Florian König

Florian König von Doppelpass: In Augenhöhe mit dem Publikum

Seit mehr als 30 Jahren diskutiert Fußballdeutschland im „Doppelpass“. Was die Sendung von anderen Formaten unterscheidet: Das Publikum redet mit. Moderator Florian König über eine Community, die keine Fußballfloskel durchgehen lässt.

14.10.2026 6 Min. Lesezeit

Herr König, Sie moderieren den „Doppelpass“ seit 2021. Waren Sie Zuschauer der ersten Stunde? 

Florian König: Ich bin mir nicht sicher, ob ich die allererste Sendung live gesehen habe. Auch weil mir über die Jahre immer wieder Aufnahmen davon gezeigt wurden. Aber das Format habe ich von Anfang an, seit 1995, verfolgt. Ich war damals schon Sportjournalist, und der „Doppelpass“ war sehr schnell meinungsbildend, er hat Themen gesetzt.

Was fand der Zuschauer Florian König am „Doppelpass“ – Sonntagmorgen! 11 Uhr! – spannend? 

König: Der „Doppelpass“ hat eine neue Art der Beschäftigung mit Fußball geprägt. Eine populäre, aber nicht populistische Auseinandersetzung. Dem Format ist es gelungen, die Gespräche, die unsere Zuschauer im Freundeskreis oder im Sportverein …

… oder am Stammtisch in der Kneipe …

König: … geführt haben, ins Fernsehen zu übersetzen. Diese Demokratisierung des Fußballs, über den bis dahin im Fernsehen aus dem Elfenbeinturm heraus gesprochen wurde, hat mich beeindruckt. Das war damals durchaus kontrovers, und nicht alle fanden das gut. Aber dass diese Sendung nicht profan war und keine Eintagsfliege, war von Beginn an klar.

Wir versuchen bewusst, eine Augenhöhe zu halten. Wir, also Moderator und Experten, stehen nicht drei Stufen höher, und ihr dürft uns gnädig lauschen und Applaus spenden, sondern wir diskutieren alle zusammen und sind eine große Community.

Florian König

Wie behauptet sich ein Sendungsformat über Jahrzente hinweg?

Der „Doppelpass“ ist in seinem 31. Jahr, das haben in der Geschichte des deutschen Fernsehens nur ganz wenige Sendungen geschafft. Warum funktioniert dieses Modell immer noch so gut? 

König: Wer sich für Fußball interessiert, will auch über Fußball sprechen. „Hast du gestern den 1. FC Köln gesehen?“ „Warst du auch bei den Bayern im Stadion?“ Fußballfans haben ihre Meinungen und Ansichten, und die verbreitern wir beim „Doppelpass“ mit den Experten, Sportdirektoren, Trainern oder Fachjournalisten. Und die Art und Weise, wie wir darüber sprechen, ist nicht von oben herab, sondern genauso, wie auch im Sportverein über Fußball gesprochen wird.

Was kann der „Doppelpass“ besser als die anderen langjährigen Fußballsendungen im deutschen Fernsehen, zum Beispiel die „Sportschau“ oder das „Aktuelle Sportstudio“?

König: Jede dieser Sendungen hat eine eigene Nische und deckt einen bestimmten Moment der Fußballberichterstattung ab. In der „Sportschau“ geht es stark um die Vermittlung der Fußballnachrichten und der Spielergebnisse, im „Sportstudio“ gibt es dann schon eine gewisse Vertiefung. Bei Sky steht das Live-Erlebnis im Vordergrund. Und wir kommen dann mit einem oder zwei Tagen Verspätung und gehen in die Analyse. 

Ihr Format ist also so etwas wie die Wochenzeitung im Vergleich zur Tageszeitung oder zu den Abendnachrichten.

König: Genau, oder so etwas wie die Politik-Talkshow!

Nähe zum Publikum ist das Erfolgsrezept

Ein Aspekt, der den „Doppelpass“ vom Rest der Fußballfernsehlandschaft abhebt, ist die Rolle der Zuschauenden. Sie sind an der Sendung beteiligt, werden befragt, bringen sich ein. Wie wichtig sind sie für den „Doppelpass“?

König: Sehr wichtig, aus mehreren Gründen. Der erste Aspekt ist: Vor Beginn der Sendung mache ich als Moderator mit den Zuschauern ein Warm-up. Das heißt, ich rede mit den Leuten im Studio, erkläre, was auf sie zukommt, kriege auch ein Gefühl für das, was den Zuschauern wichtig ist. Während der Sendung reagiert das Publikum dann sehr aktiv, es klatscht, pfeift, lacht. Wir bekommen also eine direkte Rückmeldung. Der zweite Aspekt ist die wirkliche Beteiligung, zum Beispiel über das Dopafon, wo die Zuschauer anrufen können. Wir zeigen die Meinungsäußerungen und kommentieren sie.

