Manuel Andre: Erfolgreiche Videoformate der Augsburger Allgemeine

Als Videoverantwortlicher bei der „Augsburger Allgemeinen“ arbeitet Manuel Andre daran, neue Zielgruppen für den Lokaljournalismus zu gewinnen – besonders die jüngeren, durch den gezielten Einsatz von Videoformaten.

12.11.2025 2 Min. Lesezeit

Mit „Augsburger Allgemeine Original“ haben Sie ein Videoformat geschaffen, das ungewöhnliche Geschichten aus Augsburg und Umgebung erzählt – zum Beispiel aus der JVA Gablingen. Was ist das Besondere an diesem Format?  

Grundsätzlich stecken hinter jedem dieser Videos einfach gute journalistische Arbeit des ganzen Teams und eine starke Geschichte. Aber dank des Mediums Video konnten wir die Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich machen. Bei der Story über die JVA Gablingen gab es neben der 30-minütigen YouTube-Doku auch Reels auf Instagram, eine Podcast-Folge und die klassische Berichterstattung für Print und Online. Heute sollte es selbstverständlich sein, Geschichten kanalübergreifend zu erzählen.  

Haben Sie mit den Videos schließlich auch jüngere Zielgruppen erreicht?  

Über 60 Prozent der Zuschauer:innen der JVA-Doku auf YouTube waren zwischen 25 und 44 Jahre alt, weitere zwölf Prozent zwischen 18 und 24. Das ist deutlich jünger als unser Publikum auf der Website. Die ganz Jungen, die 16- bis 21-Jährigen, sind schwerer zu erreichen. Wir versuchen, erste Berührungspunkte über Instagram und TikTok zu schaffen – indem wir Teile der Dokus im Hochformat posten. So stoßen sie zufällig darauf und schauen sich im besten Fall später die lange Version auf YouTube an. Seit Kurzem lassen sich bei TikTok Links direkt in Videos setzen, damit können Nutzer:innen gezielter auf eigene Inhalte gelenkt werden. Aber die bloße Zweitverwertung von Zeitungstexten wird langfristig nicht den großen Erfolg bringen. Stattdessen sollte man tagtäglich die Trends auf TikTok, Instagram und Co. abgleichen und, darauf aufbauend, eigene Inhalte erstellen.  

Was können Lokalredaktionen von Content Creator:innen lernen?  

Die Sache auf den Punkt zu bringen. Nicht rumzuschwafeln, Storys auch in 60 Sekunden zu erzählen. Und natürlich, Geld zu verdienen – scheinbar schaffen es ja Creator:innen, reich zu werden. Warum Verlage nicht?  

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass die Inhalte zu sehr ins Unterhaltende kippen?  

Diese Sorge habe ich nicht – im Gegenteil: Momentan dürfen wir uns sogar ein Stück weit mehr Unterhaltung erlauben. Unsere Inhalte sind oft sehr nachrichtlich geprägt. Vielleicht sollten wir auch mal einen viralen TikTok-Trend mitnehmen, um mehr Reichweite zu gewinnen. 

Bannerbild: Bernhard Weizenegger

Über den Autor/die Autorin

Lena Kaeß

Lena Kaeß ist Redakteurin mit Neugier für das, was sich zwischen den Zeilen abspielt. Sie interessiert sich für Menschen, Ideen und Medientrends, die zeigen, wohin sich unsere Kommunikationswelt bewegt. Als studierte Medienwirtschaftlerin bringt sie analytische Klarheit und journalistisches Gespür zusammen – immer mit dem Blick auf das, was sich wandelt.

newsletter

Du willst mehr zu Medieninnovationen am Standort wissen?

Bleib auf dem Laufenden mit aktuellen Artikeln und Event-Tipps direkt per E-Mail.