Butterfly-Effekte: Vom bayerischen Regenschauer zu „Stranger Things“

Kleine Zufälle, große Wirkung. Diese Kolumne folgt verrückten Butterfly-Effekten aus der Medienwelt – mit Anfang oder Ende in Bayern. Heute: Warum ein Regenschauer in Garmisch-Partenkirchen für eine ikonische „Stranger Things“-Szene verantwortlich ist.

27.07.2026 2 Min. Lesezeit

01 – Sommer 1928.

Ein surrealistischer Maler aus Hamburg irrt durch Garmisch. Er sucht ein Mädchen, in das er sich verliebt hat. Es soll hier irgendwo leben.

02 – Er findet es nicht.

Dann fängt es an zu regnen.

03 – Der Maler flüchtet in ein Geschäft.

Der Laden ist… ungewöhnlich.

04 – Es gibt Seidenstoffe aus Arabien

– und ein Kapuzineräffchen namens Jonathan, das über die Theke turnt.

05 – Doch der Maler hat nur Augen für die Besitzerin.

06 – Der Regen hört nicht auf, auch nicht nach Ladenschluss.

Also bittet die Frau den Maler nach oben in ihre Wohnung. Sie reden über Kunst, Literatur und Philosophie. Die ganze Nacht.

07 – Noch im Herbst verloben sie sich.

Neun Monate später wird ihr Sohn geboren: Michael Ende.

08 – Der wird Schriftsteller und veröffentlicht 1979 „Die unendliche Geschichte“,

einen der berühmtesten deutschsprachigen Fantasyromane.

09 – Vier Jahre später wird das Buch verfilmt

– mit Bernd Eichinger als Produzenten. Damals der teuerste deutsche Film aller Zeiten.

10 – Für den US-Markt braucht man einen Titelsong.

Also beauftragt man Euro-Disco-Pionier Giorgio Moroder – Spitzname: „Father of Disco“.

11 – Moroder castet einen englischen Ex-Boyband-Sänger namens Limahl.

Der fliegt verkatert nach München und findet den Song „Never Ending Story“ mittelmäßig.

12 – Der Film brennt sich

trotzdem ins Gedächtnis einer ganzen Generation.

13 – Ungefähr 30 Jahre später

wollen zwei Zwillingsbrüder aus North Carolina den Kultfilmen ihrer Kindheit ein Denkmal setzen.

14 – Ihre Idee:

Eine Serie, die sich anfühlt, als würde Spielberg einen Stephen-King-Roman verfilmen.

15 – Daraus wird „Stranger Things“,

die Nostalgiemaschine der Streaming-Ära. Alles, was sie berührt, wird wieder lebendig…

16 – … zum Beispiel alte Hits von Limahl.

17 – In der finalen Folge

der dritten Staffel singen Dustin und Suzie via Funkgerät den Titelsong von „Die unendliche Geschichte“ als Duett.

18 – Die Szene geht viral.

Spotify meldet 825 Prozent mehr Streams. Innerhalb einer Woche.

19 – Und das alles nur, weil es 1928 in Garmisch geregnet hat.

Über den Autor/die Autorin

Lennardt Loß

Lennardt Loß ist Redakteur bei der Marketing- und PR-Agentur LOOPING ONE und schreibt als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Zeit Online. 2019 ist sein Debütroman erschienen.

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