Mit Visionary Tales vom Startup WeDavinci Geschichten zum Leben erwecken
Bewegtbild war lange ein Luxusformat: aufwendig und teuer. Generative KI senkt diese Hürden und ermöglicht professionelle Videos auch dort, wo keine Bilder existieren – etwa bei Romanstoffen oder noch nicht produzierten Filmprojekten. Das bayerische Startup WeDaVinci hat genau dafür die Plattform Visionary Tales entwickelt.
Vor ein paar Jahren hätte die Idee noch wie Science-Fiction geklungen: Man lädt ein paar Seiten Konzept hoch – und kurze Zeit später entsteht daraus ein visuell ausgearbeiteter Trailer mit eindrucksvollen Szenen, realistischen Figuren, Dialogen und Voiceover. Genau dafür hat das bayerische Startup WeDaVinci ein Tool entwickelt – und gehört damit zu den Vorreitern beim Einsatz generativer KI.
„WeDaVinci bietet eine Plattform für KI-basierte Content-Generierung, insbesondere kurze Video-Formate wie Trailer“, sagt Mitgründerin Veronika Gamper im Gespräch mit XPLR: MEDIA in Bavaria. Besonders richtet sich die Lösung derzeit an eine Branche, die zwar starke Geschichten hat, bisher aber kaum Bewegtbild produziert: die Buchbranche.
Die Kernidee hinter dem webbasierten Tool „Visionary Tales“ von WeDaVinci: Verlage können damit Trailer zu ihren Titeln produzieren, um Produktionsfirmen einfacher von einer Verfilmung zu überzeugen. Die KI funktioniert dabei nicht als „Black Box“, der man einmal einen Prompt gibt – und dann auf ein gutes Ergebnis hofft.
Kein Video auf Knopfdruck, sondern Ko-Kreation
„Am Anfang gibt man einen Text ein. Das kann ein ganzes Manuskript sein, dann werden die relevantesten Szenen für den Trailer von der KI ausgewählt. Oder es können ein bis fünf Seiten mit den selbst ausgewählten Szenen sein, idealerweise mit Beschreibung der Geschichte, der Charaktere und der Orte. Die Nutzer:innen bekommen dann von WeDaVinci sogleich Vorschläge für drei Synopsen des Trailers“, erklärt Veronika Gamper. Anschließend können User:innen auswählen, welche Variante sie verfolgen möchten: Soll der Trailer stärker auf eine einzelne Figur fokussieren? Auf eine Beziehung zwischen zwei Charakteren? Oder auf eine bestimmte Stimmung?
Anschließend schlägt die Plattform Szenen, Charakterdesigns und Locations vor. Auf dieser Basis lassen sich auch komplexe oder schwer umsetzbare Welten visuell erfahrbar machen, etwa historische Settings oder fantastische Szenarien. Die User:innen können bei jedem Schritt in natürlicher Sprache die Richtung vorgeben – etwa das Aussehen einer Figur, den Stil der Bilder oder die Dramaturgie der Szenen. Erst danach werden daraus animierte Videosequenzen.
Am Ende entsteht Videomaterial mit einer Länge von ein bis drei Minuten – inklusive Vorschlägen für Musik, Dialoge und Voiceover. Die einzelnen Sequenzen lassen sich dann exportieren und in gängigen Schnittprogrammen weiterbearbeiten und finalisieren. Wichtig ist dem WeDaVinci-Team dabei ein Prinzip: Die Plattform soll echte Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ermöglichen.
„Wir machen kein Video nur auf Knopfdruck. Der Mensch bringt sein Wissen über Intention, Zielgruppe und Inhalt ein“, sagt Veronika Gamper. „Ich bekomme erst einmal Vorschläge von der KI und werde dann mit natürlicher Sprache durch den Prozess geleitet.“ Deshalb nennt das Unternehmen seinen Ansatz „Human-AI Co-Creation“.
Marketing mit Videos wird erschwinglich und breiter einsetzbar
Buchtrailer haben sich WeDaVinci bewusst als ersten großen Anwendungsfall ausgesucht – vor allem, weil es sie bisher kaum gab. „Das wurde früher kaum gemacht – vielleicht für große Bestseller“, sagt Veronika Gamper. Für die meisten Titel sei diese Marketingform, obwohl sie sich für die so wichtigen Social-Media-Kampagnen eignet, bislang unerschwinglich geblieben. Mit KI könnten nun deutlich mehr Bücher visuell präsentiert werden.
„Ich kann innerhalb von 30 Sekunden bis zwei Minuten kommunizieren und visualisieren, was ich mir vorstelle“, erklärt Veronika Gamper. Das sei auch für die Vermarktung von Filmrechten interessant – insbesondere, um Projekte früh greifbar zu machen, noch bevor gedreht wird. Ein kurzer Trailer könne Produzent:innen schneller zeigen, welche Stimmung und welches Potenzial in einer Geschichte steckt.
Auch für Filmproduzent:innen und Drehbuchautor:innen könnte das Tool neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Ideen zu präsentieren – etwa als sogenanntes „Sizzle Reel“, das in der Filmbranche häufig genutzt wird, um Projekte bei Fördereinrichtungen oder Investor:innen vorzustellen.
Auszeichnung bei der Berlinale
Möglich geworden ist eine Plattform wie WeDaVinci erst durch die rasante Entwicklung generativer KI. „Die wichtigsten Fortschritte für uns waren die Möglichkeit, Bilder und Videos über natürliche Sprache zu generieren und zu editieren – und die immer besseren KI-Modelle“, sagt Veronika Gamper. Entscheidend sei vor allem, dass KI heute Figuren und Orte über mehrere Szenen hinweg konsistent darstellen kann.
WeDaVinci begleitet User:innen vom Text über das Storyboard bis zum Video. Dabei kombiniert das Unternehmen nicht nur verschiedene technische Workflows und Modelle, sondern finetuned auch Modelle für spezifische Anwendungsfälle und Stile. „Wir bringen unser Wissen aus Film, Schreiben und KI zusammen und nehmen den Nutzer:innen damit die technischen Entscheidungen im Hintergrund ab“, erklärt Veronika.
Die Reaktionen aus der Medien- und Filmbranche seien sehr positiv, berichtet das Team. Besonders Gespräche mit Verlagen, Autor:innen und Produzent:innen hätten gezeigt, dass das Interesse an solchen Werkzeugen groß ist und weiter wächst. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr erlebe ich eine deutlich größere Offenheit für KI – und ein sehr konkretes Interesse daran, wie solche Tools in bestehende Prozesse integriert werden können“, sagt Veronika Gamper.
Dass die Idee einen Nerv in der Branche trifft, zeigte sich auch auf der Berlinale: Beim European Film Market, dem internationalen Branchentreff der Filmindustrie, wurde WeDaVinci mit dem EFM Startups Award 2026 ausgezeichnet.

Der Workflow von WeDaVinci erklärt. / Grafik: WeDaVinci











