Youtuber Manu Thiele: Welchen Sportjournalismus will die Gen Z?
Livestreams bei Twitch, Fußballdebatten bei YouTube, Content Creator auf Instagram – Manu Thiele (32) setzt als Sportjournalist auf junge Formate und Persönlichkeit. Braucht es davon mehr, um junge Menschen für Sportinhalte zu begeistern?
Manu, was fehlt dir in der Sportberichterstattung?
Manu Thiele: Wir brauchen mehr Taktik, mehr Tiefe anstelle von Boulevard. Wenn wir über Fußball sprechen, reden wir viel über Transfergerüchte, Privates und sehr wenig über den Sport an sich. Da gibt es eine Hemmung. Meine Community ist etwa 14 bis 35 Jahre alt und wünscht sich eine gewisse Sachlichkeit.
Junge Menschen sind vor allem auf Social-Media-Kanälen unterwegs. Welche Rolle spielen sie für Sportjournalismus?
Manu: Das Tolle ist, dass jede:r in der Lage ist, einen Social-Media-Kanal zu starten. Und es gibt viele meinungsstarke Menschen, die nicht nur die Sachlage präsentieren, sondern mit denen sich ein Publikum identifizieren kann. Ich denke, das ist auch die Zukunft des Journalismus. Jede:r Creator:in hat Charakterzüge, die ihn oder sie klar definieren, ich zum Beispiel stehe für Sachlichkeit, Neutralität und Nerd-Content. Heute schauen viele nicht mehr einen bestimmten Sender, es geht vielmehr um die Person, die ein Format moderiert. Das gilt übrigens auch für den Fußball: Du bist heute nicht mehr Fan eines Vereins, sondern eines Spielers.
Kollidiert diese Meinungsstärke nicht mit dem Anspruch, möglichst viele Menschen erreichen zu wollen?
Manu: Das Einzige, was im Fußball für die große Masse noch funktioniert, ist der Live-Fußball im linearen TV. Daneben gibt es eine Menge Nischen auf allen Kanälen – manche größer, manche kleiner. Da kann sich jede:r herauspicken, was ihm oder ihr gefällt. Vielleicht ist die Summe an Nischen der neue Mainstream, wenn es diesen überhaupt noch gibt.
Inwiefern beziehst du deine Community in deinen Content mit ein?
Manu: Das mache ich direkt im Livestream. Ich kann einen Monolog halten, aber das wird irgendwann langweilig. Deswegen greife ich die Kommentare auf, die ich währenddessen bekomme. Und wenn meine Community merkt, dass ich mit ihr interagiere, überzeugt sie das, regelmäßig einzuschalten.
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