Das Studio im Hauptsendezentrum in Ismaning. Hier findet die Berichterstattung der Fußball-WM von MagentaTV statt.

WM 2026: Wie von Ismaning aus Sportmediengeschichte geschrieben wird

Mammutprojekt im 24/7-Modus: MagentaTV zeigt als einziger Sender in Deutschland alle 104 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft live. Gesteuert wird das technologische und redaktionelle Spektakel über ein starkes bayerisches Netzwerk direkt aus dem Hauptsendezentrum in Ismaning – verbunden mit einem Partnerstudio in New York.

01.07.2026 6 Min. Lesezeit

Während die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 die Fußballwelt in Atem hält, wird hinter den Kulissen am Standort Bayern Mediengeschichte geschrieben: MagentaTV zeigt als einzige Plattform in Deutschland alle 104 Spiele des Turniers live und in voller Länge. Schon während der Vorrunde fährt die Telekom damit Rekordzahlen ein, wie der Konzern bekannt gibt. Das komplette Projekt wird aus dem bayerischen Hauptsendezentrum in Ismaning bei München gesteuert, das in Echtzeit mit einem Partnerstudio in New York und den Teams vor Ort in den USA, Kanada und Mexiko verzahnt ist. 

Um den Fans das ultimative WM-Erlebnis zu bieten, bespielt die Crew parallel drei maßgeschneiderte Kanäle: Auf Kanal 1 läuft das klassische, lineare Hauptprogramm mit allen Vorberichten und Live-Matches. Wer tiefer in die Materie eintauchen will, schaltet auf den zweiten Kanal, der als Taktik- und Statistik-Kanal mit vielen Live-Daten glänzt. Und für alle, die es etwas unkonventioneller mögen, bietet der „Überraschungskanal“ echte Highlights, die auch mal Comedians oder Übersetzungen in andere Sprachen beinhalten können. Der tägliche „Breakfast Club“, der die Spiele der letzten Nacht zusammenfasst, und eine umfassende Social-Media-Bespielung runden die Berichterstattung ab. 

Ein bayerisches Loft als Herzstück der WM

Um dieses mediale Großereignis visuell und technisch perfekt zu transportieren, wurde am Standort Ismaning in Rekordzeit ein komplett neues Sendestudio aufgebaut. Für Jörg Krause, Leitung Kommunikation bei der ThinXpool TV GmbH, ist das Ergebnis ein echter Meilenstein: „Dieses Studio ist ausgezeichnet konzipiert.“ ThinXpool mit Sitz in Holzkirchen hält bei diesem Projekt die komplette produktionelle und inhaltliche Hoheit über die MagentaTV-WM-Berichterstattung.

Das Studio bietet eine gute Chance auf Dynamik, weil in Zusammenarbeit mit den Regisseuren dort verschiedene Positionen definiert wurden, von denen jede eine klare Funktion und Zuordnung hat.

Jörg Krause, ThinXpool

Konzipiert vom Setdesigner Jürgen Bieling, bricht das 350 Quadratmeter große Studio mit dem klassischen Look typischer Sportsendungen. Gestaltet als modernes, warmes Loft, vereint es maximale Funktionalität mit einer wohnlichen Atmosphäre. „Die Verantwortlichen haben ein kompaktes Studio geschaffen, das alle Ansprüche erfüllt“, erklärt Jörg Krause. „Es bietet eine gute Chance auf Dynamik, weil in Zusammenarbeit mit den Regisseuren dort verschiedene Positionen definiert wurden, von denen jede eine klare Funktion und Zuordnung hat.“ 

Neben dem klassischen Moderationstisch für die Spiel-Berichterstattung gebe es eine eigene Analyse-Unit sowie das Set für den morgendlichen „Breakfast Club“. Riesige Medienelemente – darunter eine 16,5 Meter breite LED-Front – holen die Atmosphäre der verschiedenen Spielorte in Nordamerika digital nach Ismaning. Das Besondere: Über ein zentrales Grafik- und Zuspielsystem ist das Ismaninger Loft so intelligent mit dem Partnerstudio in New York vernetzt, dass Inhalte standortübergreifend und völlig nahtlos mit geringster Latenz ausgespielt werden können.

Über 400 Fachkräfte rund um die Welt im Einsatz

Für das millimetergenaue Ineinandergreifen der Technik zeichnet ein weiteres bayerisches Unternehmen verantwortlich: Die DMC Production Germany GmbH (ehemals Plaza Media) aus Ismaning wurde von ThinXpool mit der kompletten technischen Ausstattung, dem Studiobau und der Sende-Abwicklung beauftragt. Hansjörg Baumgartner, Director Production Services & Customer Engagement bei der DMC und Projektleiter des WM-Projekts, beschreibt die Dimension der logistischen Infrastruktur: „Unsere Leistungen umfassen die meisten Bereiche einer klassischen Innenproduktion. Das ist das technische Herzstück, eine Infrastruktur, die alles, was daran andockt, zusammenbringt.“

Konkret bedeutet das: Bei der DMC laufen im sogenannten WM-MCR (Master Control Room) pro Spiel circa 65 oder mehr Einzelsignale aus Nordamerika zusammen. Diese müssen in Echtzeit verarbeitet, konvertiert und über Live-Galleries, Grafiksysteme und Vertonungsstudios veredelt werden, bevor sie in die Playouts an die Telekom gehen. Ein absolutes Novum der Medientechnik: Erstmals werden alle Spiele des Turniers durchgängig in nativem UHD HDR und mit Dolby Atmos produziert.

