Überall außer „on air“: Antenne Bayerns KI-Strategie

Kein KI-Moderator, keine synthetische Stimme, kein Algorithmus, der entscheidet, was gesendet wird. Was Antenne Bayern mit KI macht, läuft komplett hinter den Kulissen – und das ist eine bewusste Entscheidung. Karsten Wellert, Mitglied der Geschäftsführung & CDO der Antenne Bayern Group, spricht im Interview über virtuelle Hörer:innen-Personas, den WhatsApp-Chatbot und warum ein digitaler Wolfgang Leikermoser zwar möglich, aber sinnlos wäre.

18.06.2026 3 Min. Lesezeit

Karsten, was habt ihr konkret im KI-Einsatz – was läuft schon live?

Wellert: Testen, testen, testen – das ist unsere Maxime. Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die Dinge ausprobieren, und der Hörer:innenservice schreibt nächtelang mit Chatbots hin und her. Sobald wir den Nutzen erkennen, gehen wir live. Aber wir denken im KI-Sektor sehr stark wie ein Startup – weil er sich so schnell verändert, dass man auch Dinge, die man live hat, immer wieder überprüfen muss.

Grundprämisse bei Antenne Bayern: KI trifft keine Entscheidungen

Was ist das Spannendste, das ihr gerade produktiv nutzt?

Wellert: KI-gestützte Personas. Wir haben sie mit Daten aus der Marktforschung gefüttert. Wenn die Programmgestaltung eine Promotionidee hat, wird sie durch verschiedene Personas gejagt – man bekommt das Feedback einer virtuellen Hörerin, eines virtuellen Hörers. Quasi wie eine Fokusgruppe, nur deutlich schneller. Wichtig: Die KI entscheidet bei uns nicht. Sie ist ein ergänzender Schritt.

Ihr nutzt mehrere Modelle parallel?

Wellert: Genau. Unsere Agenten greifen auf verschiedene KI-Modelle zu und bringen die Ergebnisse zusammen. Es ist immer eine Mixtur – und das wechselt durch, je nachdem, wer gerade wieder einen Schritt nach vorne macht.

„Das Programm bei uns ist zu 100 Prozent menschlich. Jede Stimme, die man hört – zu 100 Prozent human.“

Karsten Wellert

Wo zieht ihr die Linie: Was darf KI – was bleibt menschlich?

Wellert: Das Programm ist zu 100 Prozent menschlich. Wir nutzen KI überhaupt nicht im On-Air-Programm. Jede Stimme, jede:r Moderator:in ist zu 100 Prozent human. KI ist ausschließlich Unterstützung hinter den Kulissen. Wir sehen den Menschen als unseren größten USP. Die Moderator:innen bauen eine Beziehung zu den Hörer:innen auf – das kann eine KI noch nicht leisten.

Wie geht ihr beim Chatbot mit Transparenz um?

Wellert: Wir sind sehr offen. Beim ersten Kontakt über WhatsApp gibt es ein Onboarding, wo sich die KI klar zu erkennen gibt. Und es gibt immer sofort das Angebot auszusteigen: Wer einen echten Menschen möchte, wird sofort verbunden. Für einfache Fragen – wie funktioniert das Gewinnspiel? Welcher Song lief gerade? – haben Nutzer:innen keinerlei Problem mit einer KI-Antwort. Bei persönlichen Anliegen wählen sie den echten Menschen.

Antenne-Bayern-Chefin Valerie Weber sagt, KI wird künftig selbst zum Publisher. Wer verliert dabei?

Wellert: Die technische Möglichkeit ist da, und es gibt bereits Projekte, bei denen KI die Show präsentiert. Sie gehen in den Wettbewerb mit menschlich gemachten Stationen. Wir sind trotzdem überzeugt – deswegen haben wir keinen eigenen KI-Sender – dass menschliches Radio, wenn es gut gemacht ist, sich durchsetzen wird.

Zusammen mit dem KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) habt ihr ein Projekt umgesetzt, bei dem ihr einen KI-Chatbot entwickelt und eingebunden habt, der über das aktuelle Radioprogramm Bescheid weiß und für Hörer:innen zur Verfügung steht. Wie wichtig ist das KI.M für die Branche?

Wellert: Extrem wichtig – nicht nur für uns. Das Feld entwickelt sich so schnell, dass jeder Sender Unterstützung braucht, sich weiterzuentwickeln – sonst ist man  chancenlos. In der KI sollten wir keine Konkurrenz sehen, sondern die Möglichkeit von gemeinschaftlichem Arbeiten. Jeder macht seine Erfahrungen – da sollten wir viel mehr voneinander lernen. Bayern ist da Vorreiter.

Bannerbild: Antenne Bayern

Über den Autor/die Autorin

Benjamin Hartwich

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