Voice-Innovationen made in Bavaria

Von Lukas Schöne

Auf Computern und Smartphones haben wir erst getippt und geklickt, dann auf unseren Touchscreens gewischt. Jetzt ändert sich wieder etwas: Immer mehr Menschen nutzen Smart Speaker, steuern ihre smarten Küchengeräte mit der Stimme oder sprechen WhatsApp Nachrichten anstatt sie zu tippen. Das sind Entwicklungen, die die Medienbranche aufhorchen lassen. Ob im Marketing, beim Content oder für die User-Beteiligung – Voice eröffnet viele neue Möglichkeiten. Das haben die Player in Bayern längst erkannt. Wir haben sechs spannende Voice-Innovationen zusammengestellt.

All about Voice

Für die weltweite Voice Community verwandelt sich München in das Zentrum, wenn die All about Voice Konferenz stattfindet. Zwei Mal hat die bayerische Voice Agentur 169 Labs GmbH das Event schon organisiert, 2021 soll es in die dritte Runde gehen. Internationale Expert*innen, Alexa Champions und Innovationstreiber*innen stehen auf der Bühne, geben Insights und werfen einen Blick auf Entwicklungen, die viele Branchen verändern werden. Unter anderem haben schon Vertreter*innen der großen Player Amazon und Google gesprochen. Ein Schwerpunkt ist die Frage: Wie werden die Konversationen mit unseren Devices so natürlich wie möglich? Mit dieser Herausforderung setzt sich die 169 Labs GmbH auch über die Konferenz hinaus auseinander. Die Agentur hat für ihre Kunden unter anderem Das Quiz der ZEIT, das Quizduell und „Sing meinen Song“ von Vox auf Smart Speaker gebracht.

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Basteln an der Voice Zukunft

Um Voice geht es in München auch noch in einem anderen Rahmen – wenn nämlich im September die Audio Hack Days des MedienNetzwerk Bayern anstehen. Dabei kommen Audio-Enthusiast*innen, Journalist*innen und Programmierer*innen zusammen, um an einer innovativen Audiowelt zu basteln. Schon 2019 hat sich gezeigt, dass Voice dabei das Thema Nummer eins ist. Auffindbarkeit, interaktives Storytelling, Verbesserung der User Experience – das sind Aspekte, um die es auch 2020 verstärkt gehen wird.

Voice im Auto

Gerade für die Nutzungssituation im Auto ist Voice Steuerung wie gemacht. Das haben natürlich auch die Automobilhersteller erkannt. BMW zum Beispiel hat schon vor einiger Zeit einen eigenen Sprachassistenten an den Start gebracht. Außerdem ist BMW Teil der „Voice Interoperability Initiative“, die Amazon ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, unterschiedliche Sprachassistenten auf ein Endgerät zu bringen. So wollen die Unternehmen erreichen, dass Sprachsteuerung selbstverständlicher Teil des Alltags wird. Bei der Initiative dabei sind unter anderem Spotify, Sony, Intel und Sonos. Dass Kooperationen im Feld „Voice und Automotive“ auch für Medienschaffende sinnvoll sind, zeigt das MedienNetzwerk Bayern mit seinem Projekt MediendemonstratorVR. Der Mediendemonstrator ist ein digitales Labor, mit dem Medienschaffende neue Inhalte für das Auto der Zukunft in einer VR-Umgebung entwickeln und testen können. Voice-Steuerung ist dabei ein wichtiger Baustein: Wie kann ich den User*innen die Auswahl zwischen Medieninhalten so leicht wie möglich machen? Welche besonderen Anforderungen an Sprachsteuerung gibt es im Auto? Wie kann ich den User*innen aufzeigen, was sie mithilfe des Sprachassistenten alles steuern können?

Voice und Radio

In Bayern geben laut Online Audio Monitor 2019 etwa 33 Prozent der Befragten an, durch die Anschaffung eines Smart Speakers mehr Audioinhalte zu konsumieren als zuvor. Das zeigt das große Potenzial, das in der Technologie für Radiosender steckt. Die Unternehmensgruppe Antenne Bayern, mit dem reichweitenstärksten Privatsender Deutschlands, verzeichnet über zwei Millionen Zugriffe über Smart Speaker. Tendenz steigend. Es scheint sich auszuzahlen, dass der Sender nicht nur Skills anbietet, die das lineare Radioprogramm, die verschiedenen Webstreams sowie Nachrichten, Verkehr und das Wetter von Antenne Bayern ausspielen. Es gibt auch interaktive Angebote. Dazu gehören das Songduell, bei dem man gegeneinander antreten kann, um Songs zu erraten oder die Kindergeschichte „Affenbeste Freunde“, bei der der Held der Geschichte auf einen Sprachbefehl hin den Namen des Kindes annimmt.

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Voice als Chance für Marken

Die Aufmerksamkeit der User*innen für sprachgesteuerte Systeme wird immer größer. Hier liegen Herausforderungen für Marken – aber auch Chancen. Und um diese Chancen kümmert sich die Fullservice-Agentur für Voice- und Audio-Marketing Wake Word aus München. Die beiden Audio Profis Sven Rühlicke und Ruben Schulze-Fröhlich (beide zuvor Antenne Bayern) haben sie im Herbst 2019 gegründet. Sie arbeiten nach einem 20:80 Ansatz. Viele Marken beschäftigten sich „nur“ mit der Programmierung der Voice-App. Das seien aber nur 20 Prozent der Arbeit, so ihre Annahme. Es gehe um viel mehr: Strategien entwickeln, der Marke eine Stimme geben, interne Strukturen aufbauen, Search-Optimierung. Für Wake Word ist Voice ein neues starkes Marketinginstrument und das wollen sie mit ihren Kunden gemeinsam zum Klingen bringen.

Interaktives Storytelling mit Voice

Ein Martinshorn nähert sich, Hubschrauber kreisen, dramatische Klänge untermalen die Szenerie. Ein Erzähler redet mit tiefer Stimme, spricht die Hörer*innen direkt an und führt in die Geschichte ein: Du liegst auf der Straße, kannst nichts sehen. Eine Frau nähert sich, die dir helfen will. Lässt du es zu? So beginnt Tag X, das interaktive Hörspiel des Bayerischen Rundfunks. Es ist konzipiert für Amazon Alexa und Google Home, läuft aber auch über das Smartphone. Um die User Experience immer weiter zu verbessern, hat der BR jeden neuen Prototyp mit Nutzer*innen getestet. Die User*innen können nach jeder Szene per Sprachbefehl Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Geschichte verändern. Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge und Szenarien. Tag X kann in seiner Komplexität und seiner Art des interaktiven Storytellings für viele Anbieter ein Vorbild sein. Und vielleicht steht ein Song der Band R.E.M., der in Tag X auftaucht, sinnbildlich für die Veränderungen, die Voice für die Medienwelt bedeutet könnten: „It‘s the end of the world as we know it. And I feel fine.“

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