Das Studio im Ismaninger Hauptsendezentrum wurde extra für die WM-Berichterstattung von MagentaTV konzipiert und aufgebaut. // Fotos: ThinXpool TV GmbH

Die Sende- und Übertragungstechnik wird in einem innovativen Remote-Konzept zwischen New York, den Stadien in Nordamerika, dem DFB-Camp in Winston-Salem und dem Sendezentrum in Deutschland vom Mainzer Unternehmen TV Skyline umgesetzt. Die unilaterale Berichterstattung aus den WM-Stadien in Nordamerika ist ebenfalls Teil dieses Remote-Konzepts.

Um diese „technische Schlacht“ möglichst fehlerfrei zu schlagen, ist ein riesiges Team im Dauereinsatz: Insgesamt arbeiten über alle Partnerunternehmen hinweg mehr als 450 Personen an dem Projekt, davon allein rund 150 operative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der DMC. Während die Redaktion und die Technik-Crews das bayerische Sendezentrum in Ismaning rund um die Uhr besetzen, fliegen die mobilen Venue-Teams und hochkarätigen Expert:innen – darunter Thomas Müller, Mats Hummels, Tabea Klemme und Jürgen Klopp – direkt von Spielort zu Spielort in den USA, Kanada und Mexiko.

Ein Jahr Planung für den logistischen Ausnahmezustand

Insgesamt zwölf Monate Entwicklungs- und Planungszeit stecken in der maßgeschneiderten WM-Infrastruktur. Dabei sind sowohl ThinXpool als auch die DMC erprobte Profis, die bereits vergangene EM und WM erfolgreich gestemmt haben. Doch dieses Turnier sprengt alle bisherigen Dimensionen. Zum einen sorgt die schiere Masse von erstmals 104 Spielen in fünfeinhalb Wochen für eine extreme Belastungsprobe. Zum anderen stellt die Geografie des Turniers über drei riesige Länder hinweg eine große Herausforderung da.

Die große Herausforderung sind die für uns nächtlichen Spielzeiten, aber auch 15 verschiedene Anstoßzeiten. Wir müssen also jeden Tag mit den unterschiedlichen Zeiten komplett individuell durchplanen. Das bedeutet für uns einen echten 24/7-Betrieb.

Hansjörg Baumgartner, DMC

DMC-Projektleiter Hansjörg Baumgartner, der seit 30 Jahren im Geschäft ist, hat so etwas noch nicht erlebt: „Die große Herausforderung sind die für uns nächtlichen Spielzeiten, aber auch 15 verschiedene Anstoßzeiten. Das ist für eine WM sehr ungewöhnlich. Wir müssen also jeden Tag mit den unterschiedlichen Zeiten komplett individuell durchplanen. Das bedeutet für uns einen echten 24/7-Betrieb.“

Während die Technik- und Redaktionsmannschaft also in zwei bis drei Schichten rund um die Uhr in Ismaning die Stellung hält, haben die Teams vor Ort kompliziertere, logistische Anforderungen zu erfüllen. ThinXpool-Kommunikationschef Jörg Krause verdeutlicht, welcher Kraftakt hinter den Kulissen nötig ist, um die hochkarätigen Expert:innen, Moderatoren, Kommentatoren, Aufnahmeleiter und weitere produktionelle Begleiter:innen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen: „Die Expert:innen bewegen sich nicht mit dem Bus, sondern mit dem Flugzeug durch verschiedene Zeitzonen. Akkreditierungen, Arbeitsvisa – alleine mit dieser Reiseorganisation waren bei uns viele Monate mehrere Menschen durchgehend beschäftigt.“

Teamplay über Landesgrenzen hinweg

Ein solches mediales Großprojekt lässt sich nur in einem perfekt eingespielten Ökosystem realisieren. ThinXpool und die DMC setzen auf ein starkes Netzwerk, in dem bayerische Unternehmen eine Schlüsselrolle einnehmen: Die Münchner Firma MMO sorgt beispielsweise mit einer KI-gestützten Content-Strategie für die automatisierte Ausspielung von Torszenen und Highlights in Windeseile an große Medienpartner. Das Mainzer Unternehmen TV Skyline ist mit einem Übertragungswagen in Ismaning präsent und stellt die Technik für das New Yorker Studio sowie die mobilen Venue-Teams in Nordamerika. 

Für ThinXpool-Kommunikationschef Jörg Krause ist dieser teamübergreifende Geist das Geheimnis des Erfolgs: „Das bekommt man nur mit Partnern hin, die eine sehr große Bereitschaft für ein Top-Niveau mitbringen.“

Und was passiert mit dem Studio und seiner Technik nach dem Turnier? Kompletter Rückbau, erklärt DMC-Projektleiter Hansjörg Baumgartner und wagt einen Blick in die Zukunft des Unternehmens: „Wir werden nächstes Jahr einen Schwenk in eine komplett neue Infrastruktur haben. Die DMC wird komplett auf cloudbasierte Technik setzen, um unseren Kunden frei skalierbare und sehr innovative Funktionalitäten anzubieten. Das wird wirklich ein ganz großer Hingucker.“

Für ThinXpool stehen nach der WM schon die nächsten Highlights auf dem Programm: Das Unternehmen bleibt weiterhin inhaltlicher Gestalter für rund 3000 Sendestunden bei MagentaSport – neben Fußball liegt der Fokus auf Eishockey, Basketball, Hockey und Golf.

Bannerbild: ThinXpool TV GmbH

Florentina Czerny
Über den Autor/die Autorin

Florentina Czerny

Florentina ist Teil des Content-Teams bei XPLR: MEDIA und Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft. Für unser Onlinemagazin spürt sie regelmäßig Erfolgsstorys über Medienmacher:innen und innovative Projekte am Medienstandort auf. Zuvor hat sie in Eichstätt Journalistik studiert, im Lokaljournalismus volontiert und drei Jahre lang als Redakteurin bei der Passauer Neuen Presse gearbeitet.

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