5 Statements, die uns vom 1E9-Festival der Zukunft im Kopf bleiben
Unter dem Motto „Join the Future!“ versammelte das Festival der Zukunft 2026, präsentiert von 1E9 Denkfabrik und dem Deutschen Museum, spannende Köpfe aus Tech, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst in der Münchner Innenstadt.
Über 150 Expert:innen diskutierten in mehr als 100 Sessions die Trends von morgen: von Quantencomputing und Robotik bis hin zu zukunftsweisender Medizin. Doch was bedeuten bahnbrechende Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz, neue XR-Experiences oder veränderte Konsumgewohnheiten konkret für Kreative und Medienmacher:innen? Wir haben die wichtigsten Learnings vom Festival der Zukunft für dich zusammengefasst:
Die negativen Folgen von KI kommen von selbst – für die positiven müssen wir aktiv arbeiten.
In seiner Keynote „We Don’t Need More of This AI“ fand Prof. Dr. Björn Ommer (LMU München) deutliche Worte für die aktuelle KI-Entwicklung. Gefühlt gebe es in Deutschland zwar 82 Millionen KI-Expert:innen, doch die Debatte greife zu kurz. Wir erleben laut Ommer bereits eine Phase, in der KI-generierte Inhalte den von Menschen produzierten Content im Netz mengenmäßig überholen. Die Folgen dieser aktuellen KI-Welle beträfen die Medienbranche direkt: eine enorme Machtkonzentration bei wenigen Tech-Konzernen, Abhängigkeiten, der Verlust von Einstiegsjobs für junge Talente und eine massive Vertrauenserosion durch minderwertigen Content.
Das Kernproblem: Die negativen Effekte von KI entstünden völlig automatisch. Damit die positiven Versprechen der Technologie – wie der Wandel hin zu einer echten Wissensgesellschaft – einträfen, müssten wir aktiv dafür arbeiten. Für den Medienstandort Europa bedeute das: Bloßes Hinterherlaufen und das reine Optimieren bestehender Prozesse reichen nicht aus. Wir müssten eigene Nischen besetzen, beispielsweise durch die Entwicklung hocheffizienter, spezialisierter Algorithmen.
Das Learning für Medienmacher:innen: Die positiven Potenziale von KI kommen nicht von allein – wir müssen sie gezielt einfordern und gestalten.
Um zu überleben, müssen sich Medienhäuser auf ihre Communitys fokussieren.
Dass die reine Haltung „Wir machen einfach weiter Qualitätsjournalismus, dann wird das schon“ nicht mehr ausreicht, machten Klaus Meier (KU Eichstätt-Ingolstadt), Uli Köppen (BR), Monika Pilath (DIE ZEIT) und Alexander von Streit (Krautreporter) in der Session „Antworten ohne Absender: Was bleibt vom Journalismus, wenn KI antwortet?“ klar. Durch KI-Modelle drohten vor allem reichweitenbasierten Medien massive Einbrüche, denn immer öfter blieben dadurch die Klicks auf die Websites aus. Laut von Streit sind große, rein werbefinanzierte Geschäftsmodelle Geschichte; die Zukunft gehöre viel mehr kleineren, communitybasierten Modellen. Journalismus brauche ein neues Mindset und müsse Orte des Austauschs wie Events finden, um die Beziehung zum Publikum zu pflegen.
Gleichzeitig verlagere sich der Wert von Medienhäusern auf zwei Kernbereiche: Vertrauen und Daten. Während große Zeitungsverlage KI intern bereits erfolgreich als Werkzeug zur Effizienzsteigerung einsetzten, etwa bei der Recherche mit immens vielen Daten, bleibe der Mensch als vertrauenswürdiger Absender im direkten Dialog essenziell. Strategisch, so BR-KI-Chefin Uli Köppen, müsse die Branche zudem massiv bei der eigenen Produktentwicklung beschleunigen. Ein Zukunftsmodell könnte etwa der faire, regulierte Verkauf von Mediendaten auf entstehenden Datenmarktplätzen sein.
Der Journalismus könnte sich das ein oder andere von der Gaming-Branche abschauen.