Auch die „Frage der Woche“ ist ein etabliertes Konzept, das die Community gezielt einbezieht.

König: Eine meiner Moderationskolleginnen geht in der Regel ins Publikum und befragt die Zuschauer ganz direkt zu aktuellen Themen. Wir holen sozusagen Volkes Stimme ab, denn die Menschen sind nicht gecastet oder ihre Aussagen im Vorfeld abgeklärt. Wenn zum Beispiel die Bayern gerade Thema sind, dann sprechen wir Fans im Bayern-Trikot an und fragen: „Was hältst du denn davon?“. Dabei können natürlich auch schräge Dinge herauskommen, aber für die Sendung ist dieser Input immens wichtig. Je kontroverser ein Thema ist, desto stärker binden wir die Zuschauer ein.

Keine Hierarchie: Das Publikum ist Teil des Show

Dieses Einbeziehen hat dazu geführt, dass sich über die Jahre eine engagierte „Doppelpass“-Community entwickelt hat. Wie bringen Sie die Leute dazu, dass sie mitmachen?

König: Ein großer Faktor ist, dass wir relativ niedrigschwellig sind. Wir schaffen mit der Sendung, mit der Band im Studio, mit der Lockerheit eine Atmosphäre, in der die Leute gern mitmachen und sich trauen, anzurufen. Wir versuchen bewusst, eine Augenhöhe zu halten. Wir, also Moderator und Experten, stehen nicht drei Stufen höher, und ihr dürft uns gnädig lauschen und Applaus spenden, sondern wir diskutieren alle zusammen und sind eine große Community.

Wie erleben Sie diese Community außerhalb des Studios? Werden Sie auf der Straße mit Fußballmeinungen konfrontiert?

König: Als ich vor fünf Jahren als Moderator angefangen habe, hat es mich wirklich überrascht, wie viel ich angesprochen werde. Zum Beispiel am Flughafen, wenn Leute zu mir kommen und sagen: „Mensch, ihr müsstet doch mal über Heidenheim sprechen!“ Oder: „Mögen Sie eigentlich Stefan Effenberg?“ Wie relevant diese Sendung ist und wie viele Menschen sie erreicht, habe ich durch diese Kontakte gemerkt. 

Dank Social Media und dem Internet hat die Community heute deutlich andere Möglichkeiten, sich zu beteiligen, als in den Anfangstagen des „Doppelpasses“. Wie hat das die Sendung verändert? 

König: Der Draht ist noch kürzer. Man muss heute nicht mehr anrufen, sondern kann mit einem Hashtag einfach etwas posten. Das ist für uns sehr interessant, weil wir einen Kanal mehr haben, auf dem wir die Temperatur eines Themas messen können. Ist auf einer bestimmten Kontroverse besonders viel Druck? Und wir haben nach einer Sendung ein gutes Barometer, ob wir richtig lagen mit unserer Themenplanung, ob wir wirklich getroffen haben, was die Menschen interessiert.

Auch Humor ist wichtig: Das Phrasenschwein als Kult-Element

Innerhalb der Institution „Doppelpass“ gibt es eine weitere Institution: das Phrasenschwein. Wenn Ihre Gäste ausgelutschte Fußballformulierungen benutzen, müssen sie drei Euro einwerfen. Was macht das Phrasenschwein so wichtig für die Sendung? 

König: Einerseits ist es eine porzellangewordene Mahnung. Aus Sicht des Fernsehmachers ist es aber auch ein willkommener Rhythmusbrecher. Wenn jemand Geld einwerfen muss, ertönt eine Musik, die Zuschauer lachen, schon ist eine andere Energie in der Runde.

Das Element kommt bei der Community also sehr gut an.

König: Die kriegt jede Floskel mit. Ich höre die Leute hinter mir, die achten darauf und rufen gerne mal rein. Und es hat sich mittlerweile im Sprachgebrauch etabliert, letztens hat sogar in der Talkshow von Caren Miosga jemand gesagt: Das wären jetzt drei Euro ins Phrasenschwein. 

Noch dazu ist das Phrasenschwein besonders inflationssicher: In den ersten Sendungen kostete eine Floskel fünf Mark, nun sind es drei Euro. 

König: Absolut. Wie beim gesamten „Doppelpass“ wollen wir auch da beständig bleiben!

Bannerbild: Jamal Buscher

Über den Autor/die Autorin

Matthias Kirsch

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