How to KI & Bewegtbild: 5 Beispiele, wie bayerische Unternehmen KI einsetzen

Die bayerische Bewegtbild-Branche gehört zu den „Early Adoptern“ von generativer KI. Diese ausgewählten „Best Practices“ zeigen, wie vielfältig die Nutzung ist – vom KI-Einsatz für eindrucksvolle TV-Beiträge über die strategische Einführung von KI in ganzen Unternehmensgruppen bis zur komplett KI-generierten Serie.

16.06.2026 6 Min. Lesezeit

BR: Mit KI wird bayerische Geschichte lebendig

Am 15. Februar 2026 erweckte die „Frankenschau“ im BR Fernsehen in einem bildgewaltigen TV-Beitrag ein historisches Ereignis zum Leben, das eigentlich nur in Fotos und Texten überliefert ist: die Nürnberger Jahrhundertflut von 1909. Braune Fluten überrollen die historische Altstadt, auf dem Hauptmarkt ragt der Schöne Brunnen aus dem meterhohen Wasser. 

Wäre nicht „generiert mit KI“ eingeblendet, könnte man die gestochen scharfen Bilder für 120 Jahre alte Filmaufnahmen halten. Der BR hat die Szenen mit KI auf Basis historischer Fotos aus dem Stadtarchiv Nürnberg erstellt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass der BR gerade beim Reenactment, also dem Nachstellen von Ereignissen, großes Potenzial für KI-Videos sieht – genau wie in den Bereichen Wissensvermittlung, Zukunftsszenarien und Satire.

Das Unternehmen: Der Bayerische Rundfunk erzählt Bayern in Bewegtbild – mit Nachrichten, Reportagen, Dokus, Serien und Unterhaltung fürs Fernsehen, die Mediathek und Social Media. Um herauszufinden, wie KI dafür von der Ideenentwicklung bis zur Postproduktion sinnvoll eingesetzt werden kann und welche ethischen Fragen sich dabei stellen, startete der BR im Oktober 2025 ein Testprojekt, in dessen Rahmen unter anderem der Beitrag zur Jahrhundertflut entstand. 

Die Ansprechperson: Franziska Schulze, Digitale Entwicklung (LinkedIn)

Um KI-Videos der Nürnberger Flut von 1909 zu erzeugen, kooperierten der BR und das Stadtarchiv Nürnberg. / Bild: BR

Dieser Text ist Teil unseres KI-Reports „Zwischen Handwerk und High-Tech – Künstliche Intelligenz im Bewegtbild“.

Du möchtest mehr dazu lesen? Downloade jetzt den kompletten Report kostenlos.

ProSiebenSat.1: Die brAInbox bringt KI in die Seven.One Studios

Mit der brAInbox haben die Seven.One Studios eine zentrale Einheit geschaffen, die KI direkt in den Produktionsalltag bringt – für schnellere, bessere und kosteneffizientere Prozesse. Die Unit versteht sich als „Do-Tank“ für AI-Workflows und Creative Tech – und als Ansprechpartner für alle Tochterfirmen. Anlass für die Gründung war die rasante Entwicklung generativer KI und der internationale Wettbewerb, in dem große Player massiv in eigene AI-Units investieren. Gleichzeitig sollte verhindert werden, dass isolierte Silo-Lösungen entstehen.

Der Ansatz: „Mensch + Maschine“. In einem Vier-Säulen-Modell scoutet die brAInbox neue Tools (AI Explorer), schult Teams (AI Educator), integriert KI in bestehende Workflows (AI Integrator) und optimiert laufend Prozesse (AI Optimizer). So wird KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt – von visuellen Konzepten in der Preproduction über generative Bildwelten bis hin zur AI-gestützten Vertonung in der Postproduktion.

Das Unternehmen: Seven.One Studios ist das Produktionshaus der ProSiebenSat.1 Media SE und vereint verschiedene Produktionsfirmen unter einem Dach. Dazu gehören unter anderem die Redseven Entertainment, Pyjama Pictures, Just Friends und das neueste Produktionsstudio studio flitz.

Die Ansprechpersonen: Christian Leitz von Ferrari, Head of AI Production (LinkedIn), Markus Untch, Director of AI Production (LinkedIn)

Die Aufgabe der brAInbox: Schnelle KI-Integration im ganzen Unternehmen, aber ohne Silo-Lösungen. / Bild: Seven.One Studios

Storybook Studios: Von der Konzeptzeichnung bis zur kompletten Animationsserie

Mit den Storybook Studios ist in München sehr früh ein Produktionsstudio entstanden, das künstliche Intelligenz nicht als bloßes Zusatztool, sondern als festen Bestandteil neuer Produktionsprozesse versteht. Nach eigenen Angaben nutzt das Unternehmen KI in jedem Produktionsschritt, um Projekte umzusetzen, die in der Vergangenheit aus Budget- oder Personalgründen nicht zu stemmen waren.

Bekannt wurden die Storybook Studios durch die Animationsserie Space Vets, die als frühes Beispiel für KI-gestützte fiktionale Formate gilt. Bei solchen Produktionen soll die KI die menschliche Kreativität jedoch nicht ersetzen, sondern erweitern. Klassische Skills werden aus Sicht des Studios nicht überflüssig, ganz im Gegenteil, erklärt Team Lead Franziska Hansel: „Wir brauchen sie unbedingt.“ Menschen sind daher weiterhin für den Art Style, die Story, den Schnitt und auch die Erstellung der KI-Workflows entscheidend, genau wie in hybriden Produktionen, die KI mit echtem Schauspiel verbinden.

