titel finden oft in Trailer oder Film-, Serien- und Filmproduktionen statt. Sie hören uns zum Beispiel in Dokumentarfilm-Produktionen. Immer mehr gehören aber auch ganz unterschiedliche Unternehmen zu unseren Kunden, etwa aus der Kosmetikbranche. Sie wählen unsere Musik zum Beispiel für Kampagnen auf Social Media oder Werbespots und laden ihre Marken damit emotional auf.

Bis zu 200 Tage im Jahre produziert Audio Network ihre Musik in den Abbey Road Studios in London. / Foto: Audio Network
Wie wichtig ist es als Musiklizenz-Plattform Trends einzufangen?
Popescu: Vor allem ist es wichtig, Trends einzufangen, die nicht gleich wieder verschwinden. Wir versuchen, am Puls der Zeit zu bleiben, ohne dabei allzu Vergängliches abzubilden. Dabei hilft uns die Auswertung unserer Daten natürlich extrem weiter. Was wird von unseren Kunden gedownloadet? Welche Sounds trenden auf Social Media?
Und welche Trends werden Sie in den nächsten Jahren am meisten beschäftigen?
Popescu: Klipp und klar: KI. In meiner LinkedIn-Bubble geht es zum Beispiel fast ausschließlich um KI-generierte Musik, ihren Einfluss, ihre Risiken. Gerade geht alles so schnell, dass man aus meiner Sicht nicht sagen kann, wie sich der Markt in sechs Monaten entwickelt haben wird. Anfangs hatten wir da große Sorge, mittlerweile merken wir aber, dass sich Kunden bewusst davon abwenden. Sie hören lieber Musik, die von Menschen gemacht ist.
Entwicklung hin zum Lösungsanbieter: Der Service-Gedanke wächst
Wenn wir uns Audio Network in fünf Jahren vorstellen – wie sieht das Unternehmen aus?
Popescu: Die Reise geht eher weg vom klassischen Musikverlag in Richtung Lösungsanbieter. Das bedeutet, wir bieten unseren Kunden nicht nur einfach Musik an, sondern unterstützen sie in ihrer individuellen Suche. Außerdem könnte ich mir vorstellen, unser Angebot zu erweitern und mithilfe von KI-Tools auch Voiceover, Voice Cloning und Editing anzubieten.
Für dieses Jahr haben wir eine Neuheit geplant: Zum ersten Mal produzieren wir deutschsprachige Musik. Wir suchen vermehrt auch hier in Deutschland nach jungen Talenten und möchten dadurch unser lokales Netzwerk ausbauen – sowohl im Bereich der Kreativen als auch unserer Kunden.
Bannerbild: Audio Network







