Ein Portrait von Kevin Ebert.

Kevin Ebert von PULS Reportage: Über Extreme, Selbstversuche und Grenzen

Die PULS Reportage ist eines der erfolgreichsten BR-Formate: Über eine Million Youtube-Viewer pro Film ist keine Seltenheit. Als einer der Hosts hat sich Kevin Ebert schon in spannende, schockierende und anstrengende Situationen begeben. Was der Reporter-Job mit ihm macht und wie er mit seiner Personality das Format prägt, erzählt er im Interview.

13.07.2026 6 Min. Lesezeit

Kevin, du bist das Gesicht eines Formats, das von Selbstversuchen lebt. Wie viel „Privat-Kevin“ steckt in den Reportagen, und wo ziehst du die Grenze zum professionellen Reporter?

Kevin Ebert: Mir ist bei jedem Dreh sehr wichtig, dass ich mich wohl fühle und ich selbst sein kann, dass ich nicht performen muss. Es ist auch für das Format super wichtig, dass mich die Zuschauer:innen kennenlernen können, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, wie ich spreche, wie ich mich gebe, wie meine Wohnung aussieht, was für ein vercheckter Typ ich bin. (lacht) Ich spreche zum Beispiel auch sehr offen über meine ADHS, über die ich gerade einen Film gemacht habe. Trotzdem gibt es Grenzen. Wenn ein Thema Richtung Aufklärung und Sexualität geht, schaue ich schon ganz genau, wie viel ich von mir preisgeben möchte. Am Ende sehen die Reportagen schon mal bis zu einer Million Leute. 

Du begibst dich oft in extreme Situationen – vom Bundeswehr-Einsatz bis zum Schlachthof. Welcher Moment hat dich bisher am stärksten an deine persönliche Grenze gebracht?

Kevin: Das körperlich Extremste war die Reportage bei der Bundeswehr. Das war ein Selbstversuch, bei dem ich als Rekrut eine Nacht lang bei einer Übung dabei war. Überall Schüsse, ich wurde angepackt, musste einen Gewaltmarsch mitmachen – es war richtig stressig und anstrengend. Ich würde aber trotzdem sagen, dass die krasseste Grenzerfahrung für mich die Obduktion einer Leiche war. Ich hatte mich vorher noch nie mit dem Thema befasst, und dann zu sehen, wie ein Mensch geöffnet wird – meine Beine haben ganz schön gezittert. Das stand definitiv nicht auf meiner Bucketlist und hat noch tagelang in mir nachgehallt.

Extremsituationen gehören zum PULS Redaktionsalltag

Welche Charaktereigenschaften helfen dir dabei, solche Erfahrungen gut zu meistern?

Kevin: Eigentlich mag ich meinen Job vor allem wegen dieser Extremsituationen. Natürlich ist nicht jeder Film extrem, ich mache diese Themen aber sehr gerne. Weil ich es spannend finde, wie andere Menschen leben oder arbeiten. Ich bin ein neugieriger und fast nervig ungeduldiger Mensch. (lacht) Es hilft, wenn man sich wirklich für die Dinge interessiert und im richtigen Moment nachfragt. Und was ich auch gut kann: den Leuten vermitteln, dass sie mir vertrauen und mich mitnehmen können, ohne dass ich sie verurteile. Gleichzeitig schaffe ich es ganz gut, eine gewisse Distanz zu wahren. Denn ich bin nicht der neue beste Freund unserer Protagonist:innen, sondern immer noch ein öffentlich-rechtlicher Journalist, der auch mal unbequeme Fragen stellen muss. 

Eine PULS Reportage dauert oft 20 Minuten – in Zeiten von TikTok- und YouTube Shorts eine Ewigkeit. Warum funktioniert Longform-Content auf YouTube für euch trotzdem so gut?

Kevin: Natürlich wissen wir, dass sich die Sehgewohnheiten von jüngeren Menschen von denen älterer Generationen unterscheiden. Wir lernen viel von Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube Shorts, was den Schnitt und die Sprechgeschwindigkeit angeht. Aber es ist ein großes Missverständnis davon auszugehen, dass junge Menschen immer nur kurze Dopaminspitzen wollen. Sie wollen genauso Informationen, sie wollen in Themen eintauchen. Es müssen aber bestimmte Parameter stimmen, damit der Content funktioniert: Die Musik muss passen, die Grafiken müssen schnell und ansprechend sein, die Sprechhaltung auf Augenhöhe, die Personality der Hosts muss die Zuschauer:innen abholen  und der Schnitt darf nicht zu langsam sein. 

Als PULS-Moderator bin ich auch eine Art von Repräsentant für den BR und das habe ich meistens schon im Hinterkopf, wenn es darum geht, was ich poste oder wie ich mich in der Öffentlichkeit gebe.

Kevin Ebert

Du hast vor der PULS Reportage andere Formate gehostet, wie den Podcast „Im Namen der Hose“. Wie hat sich dein Storytelling verändert, seitdem du primär für die YouTube-Mechaniken produzierst?