Statt sich nur auf kommerzielle Tool-Anbieter zu verlassen, setzt das Studio auch auf lokal laufende Open-Source-Lösungen und eigene Entwicklungen.

Das Unternehmen: Storybook Studios ist ein 2023 gegründetes Tochterunternehmen des Unterhaltungskonzerns PAL Next Group. Die explizite Mission des Studios ist es, die Möglichkeiten von generativer künstlicher Intelligenz für die Produktion sowohl etablierter als auch neuer Unterhaltungsformate zu nutzen.

Die Ansprechpersonen: Albert Bozesan, Head of Creative Technology (LinkedIn), Franziska Hansel, Team Lead (LinkedIn)

Space Vets war die erste KI-generierte Animationsserie und machte die Storybook Studios bekannt. / Bild: Storybook Studios

south&browse: Dokumentarisches Erzählen mit KI und Verantwortung

Die Doku-Manufaktur south&browse versteht künstliche Intelligenz als Möglichkeit zur Weiterentwicklung des dokumentarischen Erzählens. KI kommt bei south&browse in der Recherche, bei Previsualisierungen, in der Postproduktion oder auch für synthetische Rekonstruktionen zum Einsatz. Der Firma geht es darum, Geschichten so zu erzählen, wie sie noch nicht erzählt wurden.

Ein Beispiel ist die Reihe „Deepfake Diaries“ für ZDF Terra X History. In fünf Folgen „erzählen“ historische Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg oder Otto von Bismarck ihre eigene Geschichte. Zum Einsatz kam dabei ein hybrider Ansatz: Schauspieler:innen lieferten die performative Grundlage, KI-Technologie transformierte ihr Aussehen in das von historischen Figuren. south&browse will mit der Reihe zeigen, wie sich KI redaktionell verantwortungsvoll einsetzen lässt. 

Gleichzeitig zieht south&browse klare Grenzen: Die journalistischen, dramaturgischen und ethischen Entscheidungen müssen klar bei den Menschen liegen. Außerdem müsse die Nutzung von KI transparent kommuniziert werden. Bei „Deepfake Diaries“ war die Debatte um die Technologie deshalb Teil des Gesamtkonzepts. 

Aktuell arbeitet south&browse an einer Geschichtsdokumentation, die einen bekannten historischen Fall im Stil eines True-Crime-Formats aufarbeitet.

Das Unternehmen: south&browse ist eine Münchner Produktionsfirma für Dokumentationen und Factual-Formate mit Auftraggebern wie ZDF, ARD, ARTE, ProSieben, RTL und Joyn. Das Unternehmen entwickelt Inhalte mit gesellschaftlicher Relevanz, die emotional berühren und neue Perspektiven eröffnen.

Die Ansprechpersonen: Nikola Kohl, Geschäftsführerin und Produzentin (LinkedIn).

Für eine fünfteilige Doku-Reihe hat south&browse historische Charaktere per hybridem Ansatz zu Protagonist:innen gemacht. / Bild: ZDF / projector23

explaino: Komplexes Wissen wird zu verständlichen KI-Videos

Ob interne Richtlinien, Produktdokumentationen oder Schulungsinhalte: Viele Unternehmen kämpfen damit, komplexes Wissen verständlich und nachhaltig an die eigenen Mitarbeitenden zu vermitteln. Genau hier setzt das Startup explaino an – und übersetzt statische Dokumente oder Präsentationen mithilfe von KI in visuell ansprechende, leicht nachvollziehbare Erklärvideos.

Das Besondere: Die KI-Lösung von explaino arbeitet nicht nur auf Textebene wie klassische Text-zu-Video-Tools, sondern erkennt die zugrunde liegende Logik von Inhalten. Auf dieser Basis erstellt sie strukturierte Storylines, animierte Szenen und passende Voiceovers. Das Ergebnis sind Videos, die nicht einfach Inhalte wiedergeben, sondern deren Bedeutung und Abläufe verständlich visualisieren. Ergänzt wird das durch interaktive Elemente wie Quizze, Mehrsprachigkeit sowie die Integration in Lernplattformen. Fragen auf Basis des Videoinhalts beantwortet ein integrierter KI-Chatbot.

Über einen Editor – vergleichbar mit einem „Canva für erklärende Inhalte“ – lassen sich die Videos vor ihrer Veröffentlichung bearbeiten und an Zielgruppen anpassen. Ein Analytics-Dashboard macht später sichtbar, wo im Team noch Verständnislücken bestehen.

Das Unternehmen: Das Startup aus Traunstein versteht sich als Operating System für Knowledge Transfer. Ziel ist es, komplexes Unternehmenswissen in skalierbare, visuelle Lernformate zu überführen und damit nachhaltiger nutzbar zu machen.

Die Ansprechperson: Florian Scherl, Gründer und Geschäftsführer (LinkedIn)

Mit KI automatisch generierte Erklärvideos verwandeln komplexe Inhalte in visuelle Lernprozesse. / Bild: explaino

Über den Autor/die Autorin

Wolfgang Kerler & Michael Foertsch

newsletter

Du willst mehr zu Medieninnovationen am Standort wissen?

Bleib auf dem Laufenden mit aktuellen Artikeln und Event-Tipps direkt per E-Mail.