„Wir begreifen digitale Medientage auch als große Chance“

Von Petra Schwegler

Die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2020 werden digital. Sieben Tage Vorträge, Diskussionen, Masterclasses und Networking Sessions im virtuellen Raum – inklusive der klassischen Themen-Gipfel. Inhaltlich stellt sich die Konferenz breiter auf. Wie Geschäftsführer Stefan Sutor zusätzliche Zielgruppen ansprechen möchte und welche Learnings ins neue Format einfließen sollen, erklärt er im Interview.

Die Corona-Pandemie zwingt Events ins Netz. Auch die MEDIENTAGE MÜNCHEN werden 2020 digital. Notlösung oder echte Chance?

Stefan Sutor: Natürlich würden wir wahnsinnig gern die ganze Branche wiedertreffen. Insofern ist unser digitales Konzept eine Notlösung. Aber: Wir wollen das Beste daraus machen.

Ein Ereignis wie die MEDIENTAGE mit all seinen Facetten kann man nicht einfach 1:1 digital abbilden. Wir werden uns daher genau ansehen müssen, was wir in der virtuellen Fassung besser machen und sogar weiterentwickeln können. Daher rührt auch die Idee, eine ganze Woche MEDIENTAGE zu veranstalten – nicht konzentriert auf wenige Tage, sondern unterschiedliche Programmhighlights über eine Woche verteilt, vereinbar mit dem normalen Job. Zugleich wollen wir ein tiefes Eintauchen in die virtuelle Konferenz ermöglichen.

Wir begreifen digitale MEDIENTAGE auch als große Chance. Da der Zugang niedrigschwelliger ist, können wir eine größere Zielgruppe ansprechen. Wir werden mit digitalen Inhalten experimentieren, virtuelle Räume eröffnen.

Geplant ist eine digitale Konferenz mit begleitender virtueller Expo, mit AR-Anwendungen, Chatrooms, Networking-Tools. Ein Novum – woher nehmen Sie die Inspiration?

Sutor: Wir lernen bereits ständig dazu, weil wir in der Medien.Bayern GmbH seit Wochen unsere kleineren Veranstaltungen mit verschiedenen Tools online ausgestalten. So haben wir unter dem Dach der MEDIENTAGE die MTMDigitalks neu eingeführt, um gerade während der Corona-Zeit die wichtigsten Diskussionen im Medienbereich weiterzuführen.

Die neuen Formatideen und Techniken kommen natürlich aus dem ganzen Team der Medien.Bayern GmbH: Wir kümmern uns ja ständig um Innovationen im Medienbereich – jetzt können wir alles selbst anwenden. Mit dem Media Lab Bayern, dem MedienNetzwerk Bayern und dem XR Hub Bavaria haben wir wichtiges Know-how für Onlinekonferenzen im eigenen Haus: von virtuellen Räumen bis hin zum digitalen Vernetzen.

Dennoch: Die Herausforderung ist enorm. Ich kenne kein digitales Format, das ein reales Treffen vollwertig ersetzen könnte.

Stefan Sutor. © Medien.Bayern GmbH

Was werden langjährige Besucher wiedererkennen, wenn sie die einwöchige Konferenz im virtuellen Raum betreten?

Sutor: Natürlich bleiben bewährte Höhepunkte erhalten: der MEDIENTAGE Gipfel, der TV- und der Audio-Gipfel für alle relevanten Aspekte der Branche. Die Themenvielfalt ist enorm, vieles ist jetzt mit Corona noch drängender. Denn die Pandemie wirkt wie ein Katalysator in der Medienentwicklung – positiv wie negativ. Neue Fragen tauchen auf, die wir bei den digitalen MEDIENTAGEN durchleuchten und beantworten wollen.

Das Online-Format erlaubt es uns auch, ein neues Publikum anzusprechen: die vielen jungen Medienmacher, die vielleicht bislang noch nicht bei den Medientagen waren, aber jetzt einen spannenden Vortrag oder ein spannendes Webinar verfolgen können.

Bis zum Event vom 24. bis 30. Oktober gehen noch einige lehrreiche Monate ins Land, mit vielen Videokonferenzen. Wie gehen Sie mit der digitalen Konkurrenz um?

Sutor: Etwas Erfahrung konnten wir alle mit digitalen Events schon sammeln; manches funktioniert, anderes ist ermüdend.

Für die MEDIENTAGE MÜNCHEN steht fest: Wir werden die Inhalte erweitern, uns nicht so sehr fixieren auf Rundfunkstaatsvertrag und Co. Wir setzen zusätzlich auf neue, unterhaltende Formate und auf Musik, was auch der Rezeptionssituation der Zuschauer daheim vor den Rechnern gerecht wird. Wir schaffen einen kreativen virtuellen Rahmen. Lassen Sie sich überraschen!

Eine Sache darf man mit Blick auf digitale Veranstaltungen der nächsten Zeit nicht außer Acht lassen: Nach der Phase harter Corona-Beschränkungen geben die MEDIENTAGE Ende Oktober möglicherweise den ersten analogen Treffen begleitend einen digitalen Rahmen.

Ist es denkbar, dass die MEDIENTAGE über die Corona-Phase hinaus künftig auch virtuelle Konzepte umsetzen werden?

Sutor: Wir warten jetzt erst einmal ab, wie unser digitales Event Ende Oktober funktioniert. Noch einmal – und das gilt ganz bestimmt für die Zeit nach Corona: Es geht nichts über ein reales Treffen! Ausschließen werden wir nichts, alles ist im Wandel.

Nur ein Beispiel: Letztes Jahr hat ein Speaker, den wir unbedingt für die Konferenz gewinnen wollten, angeboten, dass er sich per Video zuschalten könnte. 2019 haben wir seinen Vorschlag abgelehnt. Das bewerten wir 2020 natürlich anders. Ich kann mir also gut vorstellen, dass wir einige digitale Verlängerungen der klassischen Konferenz beibehalten. Vielleicht auch eine virtuelle Tagung an sich.

„This is Media NOW“ lautet das Motto der 34. MEDIENTAGE MÜNCHEN. Welche Medien sollten sich angesprochen fühlen?

Sutor: Das Motto greift auf, wie sehr die Medien sämtliche Lebensbereiche durchdringen. Das wird aktuell am Beispiel Corona besonders deutlich. Die klassischen Medien machen unter schweren Bedingungen einen fantastischen Job – mit neuen Formaten. Sie sind präsent auf allen Plattformen.

Zusätzlich sind inzwischen Akteure wie YouTuber, Podcaster, Blogger oder Influencer mit auf der Bühne, die den unablässigen Strom der Medien mitgestalten. Das geht einher mit neuen Kanälen und Formaten. Und mitunter ist in der jungen Zielgruppe eine Instagram Story relevanter als ein „Tagesthemen“-Beitrag. So sind Medien heute.

Mit Masterclasses und Networking Sessions können die MEDIENTAGE über die Konferenz hinaus Denkanstöße geben. Was hat die Branche bisher aus der Corona-Krise gelernt?

Sutor: Ich denke, Medien haben bewiesen, wie schnell sie neue spannende Formate hervorbringen und noch schneller auf die Bedürfnisse des Publikums reagieren können. Der Zuspruch ist nicht umsonst so enorm. Gleichzeitig ist es schwer irritierend, dass Medienvertreter Zielscheibe von Gewalt am Rande von Demonstrationen werden.

Ich glaube, die Medien – sofern man das so pauschal sagen kann – sind ein gutes Stück weitergekommen, Vertrauen beim Publikum zurückzugewinnen. Doch es bleibt noch viel zu tun.

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