Kevin: „Im Namen der Hose“ ist ein typisches Host-Format, bei dem journalistische Recherche zwar schon eine Rolle spielt, aber es vor allem um die Personality geht. Es ist sehr intim, zum einen weil man das Medium Podcast direkt im Ohr hat, zum anderen natürlich auch wegen der Themen rund um Aufklärung und Sexualität. Ich habe dort viel gelernt, vor allem, was das Thema Grenzen setzen angeht. 

Bei der PULS Reportage bin ich schon sehr lange, zunächst als Rechercheur hinter der Kamera und jetzt als klassischer Reporter. Hier verbinde ich mein journalistisches und dramaturgisches Know-how, weiß, dass ich eine subjektive Geschichte erzähle, mit welchen Fakten und Infos ich sie ergänzen muss und wie ich Spannung und Fallhöhe erzeugen kann. Damit geht natürlich auch Verantwortung einher. 

Bekanntes Gesicht: Als PULS-Moderator auch ein BR-Repräsentant

Wie gehst du mit dieser Verantwortung um? Als Gesicht von PULS Reportage kennen dich viele junge Menschen, auch auf deinem privaten Instagram-Account hast du über 12.000 Follower:innen. 

Kevin: Das freut und ehrt mich total. Als PULS-Moderator bin ich auch eine Art von Repräsentant für den BR und das habe ich meistens schon im Hinterkopf, wenn es darum geht, was ich poste oder wie ich mich in der Öffentlichkeit gebe. Nicht falsch verstehen: Es gibt niemanden, der mir in irgendeiner Form dazu Vorgaben macht. Trotzdem überlege ich mir genau, welche politischen Inhalte ich veröffentliche oder wie ich mich auf der Straße verhalte, wenn mich zum Beispiel ein anderer Autofahrer ärgert. Das fällt mir aber auch überhaupt nicht schwer, weil ich sowieso ein harmoniebedürftiger Kuschelbär bin. (lacht) 

Lass uns über eure Themen sprechen. Wie viel Marktforschung steckt in eurer Themenfindung und wie viel ist schlichtes Bauchgefühl, was die Community gerade bewegt?

Kevin: Wir haben einen sehr elaborierten Themenfindungsprozess. Wir wissen, welche Themen gut ankommen. Da ist sicherlich viel Erfahrung und Bauchgefühl dabei, aber auch die Analyseabteilung von PULS leistet hier gut Arbeit. Sie weiß genau, welche Parameter angeschaut werden müssen, wie wir unsere Inhalte tracken und auf welche Kriterien wir in folgenden Produktionen achten müssen. Natürlich vertun wir uns da auch mal, aber die Fehlschussquote ist echt gering. 

Was bei der Community besonders gut ankommt: Blick hinter die Kulissen und Selbstversuche

Welche Kriterien sind das? 

Kevin: Wir wollen immer einen Schlüssellochblick bieten. Dafür schauen wir hinter die Kulisse bestimmter Gebiete, die man zwar kennt, aber die zu weit weg von der eigenen Lebensrealität sind. Zum Beispiel eine Notaufnahme oder einen LKW-Trucker-Lifestyle. Was auch immer gut ankommt, sind Selbstversuche, die für viele nicht machbar oder zu krass sind. Manchmal setzen wir auch bewusst Themen um, von denen wir wissen, dass sie nicht ganz so gut performen, die wir aber wichtig finden. Dazu gehört zum Beispiel alles rund um Pflege. 

Kommen auch Themenvorschläge aus eurer Community? 

Kevin: Ja, immer wieder schlagen unsere Zuschauer:innen Themen vor, die wir dann umsetzen. Für uns ist das sehr wertvoll, weil wir dadurch erfahren, was unsere Community bewegt. Community-Management ist bei uns sowieso ein sehr wichtiges Thema. Es gibt jeden Tag mindestens eine Person, die dafür verantwortlich ist, auch am Wochenende. Uns ist wichtig, Präsenz zu zeigen, um auch mal etwas aufzufangen, aber vor allem, um eine Bindung herzustellen. Auch ich gehe mit meinem persönlichen YouTube-Account in die Kommentare rein. Ich lese die nämlich immer und ich möchte das auch zeigen. Das kann manchmal auch schwierig für mich werden, denn Kritik nehme ich mir schon zu Herzen.

Bannerbild: PULS Reportage

Florentina Czerny
Über den Autor/die Autorin

Florentina Czerny

Florentina ist Teil des Content-Teams bei XPLR: MEDIA und Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft. Für unser Onlinemagazin spürt sie regelmäßig Erfolgsstorys über Medienmacher:innen und innovative Projekte am Medienstandort auf. Zuvor hat sie in Eichstätt Journalistik studiert, im Lokaljournalismus volontiert und drei Jahre lang als Redakteurin bei der Passauer Neuen Presse gearbeitet.

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