Max Brandl vom AI + Automation Lab: So sieht KI-Einsatz beim BR aus

Max Brandl arbeitet seit fünfeinhalb Jahren bei AI + Automation Lab beim Bayerischen Rundfunk und verantwortet publikumszentrierte Produkte. Im Gespräch erklärt er, was das „BR Regional-Update“ über nutzerzentrierte KI gelehrt hat, sowie was der „BreznBot“, ein KI-Chatbot zur Wiesn 2025, über den Einsatz von KI in Echtzeitsituationen gezeigt hat – und warum Neugier die wichtigste Haltung in der KI-Ära ist.

20.07.2026 4 Min. Lesezeit

Max, das AI + Automation Lab existiert seit sechs Jahren. Wie würdest du eure Mission beschreiben?

Max Brandl: Mit KI und Automatisierung an Ideen, Prototypen und Produkten arbeiten, um die Kolleg:innen im Haus mehr von dem tun zu lassen, wofür Menschen unersetzlich sind. Und um unserem Publikum einen Mehrwert durch nutzerzentrierte Produkte zu bieten. Mich persönlich treiben dabei eher die Publikumsprodukte an. Ich habe große Freude daran, mir zu überlegen, wie wir die Inhalte, die wir schon haben, noch attraktiver und nutzerzentrierter ausstellen können.

Das „BR Regional-Update“ – ein Produkt, das Regionalnachrichten KI-basiert aufbereitet und individuell auf Abruf verfügbar macht – hat seine Wurzeln in einem BBC-Hackathon 2020. Wann war klar, dass daraus mehr werden würde als ein „Hackathon-Wochenende“?

Max: Als ich ins Lab kam, gab es schon einen allerersten, simplen Prototyp – komplett statisch, aber vorhanden. Einer der ersten Schritte war, ihn fünf bis zehn echte Nutzer:innen testen zu lassen. Die sagten: „Cool. Noch nicht so, wie ich es nutzen würde. Aber wenn ihr dieses oder jenes verändert, dann fände ich es interessant.“ Von da an haben wir die Idee weiterverfolgt. Nämlich ein altes Format zu nehmen, das gut funktioniert – in dem Fall Regionalnachrichten – und die Form und Ausspielweise zu modernisieren. Heute ist der Segmenter zu 100 Prozent KI-basiert. Beim Start war KI, wenn überhaupt, ein sehr kleiner Teil.

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Personalisierung als unverzichtbares Werkzeug

Öffentlich-rechtliche Sender haben den Auftrag, möglichst alle zu erreichen – Personalisierung klingt nach dem genauen Gegenteil davon. Wie geht der BR damit um, ohne dabei Filterblasen zu riskieren?

Max: Man muss Form und Inhalt trennen. Der Inhalt – was in der Nachricht gesagt wird – ändert sich durch Personalisierung nicht. Dass eine Einzelmeldung mit einem geografischen Tag verfügbar ist, ist zunächst nur eine technische Gegebenheit, noch keine Filterblase. Und ich glaube: Es ist aktuell ohne Personalisierung gar nicht mehr möglich, alle zu erreichen. Wenn wir Menschen nicht individuell dort ansprechen können, wo sie sich aufhalten, verlieren wir Reichweite. Die Kunst liegt dann darin, die Stellschrauben so zu drehen, dass man keine Filterblasen bildet – das ist die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Zur Wiesn 2025 habt ihr gemeinsam mit Ippen Digital den „BreznBot“ entwickelt – einen KI-Chatbot, der Oktoberfest-Besucher:innen Fragen rund ums Fest beantworten und gleichzeitig Erlebnisse für die Redaktion einsammeln sollte. Was hat dieses Projekt über den Einsatz von KI in Echtzeitsituationen gelehrt?

Max: Der BreznBot hat uns als erster Chatbot eine ganze Menge Erfahrungen beschert: Was tippen Nutzer ein, in welcher Frequenz und Länge tun sie das, wie gehen Sie dabei vor und wie können wir – z.B. mit gut gezielten Startfragen als Einstiegsangebot – so ein Produkt zu einem Mehrwert machen. Was funktioniert gut, was weniger, solche Dinge. Als Vorteil hat sich z.B. auch der „Killswitch“ erwiesen– ein Notabschalter, der es uns ermöglicht, den Bot in kritischen Situationen sofort offline zu nehmen, ohne erst programmieren zu müssen. Das hat sich bewährt: Es gab am Oktoberfest eine Bombendrohung. Wir haben den Bot sofort abgedreht – und das war gut so. Denn wenn eine kritische Lage eintritt und Nachrichten im Minutentakt aktualisiert werden, ist ein KI-Chatbot kein hilfreicher Service mehr. Er antwortet zwar sofort – könnte dabei aber Informationen weitergeben, die längst überholt sind. Wir haben das im Hintergrund getestet: Es hätte nicht gut funktioniert. Seitdem gilt: Bei schnell eskalierenden Nachrichtenlagen kommen solche Tools bis auf Weiteres bei uns nicht zum Einsatz.

In der Überschneidung von Gewerken kommen immer die interessantesten Sachen raus.

Max Brandl, BR AI + Automation Lab

Mit KI die Medienlandschaft tiefer verstehen

Was rätst du Medienschaffenden, die jetzt mit KI anfangen wollen – und was nimmst du selbst aus dem „BR Regional-Update“ mit?

Max: Neugierig bleiben, die Technologie ausprobieren – vor allem auf dem eigenen Spezialgebiet. Und sich nicht zu sehr verunsichern lassen – KI ist auch „nur eine neue Technologie“. Man tut gut daran, offen und interessiert heranzugehen, aber nicht aufgeregt. Wirkmächtig ist sie auf jeden Fall. Der wichtigste Rat: Dranbleiben, mit guten Leuten zusammenarbeiten und das Beste für die eigene Expertise herausholen. Was mich selbst betrifft: Ich hatte über Radio wenig Vorwissen. Beim Regional-Update habe ich sehr viel darüber gelernt, wie Radio funktioniert. In diesen Schnittmengen von Expertisen und Gewerken entstehen meiner Meinung nach oft die interessantesten Produkte.

Bannerbild: BR

Über den Autor/die Autorin

Benjamin Hartwich

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