Die zunehmende „Zero Click“-Realität trifft Verlage hart. Beim Onlineauftritt der „Apotheken Umschau“ führte das etwa zu massiven Einnahmeeinbrüchen von 60 Prozent, wie Harald Mandl (Wort & Bild Verlag) in der von Bernd Oswald (Bayerischer Rundfunk) moderierten Session „Zero Click, Zero Cash?“ berichtete. Selbst Verlage in einer komfortablen Monopolstellung wie die Augsburger Allgemeine, vertreten durch Lena Jakat, spüren den Ressourcendruck. Doch wie lässt sich digitaler Content künftig noch monetarisieren? Dirk von Gehlen (SZ) betonte, dass Inhalte allein längst nicht mehr der Hauptgrund für ein Abo sind – es gehe um Wertschätzung und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Community.
An diesem Punkt könnte sich die Branche vielleicht etwas von der Gaming-Industrie abschauen: Die Spielebranche monetarisiert mit extrem erfolgreichen Free-to-Play- und Mikrotransaktions-Modellen. Paul Redetzky (Emergo Entertainment) regte an, dieses Prinzip auf journalistische Medien zu übertragen. Der Schlüssel zum Erfolg im Gaming sei Interaktivität: Spieler:innen zahlen für das Gefühl, selbst Einfluss zu nehmen und sichtbarer Teil einer fiktiven Welt zu sein. Digitale Gaming-Erfolge wie Wordle (SZ) zeigen bereits, dass Gamification auch im Journalismus funktioniert. Wenn Verlage ihr Publikum nicht mehr nur als passive Leser:innen begreifen, sondern mehr interaktive Erlebnisse und Simulationen schaffen, könnten völlig neue Erlösmodelle entstehen.
Wir in Europa haben ein großes Problem – und müssen unabhängig werden.
Die technologische Souveränität Europas steht auf dem Spiel, und die Medienbranche ist davon direkt betroffen. In seiner Keynote fand Dr. Fabian Mehring, Bayerischer Staatsminister für Digitales, klare Worte: Europa müsse lernen, dass digitale Technologien wie KI, XR und Quantencomputing die Zukunft sind. Um unabhängig zu werden und zu bleiben und nicht am digitalen „Katzentisch“ zu landen, brauche Europa eigene Tech-Champions und die Bereitschaft, Spitzentechnologie mutig zu gestalten.
München und das Bundesland Bayern positionieren sich dabei als digitales Powerhouse: Durch die bayerische Hightech Agenda wurden bereits über fünf Milliarden Euro investiert, was Bayern zu einem der Top-20-Tech-Standorte weltweit macht. Für die Medien- und Kreativbranche bietet das enorme Chancen – insbesondere in zukunftsorientierten Bereichen wie Extended Reality (XR). Mehrings Appell: Der Staat muss Bürokratie abbauen und selbst als Ankerkunde für innovative Tech-Lösungen fungieren.
Damit KI wirklich wertvoll für uns wird, brauchen wir ein Ziel, das wir erreichen wollen.
„Wann sind wir endlich da?“ Mit dieser Frage blickte Tech-Journalist und KI-Experte Gregor Schmalzried in seiner Keynote auf die rasanten KI-Entwicklungen der letzten zweieinhalb Jahre zurück. Was er konkret meinte: Wann sind wir mit der Nutzung von KI endlich auf dem Qualitätslevel angekommen, auf dem wir gerne wären?
In Deutschland wächst die Skepsis. Laut Umfragen befürchten 45 Prozent der Menschen, dass KI ihr Leben verschlechtern wird. Während KI in manchen Bereich wie Bild- und Videogenerierung deutlich besser wurde, stagniert die Qualität bei Textarbeiten. Ist die Revolution durch KI am Ende nicht mehr als ein leeres Versprechen?
Dafür müsse man sich ansehen, welche Fähigkeiten KI habe und welche (noch) beim Menschen liegen. KI brilliere in der Reproduktion und im Transfer, also im Interpretieren bestehender Daten. Was ihr jedoch völlig fehle, so Schmalzried, ist die Fähigkeit zur Reflexion. Das Hinterfragen und das bewusste Erschaffen von Neuem blieben Kernkompetenzen des Menschen. Für Medienhäuser bedeute das: KI wird erst dann zu einer echten Hilfestellung, wenn wir selbst handlungsfähig bleiben. Wir dürften uns von der schieren Masse an KI-Content nicht paralysieren lassen. Um die Technologie sinnvoll zu lenken, brauche es ein klares, übergeordnetes Ziel, das wir als Gesellschaft und als Medienbranche erreichen wollen. KI hilft uns, es zu erreichen.
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