Journalismus zum Erleben: So war das erste SZ-„Mindpop“-Festival in München
Live-Podcasts, kontroverse Panels und kluge Gedanken direkt aus der Redaktion auf die Bühne: Das „MINDPOP“ Festival der Süddeutschen Zeitung feierte Premiere in den Bavaria Studios. Ein spannendes Beispiel dafür, wie aus einer Medienmarke ein echtes Community-Erlebnis wird.
Wenn die Süddeutsche Zeitung zum „Festival für kluge Gedanken“ lädt, treffen in den Bavaria Studios nicht nur Theorie und Praxis aufeinander, sondern vor allem Journalist:innen, Influencer:innen und Expert:innen auf ihre Community. Mit dem neuen Format „MINDPOP“ hat die SZ den Sprung vom Papier und Screen direkt auf die Bühne gewagt. Das Ziel: Qualitätsjournalismus erlebbar machen und eine Plattform für den direkten Austausch bieten. Organisatorin Stefanie Maier erklärt die Vision hinter dem Event: „Der Grundgedanke war, Themen und Perspektiven live auf die Bühne zu bringen, die man zwar in der ,SZ’ findet, aber nicht auf einzelnen Veranstaltungen bzw. die nicht in der Breite ihren Raum finden.“
Interaktion und Eventcharakter: Best Case in Sachen Community-Management
Für die bayerische Medienbranche ist das Format ein spannender Best Case in Sachen Community-Management. Anstatt nur Informationen zu senden, setzte „MINDPOP“ auf Interaktion in Form von Talks, Live-Podcasts und DIY-Sessions auf drei Bühnen. Ob Klimawandel mit Özden Terli, die Macht von TikTok-Algorithmen mit Victoria Reichelt oder gesellschaftskritische Fragen zu Rassismus, Feminismus und Leistungsdruck – die Themenvielfalt war so breit gefächert wie die Ressorts der SZ selbst. „Wir wollten den SZ-Journalismus live erlebbar machen und von einer anderen Seite zeigen“, so Maier. Dass dabei bewusst kein enges Motto gewählt wurde, ließ Raum für „unterschiedlichste Persönlichkeiten und Meinungen“, wobei besonders die starke Präsenz weiblicher Speakerinnen das Programm prägte.
Mit dem Hosten des „MINDPOP“ Festivals springt die SZ auf einen Trend auf, der schon etwas länger zu beobachten ist: Medienkonsum funktioniert nicht mehr einseitig, er funktioniert auch nicht mehr gänzlich digital. Menschen wollen wieder in physischen Räumen zusammenkommen, sich austauschen, Idole und Medienmacher:innen live erleben. Die Zielgruppe des Festivals – im Kern 25- bis 45-Jährige, die neugierig sind und gerne kritisch hinterfragen – nutzte die Gelegenheit für den Austausch. Stefanie Maier sieht darin eine wichtige gesellschaftliche Funktion: „Bei einem Event kann man sich Themen und Personen tiefer widmen, sich Zeit nehmen und Spaß haben. Im besten Fall entsteht sogar ein Zusammengehörigkeitsgefühl, weil man mit Menschen in Kontakt kommt, die man sonst nie getroffen hätte.“ Live-Events sind im Jahr 2026 mehr als nur Marketing – sie sind ein Ankerpunkt für Markenbindung und echten Dialog.
Das Fazit nach zwei Tagen voller Inspiration fällt durchweg positiv aus. Der Mut zum Experiment, Journalismus in ein Festival-Gewand zu hüllen, hat sich ausgezahlt. Die Mischung aus Tiefe und Unterhaltung kam bei der wissbegierigen Zielgruppe an. Und auch die Organisatorin ist zufrieden: „Gerade das erste Mal ist immer ein Abenteuer – in jeder Hinsicht, aber ich würde sagen, wir sehen uns 2027 wieder.“
Drei Learnings, die wir vom SZ-„MINDPOP“-Festival mitnehmen:
- Live-Events sind das neue Go-to für Medienhäuser
In einer Welt, in der das digitale Angebot an Journalismus und Entertainment nahezu unbegrenzt ist, wird physisches Community-Management zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Menschen suchen heute mehr denn je das Gefühl der Zugehörigkeit und die Chance, Marken und Themen interaktiv mitzugestalten. Das MINDPOP Festival hat gezeigt, dass die direkte Begegnung mit „Idolen“ aus Journalismus und Social Media eine unvergleichbare Bindung schafft. Stefanie Maier bringt es auf den Punkt: „Der Austausch mit- und zwischen einander, das Gefühl live bei einem Event zu sein, eine gute Zeit zu haben und mit einem guten Gedanken nach Hause zu gehen, ist wichtiger denn je.“
- Das Publikum ist so divers wie die Themen, die es beschäftigt
Das „MINDPOP“-Festival hat gezeigt, dass Mut zur thematischen Offenheit funktioniert. Statt sich durch ein enges Oberthema zu limitieren, setzte die SZ bewusst auf maximale Vielfalt. Das Programm spannte den Bogen von der politischen Lage im Iran über die Klimakrise bis hin zu gesellschaftskritischen Diskursen über Rassismus, Feminismus und Psychologie. „Wir möchten Vielfalt zeigen und haben deshalb bewusst kein Motto gewählt“, erklärt Stefanie Maier. „Jedes Thema sollte seinen Raum bekommen und es war uns sehr wichtig, unterschiedlichste Persönlichkeiten und Meinungen in verschiedenen Formaten zu zeigen.“ Die inhaltliche Offenheit spiegelte sich im Publikum wider: In den Bavaria Studios trafen Schüler:innen auf Best Ager, was unterstrich, dass relevante Inhalte keine Altersgrenzen kennen, wenn sie authentisch präsentiert werden.
- Journalismus ist nicht auf eine Plattform begrenzt, sondern funktioniert heute interaktiv
Moderner Journalismus beherrscht längst alle erdenklichen Formen: von klassischen Panels und Lesungen über Live-Podcasts bis hin zu Stand-up-Comedy und Keynotes. Die Vielfalt liegt nicht mehr nur im Thema, sondern in der Art der Vermittlung. Eine eigene Säule des Festivals stellte die Interaktion dar: Ob durch direkte Fragen nach den Talks oder in DIY-Sessions, wie der humorvollen Mal-Stunde mit Instagramer Carlo Sommer oder kreativen Bastelrunden: Das Publikum wurde vom passiven Konsumenten zum aktiven Teil des Formats. Das Learning für Medienhäuser ist klar: Im Kampf um die Aufmerksamkeit muss man seine Zielgruppe dort abholen, wo ihre Interessen liegen – und das auf so vielen unterschiedlichen Wegen wie möglich.
Bannerbild: XPLR: MEDIA in Bavaria












